Music Review | verfasst 17.06.2015
Hudson Mohawke
Lantern
Warp, 2015
Text Philipp Kunze
Deine Bewertung:
5.9
Nutzer (8)
4.3
Redaktion
Cover Hudson Mohawke - Lantern

Das Zeug zum Gamechanger hat Hudson Mohawke. Er hat es mit seinem Debüt »Butter« bewiesen, genau wie mit Lunice als TNGHT und auch als wichtiger Teil von Team-Yeezus. Jetzt will er mit »Lantern« weiter beweisen: Dass er noch mehr kann. Große Pop-Musik will er machen; der Pressetext zum Album verspricht »eine moderne Fusion von avantgardistischem Ansatz und urbaner Pop-Sensibilität«; ja gar einen »neuen Maßstab für Soul« soll das Album setzen. Setzen wird das Album etwas und zwar sich auf seinen Hintern. Es ist so fett und aufgeblasen mit Allüren, dass es sich nicht auf den Beinen halten kann. Aufgebläht und glitzernd füllt dieser Plastik-Kugelfisch den ganzen Raum aus, das muss man ihm lassen. Hörner, Drums, Samples dröhnen, knallen, jubeln wie zu Hudson Mohawkes besten Zeiten – die Party-Abriss-Birnen kann HudMo weiterhin. Wo das Album alt klingt, da kann man es hören. Das Problem ist: Wo es neu klingt, da nicht. Da klingt es seelenlos. Da klingt es ekelhaft nach Hollywood, nach Effekthascherei, nach Männern, die ihre in der Sonne glänzende Anzugshose so tragen wie Serena Williams ihre Sporthose. Vor allem da, wo gesungen wird. Irfane, Ruckazoid und Miguel beschmieren Hochglanz-Songs derart mit ihren marmeladigen Stimmen, dass man zum Ausgleich in Schleifpapier beißen möchte. Geschätze SängerInnen passen hier entweder nicht drauf (Hegarty) oder singen (Aiko) über ein Beat inklusive Sample, das mir zu heilig für dieses Album ist. Das einzige Game, das Mohawke mit »Lantern« gechanged hat, ist EDM.

»Lantern« von Hudson Mohawke findest Du bei hhv.de auf CD, 2LP-Gatefoldsleeve und 2LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 21.08.2011
Hudson Mohawke
Satin Panthers EP
Mit Satin Panthers«knüpft der 25-jährige Schotte Hudson Mohawke nahtlos an sein Debüt Butter von 2009 an. Just Blaze ist begeistert.
Music Review | verfasst 16.11.2009
Hudson Mohawke
Butter
Alles andere als der glattgebügelte Allerweltsound, präsentiert und Hudson Mohawke auf seinem Warp-Debüt Butter
Music Review | verfasst 17.07.2012
TNGHT (Hudson Mohawke & Lunice)
TNGHT
Trance und 8-Bit trifft auf Traprap-Instrumentals und Crunk. Hide yo kids, hide yo wife; TNGHT reißt alles nieder.
Music Review | verfasst 26.09.2014
Hudson Mohawke
Chimes EP
Wer Hudson Mohawke will, der bekommt hier Hudson Mohawke. Wer aber HudMo den Erfinder erwartet, der wird enttäuscht.
Music Interview | verfasst 07.06.2011
Hudson Mohawke
Im Anfang war die Playstation
Hudsown Mohawke ist in der Lage verschiedene Geschmäcker zu begeistern. Soeben wurde der Release der neuen EP Satin Panther für Anfang August angekündigt. Valentin Menedetter nutzte die Gelegenheit mit dem 25-jährigen zu sprechen.
Music Review
MIchele Mercure
Besides Herself
In der Flut minimalistischer Synthesizermusik sticht Michele Mercure heraus. RVNG Intl veröffentlicht mit »Besides Herself« eine Werkschau.
Music Review
Khidja
Impossible Holidays Remixes
Über ein Jahr nach dem Erscheinen von Khidjas »Impopssible Holidays« schiebt Hivern Disc nun eine Remix-EP hinterher.
Music Review
Maisha
There Is A Place
Das britische Jazz-Sextett Maisha zeigt auf »There Is A Place« wie der Spiritual Jazz in die Jetztzeit zu transportieren ist.
