Music Review | verfasst 15.03.2016
City People / 20 Below
It's All In The Groove
MCDE, 2016
Text Kristoffer Cornils , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.8
Redaktion
Cover City People / 20 Below - It's All In The Groove

Deckshark’s Darling, DJ’s DJ – das Ein-Mann Motor City Drum Ensemble Danilo Plessow ist einer der größten Auskenner der weltweiten Auskennerelite und hat quasi-magische Fähigkeiten, wenn es um die Einflussnahme Discogs-Kurse obskurer Funk-Platten geht. Er hat aber, und das macht den Wahlniederländer und Weltenbürger so besonders, nur gute Absichten. Bevor Plessow Dekmantels neue Compilation-Serie »Selectors« mit acht verschollenen oder schwer bis gar nicht erhältlichen Tracks eröffnet, legt er auf seinem eigenen Label MCDE eine zwanzig Jahre alte Split-12“ zwischen City People (Irfan Hussain und Franco Ze) und 20 Below (Hussain solo, der übrigens noch aktiv ist) neu auf, die im Netz zu horrenden Preisen gehandelt wird und deren Macher die Lorbeeren ihrer Arbeit wohl nie ernten konnten. Neu gemastert, Artwork dezent geupdatet, kein Schnickschnack. Zehn Minuten predigen Hussain und Ze auf der A-Seite mit »It’s All In The Groove« den Gospel der New Yorker Paradise Garage. Ratternde Percussions, funky Basslines, wabernde Chords, kurzum: Deep House in seiner puristischsten (Höchst-)Form, als blast from the past ein einziger Fickfinger an die aktuellen Beatport-Charts. It’s all in the groove indeed. Auf der Flip übernimmt Hussain mit »A Lil‘ Tribute To The Moody Black Keys«, welches Plessow ganz richtig auch in »Selectors 001« eingeschmuggelt hat. Schwammige Gitarrenchords wirbeln über einen Stampf-Groove, eine Bassline jazzt mit einer Dringlichkeit auf und ab, die vielleicht selbst Kerri Chandler dazu überreden könnte, wieder sinnvolle Platten zu machen. »Jus‘ Nite Groovin‘« setzt auf kantige Kicks und einen Bass, der sich im Loft gleich drei Mal die MDMA-Bowle nachgeschenkt hat. Ein shufflender, discoider Träumer, der mit fünf Minuten fast noch zu kurz ist. Denn diese Musik will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit. Plessow trägt dankenswerter dazu bei, dass sie zumindest nicht vergessen wird. Er hat schließlich nur gute, wenn nicht sogar die besten Absichten. Decksharks und DJs überall neigen demütig und dankbar ihre Häupter, die Dancefloors werden es ihnen gleichtun.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 26.07.2011
Motor City Drum Ensemble
DJ Kicks
Vorzüglich selektiert, gefühlvoll arrangiert und intensiv gemixt: DJ Kicks von MCDE ist eine der besten Compilations des Jahres.
Music Review | verfasst 16.09.2011
Ben Westbeech
There's More To Life Than This
Soul Clap, Georg Levin, Motor City Drum Ensemble, Henrik Schwarz: klangvolle Namen, die sich hier als Produzenten betätigten.
Music Review | verfasst 06.04.2016
Various Artists
Motor City Drum Ensemble - Selektors 1
Motor City Drum Ensemble macht den Anfang für die von Dekmantel neu ins Leben gerufene »Selectors«-Reihe.
Music Liste | verfasst 30.05.2011
Motor City Drum Ensemble
DJ Charts
Danilo Plessow aka Motor City Drum Ensemble geht für die DJ-Charts tief auf Tauchstation durch seine musikalische Galerie von Soul, Afrobeat und Jazz bis hin zu den elektronischen Einflüssen.
Music Review | verfasst 16.01.2012
Jazzanova
Upside Down
Jazzanova haben in ihrem Archiv gekramt und Remise ihrer Stücke gefunden. Jazz und House wurden selten so gut kombiniert wie hier.
Music Review | verfasst 31.03.2014
Vermont
Vermont
So bereichernd sind klobige Maschinen für den Alltag sonst nur, wenn man den Sprung von Handspülerei zu einer Spülmaschine geschafft hat.
