Music Review | verfasst 30.09.2015
Colours Of Observation
Sidewalk Romeos
Out-ER, 2015
Text Kristoffer Cornils
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7.6
Redaktion
Cover Colours Of Observation - Sidewalk Romeos

Es ist ein bizarres Paradoxon, dass Köpfchendrehen und Buttonpushen in der Techno- und House-Szene wieder für Authentizität steht. Während in den USA mehr auf Tortenwurfgeschosse und Lasershows als auf sogenannte handwerkliche Fähigkeiten Wert gelegt wird, reagiert der Underground mit Graswurzelreflexen und streunt durch die Geräteparks. Ein Novum ist das nicht, sondern ein seit Jahren verfestigter Trend, der Live-Action als eigenes Spektakel etabliert hat. The Analogue Cops tragen den passenden Namen zum Phänomen, das sich bisweilen außerordentlich dogmatisch zeigt, und haben ihn auf einer Reihe von Releases in die Tat umgesetzt. Die eine Hälfte des italienischen Duos, Marieu, veröffentlicht nun gemeinsam mit Schüttel-Deep-House-Produzent Christopher Rau eine EP, die aus gemeinsamen Jam-Sessions entstanden ist. Colours Of Observations Debüt »Sidewalk Romeos« vereint Techno nach Oldschool-Diktat mit den eher harmonischen Tönen des Smallville-Umfeldlers Rau. Die vier Tracks sind Loop-basierte Spielereien, die trotz der technischen (Selbst-)Beschränkungen des Korsetts eine erstaunliche Komplexität aufweisen und dennoch straight nach vorne gehen. Bei »Grip Aux« tritt, so scheint es, vor allem Rau in den Vordergrund. Über klackernden Polyrhythmen, die von einer rohen Kick im Zaum gehalten werden, tröpfelt eine melancholische, arhythmische Rhodes-Figur, bis der Break nach dem Floor fordert. Das Titelstück dagegen setzt auf Zerre und Acid über einem federnden Deep House-Beat. »General Fail« steuert endgültig auf die Balearen zu: Dumpfer Breakbeat, Conga-Figur und Vocal-Samples finden sich zu einem wohltuenden Ganzen zusammen. Ob »Virginatlantic« auf die gleichnamige Fluggesellschaft oder zwei ikonische Plattenlabel anspielt, sei dahingestellt, die jazzigen Untertöne in der hektischen Harmonieführung zumindest sprechen für Zweiteres. Kontrastiert werden sie von einem Techno-Beat, der eher in Richtung Analogue Cops denn Rau verweist, aber zärtlich und zahm bleibt. Das ist ein Unterschied zum grassierenden Hardware-Fetischismus: Colours Of Observation legen es nicht auf Härte an. Der andere ist, dass sie sich nicht im Moment verlieren, sondern das big picture fest im Auge behalten.

Die EP »Sidewalk Romeos« von Colours Of Observation findest du bald bei hhv.de.
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