Music Review | verfasst 15.06.2015
HELM
Olympic Mess
PAN, 2015
Text Tim Caspar Boehme , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (2)
8.5
Redaktion
Cover HELM - Olympic Mess

Stereotype gelten als nützliche Erfindung, weil sie oft einen wahren Kern haben. Etwa die immer wieder gern beschworene Sache mit der Kunst, die aus persönlichem Leid hervorgeht. Aber aufgemerkt: Wenn HELM sein jüngstes Album als Ergebnis des Versuchs bezeichnet, mit dem eigenen Chaos umzugehen, dann kann man Luke Younger zu dieser mutmaßlich ehrlichen Strategie individueller Stressbewältigung mit musikalischen Mitteln nur beglückwünschen. Denn die olympische Unordnung, die HELM im Titel der Platte ankündigt, mag zwar mitunter wüten – im pulsierenden Drängen, im gelegentlichen Schrillen und dräuenden Knirschen der Klänge, die je nach Bedarf mal gründlich durchgeknetete Samples, kompostierte Field Recordings oder seltene Gewächse rein elektronischen Ursprungs sind – am Ende bleibt diese »Olympic Mess« stets eine gerichtete Kraft, die sich ihres Ziels vielleicht noch nicht bewusst ist, aber trotzdem unaufhaltsam ihren Weg dorthin sucht. Sie tut dies im Verlauf des Albums auf zunehmend gelassene Weise, wie im Titelstück oder, scheinbar zumindest, in »Outerzone 2015«, das man mit einigem guten Willen als Ambient durchgehen lassen könnte, würden seine sperrigen Flächen, die wie tektonische Platten aneinanderstoßen, nicht von einer inneren Spannung fast auseinandergerissen. Aus diesem Leiden geht man nach dem Hören selbst gestärkt hervor. Hoffentlich ist es HELM ähnlich ergangen.

Das Album »Olympic Mess« von Helm findest du bei hhv.de: 2LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 21.03.2017
Various Artists
Mono No Aware
»mono no aware«, die erste Compilation aus dem Hause PAN ist ein Plädoyer für offen gehaltene Ohren.
Music Review | verfasst 04.02.2014
HELM
The Hollow Organ EP
Luke Younger weiß als HELM die Texturen seiner Tracks extrem spannend zu gestalten, die Balance zwischen den krassen Sounds stimmt.
Music Review | verfasst 13.12.2013
Heatsick
Re-Engineering
Diese Musik ist herrlich bekloppt. Doch sie groovt, sie weiß ganz ganz viel von elektronischer Musik und möchte gehört werden.
Music Review | verfasst 12.09.2014
Lee Gamble
KOCH
Mehr als ein würdiger Nachfolger. Lee Gambles neue Platte »KOCH« führt die Stärken seiner Durchbruch-Platten aus dem Jahr 2012 zusammen.
Music Review | verfasst 28.04.2015
Lifted
1
Max D und Co La haben einfach mal gemacht: Das hier der improvisierte Wahnsinn mit besonnenem Kern.
Music Review | verfasst 30.06.2016
Valerio Tricoli
Clonic Earth
Bedrückender, gespenstischer Horror. Valerio Tricoli malt mit »Clonic Earth« eine Welt ohne Bild. Gibt es Schrecklicheres?
Music Review
Maisha
There Is A Place
Das britische Jazz-Sextett Maisha zeigt auf »There Is A Place« wie der Spiritual Jazz in die Jetztzeit zu transportieren ist.
Music Review
Vaudou Game
Otodi
Westafrikanische Musik ist in aller Ohren, Togo wird dabei oft ausgespart. Schade eigentlich. Peter Solo’s Vaudou Game sollte man hören.
Music Review
Mall Grab
How The Dogs Chill Vol.1
Der australische Überflieger Mall Grab hat etwas zu beweisen und deshalb mit Looking For Trouble ein eigenes Label gestartet.
Music Review
Carsten Erobique Meyer
Tatortreiniger Soundtracks
Die »Tatortreiniger Soundtracks« von Carsten Meyer sind jetzt erschienen. Sie zeigen, dass Soundtracks deutscher Fernsehserienetwas taugen.
