Review

Various Artists

Aloha Got Soul

Strut • 2016

Hawaiianische Musik assoziiert man wohl unwillkürlich mit Klischees wie Steeldrums, Ukulelen, Surfgitarren und Tänzerinnen mit Baströckchen und Blumenkränzen, die dazu die Hüften kreisen. Um das zu ändern, hat sich Roger Bong vom Reissue Label Aloha Got Soul mit Strut Records zusammengetan und die Kompilation zusammengestellt. Und tatsächlich kommen diese musikalischen Stereotypen genau an zwei Stellen innerhalb der gesamten, gut eine Stunde umfassenden Spielzeit vor: In »O’Kailua« von Nohelani Cypriano erklingt eine kurze Slide-Melodie auf einer Ukulele und auf »Papa’a Tita« von Chucky Boy Chock & Mike Kaawa With Brown Co. kommt im Hintergrund eine Steeldrum zum Einsatz. Ansonsten sind hier vielmehr 16 funky Songs vom Inselparadies versammelt, die – wie der Titel schon sagt – zwischen Soul, Disco und dem hier AOR abgekürzten (für Adult Oriented Rock) Mainstream Rock hin und her wechseln. In den 1970er Jahren schwappten diese Genres langsam über den Pazifik und wurden auf Hawaii in die Tradition der Hapa Haole-Musik (»halb hawaiianisch, halb kaukasisch«) integriert. Der typische Easy-Going-Vibe der Inseln verband sich mit dem Sound von Vorbildern wie Earth Wind & Fire oder Tower of Power. Die funkigen Stücke können allerdings um einiges mehr überzeugen, als die damals leider auch im Rest der USA weit verbreitete aalglatte Überproduktion der AOR-Songs.