Music Review | verfasst 22.02.2016
Alex Puddu
In The Eye Of The Cat
Schema, 2016
Text Jan Paersch
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.6
Redaktion
Cover Alex Puddu - In The Eye Of The Cat

Kein Italo-Western-Fan, der ihre Stimme nicht kennt. Vor allem durch ihren wortlosen Gesang in »Spiel mir das Lied vom Tod« und »Zwei glorreiche Halunken« wurde Edda Dell’Orso berühmt. Nach Dutzenden Beiträgen für Sergio Leone arbeitete die inzwischen 81-jährige Sängerin nun für den Produzenten und Multiinstrumentalisten Alex Puddu. Dessen »In the Eye of the Cat« ist ein Jazz-Soul-Funk-Tribut an die goldenen Zeiten des Giallo-Genres. In diesen 70er-Jahre-Filmen, eine Art Italo-Variante des Edgard-Wallace-Krimis, vermischten sich Mystery, Horror und ein Hauch Erotik auf formvollendete Weise. Das richtige Spielfeld für einen Mann, der sich für »The Golden Age of Danish Pornography« schon an der stilechten Vertonung verloren geglaubter Pornofilme ausgetobt hatte. Alex Puddus Soundtrack für ein imaginäres B-Movie beginnt nervös, schrille Querflöten erklingen, Funk-Bässe bollern, unheimlich dräuende Trompetenklänge wehen daher. Hier wird vermengt, was eigentlich nicht zusammengehört: nordafrikanische Bouzoukis und Zithern treffen auf Geigen und Bongos, Saxophone auf Moog-Synthesizer. Der Italiener hat selbst komponiert und produziert und spielt eine Unzahl von Instrumenten. Ein dänisches Trio begleitet ihn an Trompete, Flöte und Percussion, Massimo Fiorentino setzt geschmackvolle Akzente an Wurlitzer und Hammond-Orgel. Edda Dell’Orsos durchdringende Stimme ist auf vier Songs zu hören, ihr Mann Giacomo zeichnete für die Streicherarrangements verantwortlich. Ein irres, gewöhnungsbedürftiges Album in herrlichem Mehrfach-Belichtungs-Artwork, das nach mehrfachem Hören ein ganz eigenes Aroma entfaltet.

Das Album »In The Eye Of The Cat« von Alex Puddu findest du bei hhv.de: LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 16.05.2013
Alex Puddu
The Golden Age Of Danish Pornography
Wann auch immer sich mal wieder jemand an einer Adult-Movie-Vertonung versucht, er muss sich an dieser Scheibe messen lassen.
Music Review | verfasst 30.09.2016
Alex Puddu
The Golden Age Of Danish Pornography Vol.3
Die DVD-Reihe wird nicht weiter produziert, Alex Puddu legt trotzdem nach. »The Golden Age Of Danish Pornography Vol.3« ist erschienen.
Music Review | verfasst 11.05.2015
Alex Puddu
Soultiger
Alex Puddu gibt sich auf der Platte »Soultiger« mal lässig verspielt, dann wieder lasziv aufdringlich. Downtempo Funk voll von Wollust.
Music Review | verfasst 13.05.2015
Joyce Elaine Yuille
Welcome To My World
Joyce Elaine Yuille Debütalbum »Welcome To My World« ist von einer eindringlichen Jazz-Attitüde geprägt.
Music Review | verfasst 07.10.2013
Jukka Eskola
Jukka Eskola Orquesta Bossa
Der Finne Jukka Eskola komponierte für sein neues Album Wohlfühl-Jazz für lauschige Sonntage.
Music Liste | verfasst 13.04.2017
Piero Umiliani
12 Essentials
Er ist der letzte Maestro: Piero Umiliani wird oft in einer Reihe mit Nina Rota, Ennio Morricone oder Riz Ortolani genannt. Wir haben für euch zwölf für uns essentielle Alben zusammengestellt.
Music Review
Denzel Curry
TA1300
»TA1300«, das neue Album von Denzel Washington, ist Zeugnis der heutigen Entwicklung in den USA und konnte so nur im Jahr 2018 erscheinen.
Music Review
Richenel
Perfect Stranger
Sieht ein aus wie Prince, klingt auch ein bisschen so. Music From Memory veröffentlicht Material des Musikers Richenel.