Music Review
Vaudou Game
Otodi
Westafrikanische Musik ist in aller Ohren, Togo wird dabei oft ausgespart. Schade eigentlich. Peter Solo’s Vaudou Game sollte man hören.
Music Review
Mall Grab
How The Dogs Chill Vol.1
Der australische Überflieger Mall Grab hat etwas zu beweisen und deshalb mit Looking For Trouble ein eigenes Label gestartet.
Music Review
Carsten Erobique Meyer
Tatortreiniger Soundtracks
Die »Tatortreiniger Soundtracks« von Carsten Meyer sind jetzt erschienen. Sie zeigen, dass Soundtracks deutscher Fernsehserienetwas taugen.
Music Review
Roc Marciano
Behold A Dark Horse
Die Beats auf »Behold A Dark Horse« gehören zum Besten, was Roc Marciano bislang veröffentlicht hat. Es gibt aber auch Schwächen…
Music Review
Julien Dyne
Teal
»Teal«, das neue Album des Neuseeländers Julien Dyne, ist eine überzeugende Verarbeitung globaler Beats.
Music Review
Charles Bradley
Black Velvet
Vor genau einem Jahr starb Charles Bradley. Nun veröffentlicht Dunham mit »Black Velvet« eine Sammlung von Raritäten, Singles, Bonus Tracks.
Music Review
Bill Ryder-Jones
Yawn
Entgegen dem Titel ist »Yawn«, das vierte Album des ehemaligen The-Choral-GItarristen Bill Ryder-Jones, keineswegs zum Gähnen.
Music Review
Various Artists
JD Twitch presents Kreaturen der Nacht
Der Brite JD Twitch hat für »Kreaturen der Nacht« wirklich ein paar weniger bekannte Stücke aus dem West-Berlin der 1980er Jahre entdeckt.
Music Review
Dead Can Dance
Dionysus
Mit eindrucksvoller Seriosität streben Dead Can Dance auf »Dionysus« nach dem Transzendenten und bleiben ihren Anhängern nichts schuldig.
Music Review
The Gongs Gang
Gimme Your Love
Best Record Italy veröffentlicht die Single »Gimme Your Love«, die einzige Hinterlassenschaft der Band The Gongs Gang.
Music Review
Thom Yorke
OST Suspiria
»Suspiria« ist ein Klassiker. Auch sein Soundtrack wird kultisch verehrt. Ob Thom Yorkes Score für das Remake ähnliche Wellen schlägt?
Music Review
Jens Friebe
Fuck Penetration
Noch nie war er so explizit politisch, noch nie sang er so englisch: Über Jens Friebes neues Album »Fuck Penetration«.
Music Review
Kelly Moran
Ultraviolet
Für Warp eher ungewöhnlich: Kelly Moran entlock auf »Ultraviolet« dem präparierten Klavier unerhörte Klänge.
Music Review
Lucas Croon
Lucas Croon EP
Lucas Croon versteht was von seinem Handwerk. Das hat er bei Stabil Elite gezeigt und auch auf seiner Solo-EP wird das klar.
Music Review
Various Artists
Venezuela 70 Vol.2
Klänge, die am Ende Hoffnung machen: Soul Jazz Records legt den zweiten Teil ihrer Compilation-Reihe »Venezuela 70« vor.
Music Review
G.B. Beckers
Walkman
Günther Beckers ist eigentlich bildender Künstler, was in seinem Kunstverständnis Musik mit einschließt.
Music Review
Julia Holter
Aviary
Mit »Aviary« gelingt Julia Holter ein Album, um sich darin für alle Ewigkeiten zu verlieren.
Music Review
Oneness Of Juju
African Rhytms
Gut Ding will Weile haben: 1975 noch kein Hit lohnt es sich heute die »African Rhytms« von Oneness Of Juju wiederzuentdecken.
Music Review
Chris Bowden
Time Capsule
»Time Capsule«, das revolutionäre Debüt von Chris Bowden aus dem Jahr 1992, wurde nun – 20 Jahre out of print – wiederveröffentlicht.