Music Review
Man Jumping
Jumpcut
Brian Eno soll sie einst »die wichtigste Band der Welt« genannt haben: Man Jumping. Ihr Debüt »Jumcut« wurde jetzt veröffentlicht.
Music Review
Shina Williams & His African Percussions
Shina Williams
»Shina Williams«, 1980 erstmals veröffentlichte LP von Shina Williams & His African Percussions, wurde erstmals wiederveröffentlicht.
Music Review
Pan American
A Son
Nach sechsjähriger Pause veröffentlicht Mark Nelson mit »A Son« ein neues Album als Pan American.
Music Review
Yoshio Ojima
Une Collection Des Chainons I: Music For Spiral
Mit »Une Collection Des Chainons I: Music For Spiral« wird das Frühwerk von Yoshio Ojima jetzt neu erschlossen.
Music Review
Various Artists
Space Funk
Die Retro-Ästhetik von alten Science-Fiction-Filmen überträgt die Compiplation »Space Funk« auf den Funk der Siebziger und Achtziger.
Music Review
Ryuichi Sakamoto
Thousand Knives Of
Schon 1978 mit seinem Debüt »Thousand Knives Of« bewies Ryuichi Sakamoto sein Gesprü für unkonventionelle Arrangements.
Music Review
RAMZi
Multiquest Niveau 1: Camouflé
Das alljährliche RAMZi-Album ist da. Auf »Multiquest Niveau 1: Camouflé« wirkt die musikalische Formel der Kanadierin etwas aufgebraucht.
Music Review
Various Artists
French Disco Boogie Sounds Vol.4
Die Compilation »French Disco Boogie Sounds« liefert standesgemäß Perlen für den Tanzflur. Das ist bei »Volume 4« nicht anders.
Music Review
Function
Existenz
»Existenz« liefert mit 17 Tracks auf Vinyl 4LP einen fulminaten Querschnitt über die 25 Jahre währende Arbeit von Function.
Music Review
François N'Gwa
Ogooue
Auf »Ogooue« finden sich die besten, der zwischen 1985 und 2004 entstandenen Stücke des gabunischen Musikers François N’Gwa wieder.
Music Review
Mike Selesia
Flavor
1976 haben Mike Selesia und seine Mitstreiter »Flavor« aufgenommen, 100 Stück pressen lassen. Jetzt ist das Jazzjuwel wieder erhältlich.
Music Review
Sokratis Votskos Quartet
Sketching The Unknown
Jazzman veröffentlicht mit »Sketching The Unknown« das tolle Debüt der griechischen Jazzer vom Sokratis Votskos Quartet.
Music Review
Eye
Metamujer
Die Französin Laurène Exposito legt als Eye ihre neue LP »Metamujer« vor und macht deutlich, dass sie sich musikalisch weiterentwickelt hat.
Music Review
Issam Hajali
Mouasalat Ila Jacad El Ard
»Mouasalat Ila Jacad El Ard«, das erstmals 1977 veröffentlichte Album des libanesischen Musikers Issam Hajali, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Danny Brown
Uknowhatimsayin¿
Mit »Uknowhatimsayin¿« huldigt Danny Brown dem guten alten Hip-Hop der Neunziger. Themen wie Drogensucht oder Depression sucht man vergebens
Music Review
Om Buschman
Total
Das einzige Album von Om Buschmann, »Total« aus dem Jahre 1989 wurde nun via Glossy Mistakes wiederveröffentlicht.
Music Review
Gülistan
Oriental Groove
Hot Mule veröffentlicht »Oriental Groove«, der in den 1980er Jahren gegründeten österreichischen Band Gülistan, neu.
Music Review
Ruins
Marea / Tied
Das Anfang der 1980er Jahre veröffentlichte »Marea/Tied« der italienischen New-Wave-Band Ruins wurde von Music From Memory wiederentdeckt.
Music Review
Robag Wruhme
Topinambur EP
Verglichen mit »Venq Tolep« schielt Robag Wruhme mit der EP »Topinamur« wieder mehr auf den Dancefloor.
Music Review
L'Orange & Jeremiah Jae
Complicate Your Life With Violence
Auf »Complicate Your Life With Violence« spinnen L’Orange und Jeremiah Jae die Hard-Boiled-Geschichte des Vorgängers weiter.