Music Review
Aphex Twin
Collapse EP
Folge der Kinderstimme, und du wirst ankommen: Für einen »Collapse« macht Aphex Twin einem auf seiner neuen EP erstaunlich gute Laune.
Music Review
Various Artists
Testimony
Knekelhuis legt Zeugnis ab: Die Werkschau »Testimony« stellt die Künstler Sabla, Patrica Kokett, Maoupa Mazzocchetti und Job Sifre vor.
Music Review
Ital Tek
Bodied
Früher noch war Ital Tek seiner Zeit voraus, mit »Bodied« aber schafft er sich seine eigene. Sein sechstes Album ist sein bisher bestes.
Music Review
RAMZi
Phobiza »Amor Fati« Vol.3
Mit »Amor Fati« beschließt RAMZi nach zwei Jahren ihre »Phobiza«-Reihe. Es ist zugleich die konsequenteste Arbeit der Kanadierin.
Music Review
Nat Birchall meets Al Breadwinner
Sounds Almighty
Der britische Saxophnoist Nat Birchall hat sich für sein neues Album »Sounds Almighty« mit dem Dub-Produzenten Al Breadwinner zusammengetan.
Music Review
Umo Vogue
Just My Love EP
Umo Vogue entsprachen bei ihrer Gründung ganz dem Zeitgeist. Mit dem Erfolg wurde es leider dennoch nichts!
Music Review
Black Merlin
Oba Enka EP
Präzise produziert, tanzbar, clubtauglich, aber keine Zaubereri diesmal: Zur neuen »Oba Enka EP« von Black Merlin.
Music Review
SHXCXCHCXSH
SHULULULU
Mit »SHULULULU« bleiben SHXCXCHCXSH Meister ihrer Disziplin, des entrückten Erzählens im Techno.
Music Review
Polaroid
Senza Respiro
Dark Entries hat »Senza Respiro« der italienischen Postpunk-Band Polaroid, 1984 nur auf Kassette erschienen, auf Vinyl wiederveröffentlicht.
Music Review
Umeko Ando
Ihunke
Spartanisch, stoisch, gut: Pingipung legt das 2000 in Japan veröffentlichte Album »Ihunke« der japanischen Künstlerin Umeko Ando wieder auf.
Music Review
Oren Ambarchi, Konrad Sprenger, Phillip Sollmann
Panama / Suez
Zwei Kanäle, ein Brückenschlag: Oren Ambarchi, Konrad Sprenger und Efdemin bringen mit »Panama / Suez« Minimal Music und Techno zusammen.
Music Review
Mitra Mitra
Marionettes
Mit eiskalten Synthlines und roboterhaftem Gesang führen uns Mitra Mitra auf »Marionettes« direkt zurück in die 1980er Jahre,
Music Review
Various Artists
La Llama De Prometeo
Die Compilation »La Llama De Prometeo« versammelt zwischen 1989 und 1999 entstandene, spanische elektronische Musik.
Music Review
Scan 7
Test Of Time EP
Das legendäre Detroiter Techno-Kollektiv Scan 7 klingt auch auf ihrer »Test Of Time EP« nicht altbacken.
Music Review
Interpol
Marauder
»Marauder« ist der sechste Anlauf der New Yorker Indierocker Interpol an ihr tolles Debüt auch nur annäherungsweise heranzukommen.
Music Review
Justice
Woman Worldwide
Feuerwerk, Luftblasen, Stampfbeat: »Woman Worldwide« von Justice ist Blockbuster-Audio par excellence.
Music Review
Various Artists
Antipodean Anomalies
Absurdes Material aus Neuseeland und Australien. Vor allem in der Mischung, hier kommt zusammen was voll zusammengehört und gar nicht.
Music Review
Autechre
NTS Sessions
Aber Autechre evozieren auch mit den »NTS Sessions« den Schmetterlingseffekt und kitzeln die Wellen bis Jupiter twerkt.
Music Review
Animal Collective
Tangerine Reef
Anlässlich des Internationalen Jahres des Riffs haben Animal Collective das audiovisuelle Werk »Tangerine Reef« erschaffen.
Music Review
Djrum
Portrait With Firewood
Ein persönliches Album wollte Djrum mit »Portrait With Firewood« vorlgen. Es ist Latte-Macchiato-Post-Dupstep geworden.