Music Review
Kurt Vile
Bottle It In
Zwischen all den Banalitäten stecken die kleinen Wunder: Slacker Kurt Vile hat mit »Bottle It In« sein siebentes Album veröffentlicht.
Music Review
Army Of The Pharoahs
The Torture Papers
Das Debüt der Army Of The Pharoahs hatte seinen festen Platz im Hardcore Hip-Hop schon 2006 wegen der verdammt souveränen Texte verdient.
Music Review
Fatima
And Yet It's All Love
»And Yet It’s All Love« von Fatima ist die künstlerische Umsetzung einer romantischen Beziehung – mit allen Hochs und Tiefs.
Music Review
Jlin
Autobiography
Mit »Autobiography« hat Jlin die Musik zu einem Ballett von Wayne McGregor geschrieben und ist so vielfältig wie noch nie zuvor.
Music Review
Cat Power
Wanderer
Der Kampf ist vorüber: Auf ihren letzten Platten klang Cat Power nie so ausgeglichen, so ruhig und so beruhigend wie auf »Wanderer«.
Music Review
Ed Motta
Criterion Of The Senses
Der brasilianische Jazzsänger Ed Motta huldigt auf seinem neuen Album »Criterion Of The Senses« dem Adult Oriented Rock der 1980er Jahre.
Music Review
Marcos Valle
Nova Bossa Nova
Zwanzig Jahre nach Erscheinen klingt der Reissue von Marcos Valles »Nova Bossa Nova« zwar nicht zeitlos, aber klassisch und vielseitig.
Music Review
Various Artists
Studio One Freedom Sounds
Die Ausbeute an tollem Material, an das in regelmäßigen Abständen zu erinnern lohnt, bleibt bei Studio One auch mit dieser Compilation groß.
Music Review
Tim Hecker
Konoyo
Auf »Konyo« befasst sich Tim Hecker mit Raum, heißt mit dem Hiersein und dem Nichtmehr(da)sein. Es ist ein persönliches Album geworden.
Music Review
Janelle Monáe
Dirty Computer
Die Idee bleibt als Kopie erkennbar: Auf ihrem neuen Album »Dirty Computer« weiß Janelle Monáe dem High-End-Sound nichts hinzuzusetzen.
Music Review
Denzel Curry
TA1300
»TA1300«, das neue Album von Denzel Curry, ist Zeugnis der heutigen Entwicklung in den USA und konnte so nur im Jahr 2018 erscheinen.
Music Review
Richenel
Perfect Stranger
Sieht ein aus wie Prince, klingt auch ein bisschen so. Music From Memory veröffentlicht Material des Musikers Richenel.
Music Review
Aphex Twin
Collapse EP
Folge der Kinderstimme, und du wirst ankommen: Für einen »Collapse« macht Aphex Twin einem auf seiner neuen EP erstaunlich gute Laune.
Music Review
Various Artists
Testimony
Knekelhuis legt Zeugnis ab: Die Werkschau »Testimony« stellt die Künstler Sabla, Patrica Kokett, Maoupa Mazzocchetti und Job Sifre vor.
Music Review
Ital Tek
Bodied
Früher noch war Ital Tek seiner Zeit voraus, mit »Bodied« aber schafft er sich seine eigene. Sein sechstes Album ist sein bisher bestes.
Music Review
RAMZi
Phobiza »Amor Fati« Vol.3
Mit »Amor Fati« beschließt RAMZi nach zwei Jahren ihre »Phobiza«-Reihe. Es ist zugleich die konsequenteste Arbeit der Kanadierin.
Music Review
Nat Birchall meets Al Breadwinner
Sounds Almighty
Der britische Saxophnoist Nat Birchall hat sich für sein neues Album »Sounds Almighty« mit dem Dub-Produzenten Al Breadwinner zusammengetan.
Music Review
Umo Vogue
Just My Love EP
Umo Vogue entsprachen bei ihrer Gründung ganz dem Zeitgeist. Mit dem Erfolg wurde es leider dennoch nichts!
Music Review
Black Merlin
Oba Enka EP
Präzise produziert, tanzbar, clubtauglich, aber keine Zaubereri diesmal: Zur neuen »Oba Enka EP« von Black Merlin.