Music Review
Andy Stott
It Should Be Us
Kurzerhand hat Andy Stott mit »It Should Be Us« neue Musik veröffentlicht. Neun Tracks, die der Vorbote eines neuen Albums sind.
Music Review
Shanti Celeste
Tangerine
Auf ihrem Debütalbum »Tangerine« stürmt Shanti Celeste den Dancefloor, ohne dabei eine Träne im Knopfloch zu tragen.
Music Review
Cal Massey
Blues To Coltrane
»Blues To Coltrane«, das einzige Album des zu früh verstorbenen Jazzmusikers Cal Massey aus dem Jahr 1961, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Daniel Grau
El Mágico Mundo De Daniel Grau
Nach einer jahrzehntelangen Pause legt Daniel Grau mit »El Mágico Mundo De Daniel Grau« ein neues Album vor.
Music Review
Brainstory
Buck
Wie viele Sunny-California-Klischees lassen sich auf ein Album pressen? Mit »Buck« testen Brainstory es aus.
Music Review
Tapan meets Generation Taragalte
Atlas
Ein Industrial-Projekt aus Serbien trifft auf eine Tuareg-Combo aus Marokko… und »Atlas« von Tapan meets Generation Taragalte funktioniert
Music Review
Turquoise Days
Further Strategies
So richtig totzukriegen ist die Musik von Turquoise Days nicht: Mit »Further Strategies« kommen die Songs der Briten zu wiederholter Ehre.
Music Review
FKA twigs
Magdalene
FKA twigs ist zurück, mit »Magadalene«, auf Albumlänge, und sie ist unbewaffnet bis unter die Zähne.
Music Review
Steve Reid
Rhythmatism
Mit »Rhythmatism« hatte Steve Reid 1975 ein Manifest für das friedliche Miteinander von Gegensätzen abgeliefert.
Music Review
Buttechno
badtrip
Das Debüt von Buttechno auf Nina Kraviz’ Label Trip ist, was der Titel ankündigt: ein »badtrip«, der viel Verwirrung stifftet.
Music Review
Tableau Vivant
Double Dream Hands
Tableau Vivant ist das gemeinsame Projekt von Infuso Gallo und Joshua Gottmanns. »Tableau Vivant« ihre erste Veröffentlichung.
Music Review
Nick Cave & The Bad Seeds
Ghosteen
»Ghosteen« von Nick Cave & The Bad Seeds wird als Meisterwerk eingehen und sich ob seiner Zerbrechlichkeit doch kaum hören lassen.
Music Review
Lost Scripts
Giske / Mozart
Für die beiden Stücke »Giske« und »Mozart« haben sich John Talabot und Pional einmal mehr unter dem Namen Lost Scripts zusammengefunden.
Music Review
A Winged Victory For The Sullen
The Undivided Five
Tiefer und berührender als auf »The Undivided Five« klangen A Winged Victory For The Sullen tatsächlich noch nie.
Music Review
Patrick Cowley
Mechanical Fantasy Box
»Mechanical Fantasy Box« gibt einen Überblick über das Schaffen des viel zu früh verstorbenen Disco-Pioniers Patrick Cowley.
Music Review
Michael Kiwanuka
KIWANUKA
Die große Kunst des neuen, dritten Albums von Michael Kiwanuka: Es klingt gleichzeitig nach Vergangenheit und Zukunft.
Music Review
Cigarettes After Sex
Cry
Es gibt reflektiertere Songs über die Liebe, aber nur wenige sind in so schöne Ohrwürmer wie auf »Cry« von Cigarettes After Sex gepackt.
Music Review
Kiefer
Superbloom + Bridges EP
Stones Throw bringt die beiden EPs »Superbloom« und »Bridges« von Kiefer auf einem Vinylrelease gemeinsam heraus.
Music Review
Vulfpeck
The Beautiful Game
Groove kann so einfach sein: Die Funkband Vulfpeck aus Ann Arbor haben ihr zweites Album »The Beautiful Game« veröffentlicht.
Music Review
Teebs
Anicca
»Anicca« ist das erste Album von Teebs seit fünf Jahren. Es ist inhaltlich ein zeitgeistiges Album mit Botschaft, musikalisch nicht.
Music Review
Conforce
Dawn Chorus
Quo vadis Techno? Der niederländische Produzent Conforce gibt auf »Dawn Chorus« Einblicke, wohin die Reise gehen könnte.