Music Review
Roc Marciano
Behold A Dark Horse
Die Beats auf »Behold A Dark Horse« gehören zum Besten, was Roc Marciano bislang veröffentlicht hat. Es gibt aber auch Schwächen…
Music Review
Julien Dyne
Teal
»Teal«, das neue Album des Neuseeländers Julien Dyne, ist eine überzeugende Verarbeitung globaler Beats.
Music Review
Charles Bradley
Black Velvet
Vor genau einem Jahr starb Charles Bradley. Nun veröffentlicht Dunham mit »Black Velvet« eine Sammlung von Raritäten, Singles, Bonus Tracks.
Music Review
Bill Ryder-Jones
Yawn
Entgegen dem Titel ist »Yawn«, das vierte Album des ehemaligen The-Choral-GItarristen Bill Ryder-Jones, keineswegs zum Gähnen.
Music Review
Various Artists
JD Twitch presents Kreaturen der Nacht
Der Brite JD Twitch hat für »Kreaturen der Nacht« wirklich ein paar weniger bekannte Stücke aus dem West-Berlin der 1980er Jahre entdeckt.
Music Review
Dead Can Dance
Dionysus
Mit eindrucksvoller Seriosität streben Dead Can Dance auf »Dionysus« nach dem Transzendenten und bleiben ihren Anhängern nichts schuldig.
Music Review
The Gongs Gang
Gimme Your Love
Best Record Italy veröffentlicht die Single »Gimme Your Love«, die einzige Hinterlassenschaft der Band The Gongs Gang.
Music Review
Thom Yorke
OST Suspiria
»Suspiria« ist ein Klassiker. Auch sein Soundtrack wird kultisch verehrt. Ob Thom Yorkes Score für das Remake ähnliche Wellen schlägt?
Music Review
Jens Friebe
Fuck Penetration
Noch nie war er so explizit politisch, noch nie sang er so englisch: Über Jens Friebes neues Album »Fuck Penetration«.
Music Review
Kelly Moran
Ultraviolet
Für Warp eher ungewöhnlich: Kelly Moran entlock auf »Ultraviolet« dem präparierten Klavier unerhörte Klänge.
Music Review
Lucas Croon
Lucas Croon EP
Lucas Croon versteht was von seinem Handwerk. Das hat er bei Stabil Elite gezeigt und auch auf seiner Solo-EP wird das klar.
Music Review
Various Artists
Venezuela 70 Vol.2
Klänge, die am Ende Hoffnung machen: Soul Jazz Records legt den zweiten Teil ihrer Compilation-Reihe »Venezuela 70« vor.
Music Review
G.B. Beckers
Walkman
Günther Beckers ist eigentlich bildender Künstler, was in seinem Kunstverständnis Musik mit einschließt.
Music Review
Julia Holter
Aviary
Mit »Aviary« gelingt Julia Holter ein Album, um sich darin für alle Ewigkeiten zu verlieren.
Music Review
Oneness Of Juju
African Rhytms
Gut Ding will Weile haben: 1975 noch kein Hit lohnt es sich heute die »African Rhytms« von Oneness Of Juju wiederzuentdecken.
Music Review
Chris Bowden
Time Capsule
»Time Capsule«, das revolutionäre Debüt von Chris Bowden aus dem Jahr 1992, wurde nun – 20 Jahre out of print – wiederveröffentlicht.
Music Review
Kurt Vile
Bottle It In
Zwischen all den Banalitäten stecken die kleinen Wunder: Slacker Kurt Vile hat mit »Bottle It In« sein siebentes Album veröffentlicht.
Music Review
Army Of The Pharoahs
The Torture Papers
Das Debüt der Army Of The Pharoahs hatte seinen festen Platz im Hardcore Hip-Hop schon 2006 wegen der verdammt souveränen Texte verdient.
Music Review
Fatima
And Yet It's All Love
»And Yet It’s All Love« von Fatima ist die künstlerische Umsetzung einer romantischen Beziehung – mit allen Hochs und Tiefs.