Music Review
Various Artists
Mogul 4
Langsam muss man sich fragen, was denn im Rheinwasser steckt: Zur Compilation »Mogul 4« auf Themes For Great Cities.
Music Review
Jess Sah Bi & Peter One
Our Garden Needs Its Flowers
In einer noch zu schreibenden Geschichte der Country-Musik in Afrika müsste »A Garden Needs Its Flowers« ein ganzes Kapitel bekommen.
Music Review
Gyedu-Blay Ambolley
Gyedu-Blay Ambolley
Lange schwer erhältliche Musik von Gyedu-Blay Ambolley, dem »Godfather des Hiplife«, wurde jetzt von Analog Africa wieder verfügbar gemacht.
Music Review
Orquesta De Las Nubes
The Order Of Change
Music From Memory veröffentlicht mit »The Order Of Change« minimalistische Musik der 1980er Jahre von Suso Saiz’ Orquesta De Las Nubes.
Music Review
Curren$y & Harry Fraud
The Marina EP
Viel denken darf man auf »The Marina EP« nicht. Die Beats von Harry Fraud trösten jedenfalls über manche Plattitüde von Curren$y hinweg.
Music Review
Emilio Santiago
Emilio Santiago
Die Música Popular Brasileira passt eigentlich immer. Und mit einem Sänger wie Emilio Santiago kann man sich fast den Urlaub sparen.
Music Review
Andy Compton / Shamrock
Bunny Cow
Andy Compton, nimmermüder Musikproduzent aus Bristol trifft auf »Bunny Cow« auf die südafrikanischen Msiker Shamrock und Bongani.
Music Review
Danny Russell & Dirty Channels / Frazelle
Watchin Out/Today Is the Day (Linkwood Chop)
Athens Of The North wagen sich mit dieser Vinyl 12" erstmals an House. Zumindest auf der A-Seite.
Music Review
Ingus Baušķenieks
Spoki
Stroom holt den nächsten Letten aus der Schublade: Die Soundästhetik von Ingus Baušķenieks auf »Spoki« wirkt fremd und ist deshalb so gut.
Music Review
Various Artists
Serge Gamesbourg presents Boston Goes Disco!
Was haben Disco und das für seine hochkarätigen Jazzabsolventen bekannte Berklee College miteinander zu tun? »Boston Goes Disco!« verrät es.
Music Review
Tunde Mabadu
Viva Disco
Mr Bongo veröffentlichen mit »Viva Disco« von Tunde Mabadu etwas weniger bekannten Afrobeat aus Nigeria.
Music Review
Cecil Mc Bee
Mutima
Everland Jazz legt »Mutima«, das Debüt des Jazzpianisten Cecil McBee aus dem Jahre 1974 wieder auf.
Music Review
Ground
Sunizm
Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen: Auf ESP Institute erscheint »Sunizm«, das kurzweilige Debüt des Japaners Ground.
Music Review
Giant Swan
High Waisted
Giant Swan flexen mit »High Waisted« die Muskeln und beweisen viel Muckertum, gut geht das aber nur auf zwei der vier Tracks.
Music Review
Sichtexot Gäng
SXT Rawtakes III
»SXT Rawtakes III«, das sind garantiert unberechenbare lyrische Bonmots zwischen Booms Baps jener Sorte, bei denen es schön staubt.
Music Review
Various Artists
Studio One Black Man's Pride Vol.2
Ein weiterer Beitrag für ein besseres Verständnis des Zusammenhangs von Rastafarianismus und Clement »Sir Coxson« Dodds Studio One.
Music Review
Nigeria Fuji Machine
Nigeria Fuji Machine
Mit diesem Album schließen Soul Jazz Records an die vor kurzem erschienene Compilation »Yoruba!« mit geistlicher Musik aus Nigeria an.
Music Review
Grandmilly & Shozae
Adventureland
Nun endlich ist das Debüt von Grandmilly & Shozae, »Adventureland« erschienen – und zwar auf Peanut Butter Wolf’s Stones Throw Records.
Music Review
Carl Stone
Electronic Music From The Eighties And Nineties
»Electronic Music From The Eighties And Nineties« von Carl Stone, vier lange Stücke erstmals auf Vinyl zu erstehen.