Music Review | verfasst 01.07.2015
David Torn
only sky
ECM, 2015
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover David Torn - only sky

Unter den großen Gitarristen gehört David Torn zu den weniger sichtbaren. Statt regelmäßig als Bandleader in Erscheinung zu treten, arbeitet er lieber zusammen mit anderen Musikern, unter anderem ist er auf dem Album »Music« von Madonna als Komponist vertreten – der Song »What It Feels Like For A Girl« verwendet ein Sample von David Torns Klassiker »Cloud About Mercury« aus dem Jahr 1987. Soloalben von ihm sind ein rares Gut, und »only sky« ist strenggenommen seine erste reine Soloplatte, denn hier hört man zum ersten Mal wirklich nur David Torn und seine Gitarre, die er in Echtzeit durch ein paar Effektgeräte schickt, und vereinzelt ein elektrisches Oud. Mehr braucht er auch nicht. Seine Gitarrenmanipulationen verwischen virtuos die Unterschiede zwischen akustischen und elektronischen Klängen, wachsen sich als Loops zu mächtigen Flächen aus, die manchmal wie Mini-Orchester wirken, aber den eigentlichen Klang der Gitarre nie völlig aus dem Auge verlieren. David Torn wählt dabei gern mal einen spielerischen Ansatz, mit dem er bei einem musikalischen Äquivalent zur Op-Art landet So nutzt er in mehreren Nummern Repetitionseffekte, die klingen, als würde bei ihm eine Festplatte haken – oder die CD. Mit seiner Sprache zwischen abstraktem Folk, Ambient und Noise schafft es Torn wie selbstverständlich, Melodie und Räumlichkeit so ineinander fließen zu lassen, dass sich die Musik beim Zuhören immer weiter öffnet. So wie er klingt höchstens noch der Norweger Tore Elgarøy auf seinem übersehenen Kleinod »The Sound Of The Sun« aus dem Jahr 2001. Und wer weiß, womöglich hat sich Tore Elgarøy damals auch schon David Torns Klangsprache als Vorbild genommen.

Das Album »only sky« von David Torn findest du demnächst bei hhv.de.
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