Books Review | verfasst 27.01.2016
Marcus Lucas & Carolin Löbbert
Ice Ice Baby - One Hit Wonders 1955-2015
Avant-Verlag, 2015
Text Niki Matita
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Redaktion
Cover Marcus Lucas & Carolin Löbbert - Ice Ice Baby - One Hit Wonders 1955-2015

Was macht einen Hit zum Hit? Ein Hit ist ein Musikstück, welches in der Hitparade – also den 40 meist verkauften Songs der Woche eines Landes zum Beispiel – eine hohe Platzierung erreicht hat. Geschieht das für den interpretierenden Künstler, die Sängerin oder die Band nur ein einziges Mal in ihrer gesamten Karriere, so nennt man das seit Mitte der 1950er Jahre »One Hit Wonder«. Es gibt noch etliche andere Zählweisen und Definitionen für solche musikalischen Eintagsfliegen.

Popmusik-geschichtlich wird jedoch »Let Me Go, Lover« der Sängerin Joan Weber als erstes One Hit Wonder betrachtet.Joan Weber sang das Lied für die gleichnamige Folge der TV-Serie »Studio One«, die am 15.11.1954 ausgestrahlt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits sichtlich schwanger. Dem Publikum gefiel das Stück, eine Single, die geschickte Marketingexperten bereits in der Backröhre hatten, folgte und im Januar 1955 stand der Titel für vier Wochen auf Platz 1 der US-Charts. Die Columbia Records-Katalognumber 40366 verkaufte sich über 1 Millionen mal und erhielt Gold.

Auch das Comic »Ice Ice Baby. One-Hit Wonders 1955-2015« von Illustratorin und Comiczeichnerin Carolin Löbbert und Autor Marcus Lucas beginnt mit diesem Titel. Ihr Album stellt auf vollfarbigen Doppelseite die jeweiligen Interpret*innen und ihren größter Hitparadenerfolg mit Zeichnungen und kurzen zweisprachigen Texten über Vita und Schaffen in chronologischer Reihenfolge vor. Darunter einige Überraschungen, denn es sind Musiker*innen dabei, wie z.B. »Screaming« Jay Hawkins oder Nena, deren Karriere viele Jahre überdauerte, die jedoch nur einen einzigen Charthit verbuchen konnten. Die Interpret*innen anderer Titel sind dagegen längst vergessen – wenn man sie je kannte – das Lied ist jedoch sofort wieder da und hinterlässt einen Ohrwurm. Einige Zeichnungen muss man zweimal anschauen, um zu erkennen, wer gemeint ist. Und auch das Lettering ist etwas Schuljungen-haft. Insgesamt ist der deutsch-englische Band kurzweilig-vergnüglich und macht Lust, manche der Biographien und Geschichten hinter den Liedern genauer zu erforschen und so manchen Gassenhauer wieder anzuhören. Marcus Lucas & Carolin Löbbert haben zudem einen Blog ins Internet gestellt, auf dem es weitere Informationen und Videos den One Hit Wonders von 1955 bis 2015 gibt.

Das Ende des Phänomens »One Hit Wonder« ist längst nicht in Sicht, bzw. Hörweite, doch der gesellschaftliche Wandel und die Moden der letzten Jahrzehnte spiegeln sich auch in der Musik wieder – und so endet diese Buch mit dem bärtigen, genderfluiden Dragunterhalter Conchita Wurst aus Österreich, den in 60 Jahren vielleicht noch genauso viele oder wenige Leute erinnern wie heute Joan Weber, deren Tochter kurz nach ihrem Nummer-1-Hit geboren wurde und damit 1955 die vielversprechende Musikkarriere ihrer Mutter beendete.

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