Music Review
Jlin
Autobiography
Mit »Autobiography« hat Jlin die Musik zu einem Ballett von Wayne McGregor geschrieben und ist so vielfältig wie noch nie zuvor.
Music Review
Cat Power
Wanderer
Der Kampf ist vorüber: Auf ihren letzten Platten klang Cat Power nie so ausgeglichen, so ruhig und so beruhigend wie auf »Wanderer«.
Music Review
Ed Motta
Criterion Of The Senses
Der brasilianische Jazzsänger Ed Motta huldigt auf seinem neuen Album »Criterion Of The Senses« dem Adult Oriented Rock der 1980er Jahre.
Music Review
Marcos Valle
Nova Bossa Nova
Zwanzig Jahre nach Erscheinen klingt der Reissue von Marcos Valles »Nova Bossa Nova« zwar nicht zeitlos, aber klassisch und vielseitig.
Music Review
Various Artists
Studio One Freedom Sounds
Die Ausbeute an tollem Material, an das in regelmäßigen Abständen zu erinnern lohnt, bleibt bei Studio One auch mit dieser Compilation groß.
Music Review
Tim Hecker
Konoyo
Auf »Konyo« befasst sich Tim Hecker mit Raum, heißt mit dem Hiersein und dem Nichtmehr(da)sein. Es ist ein persönliches Album geworden.
Music Review
Janelle Monáe
Dirty Computer
Die Idee bleibt als Kopie erkennbar: Auf ihrem neuen Album »Dirty Computer« weiß Janelle Monáe dem High-End-Sound nichts hinzuzusetzen.
Music Review
Denzel Curry
TA1300
»TA1300«, das neue Album von Denzel Curry, ist Zeugnis der heutigen Entwicklung in den USA und konnte so nur im Jahr 2018 erscheinen.
Music Review
Richenel
Perfect Stranger
Sieht ein aus wie Prince, klingt auch ein bisschen so. Music From Memory veröffentlicht Material des Musikers Richenel.
Music Review
Aphex Twin
Collapse EP
Folge der Kinderstimme, und du wirst ankommen: Für einen »Collapse« macht Aphex Twin einem auf seiner neuen EP erstaunlich gute Laune.
Music Review
Various Artists
Testimony
Knekelhuis legt Zeugnis ab: Die Werkschau »Testimony« stellt die Künstler Sabla, Patrica Kokett, Maoupa Mazzocchetti und Job Sifre vor.
Music Review
Ital Tek
Bodied
Früher noch war Ital Tek seiner Zeit voraus, mit »Bodied« aber schafft er sich seine eigene. Sein sechstes Album ist sein bisher bestes.
Music Review
RAMZi
Phobiza »Amor Fati« Vol.3
Mit »Amor Fati« beschließt RAMZi nach zwei Jahren ihre »Phobiza«-Reihe. Es ist zugleich die konsequenteste Arbeit der Kanadierin.
Music Review
Nat Birchall meets Al Breadwinner
Sounds Almighty
Der britische Saxophnoist Nat Birchall hat sich für sein neues Album »Sounds Almighty« mit dem Dub-Produzenten Al Breadwinner zusammengetan.
Music Review
Umo Vogue
Just My Love EP
Umo Vogue entsprachen bei ihrer Gründung ganz dem Zeitgeist. Mit dem Erfolg wurde es leider dennoch nichts!
Music Review
Black Merlin
Oba Enka EP
Präzise produziert, tanzbar, clubtauglich, aber keine Zaubereri diesmal: Zur neuen »Oba Enka EP« von Black Merlin.
Music Review
SHXCXCHCXSH
SHULULULU
Mit »SHULULULU« bleiben SHXCXCHCXSH Meister ihrer Disziplin, des entrückten Erzählens im Techno.
Music Review
Polaroid
Senza Respiro
Dark Entries hat »Senza Respiro« der italienischen Postpunk-Band Polaroid, 1984 nur auf Kassette erschienen, auf Vinyl wiederveröffentlicht.