Music Review | verfasst 06.04.2016
Guts
Eternal
Heavenly Sweetness, 2016
Text Christian Neubert
Deine Bewertung:
8.7
Nutzer (3)
7.0
Redaktion
Cover Guts - Eternal

Den Weg vom Beatmaker zum Bandleader bestreiten nicht gerade viele Musikproduzenten. Kein Wunder, beackern beide Disziplinen doch Baustellen, die trotz offenkundiger Gemeinsamkeiten weit auseinandergehen. Zu den Musikern, die diesen Brückenschlag meistern, zählt z.B. Adrian Younge. Nun auch: Guts. Der französische Producer beweist es mit seiner neuen LP »Eternal«. Einst für die Beats seiner ehemaligen Crew Alliance Ethnik zuständig, schien das Erfolgsrezept seiner nachfolgenden Instrumentalalben zu sein: Drei Viertel Samples, ein Viertel Live-Instrumentierung. Für »Eternal« dreht er dieses Verhältnis nun um. Hilfe erhält er dabei von den Musikern Florian Pellissier, Greg F., Leron Thomas, Kenny Ruby und Tibo Brandalise sowie den Gaststimmen von Pea, Don Will und Lorine Chia. Im Kollektiv schaffen sie eine gutgelaunte Mixtur, die Gesang und hier und da mal ein paar gerappte Zeilen auffährt und einen Fuß stets in der Disco hat. Das »Opening« fährt filmische Dramatik auf, bei der man beinahe Rocky Balboas Atem im Nacken spürt. Spätestens beim dritten Track, »All Or Nothing«, wird der Italian Stalllion jedoch von Bootsy Collins umgarnt. Bei »Dirty Otter« hat er bereits Schlaghosen und Paillettenhemd an – und schon hat sich die LP in leichtfüßigem Funk eingepegelt. Wenn der Groove sich dem Soul unterordnet, laufen Kenny Rubys katzenschnurrende Bassläufe zu Hochformen auf, flankiert von Lorine Chias Gesangsstimme. Zum Ende hin werden willkommene Ausflüge gen karibischem Flair, asiatischer Anmut und Jazz Rock unternommen, und stets lassen US3 und Buckshot Lefonque grüßen, ohne als wirkliche Referenz wahrgenommen werden zu wollen. Guts lehnt sich derweil zurück. Und genießt.

Das Album »Eternal« von Guts findest du bei hhv.de: 2LP und CD
Dein Kommentar
2 Kommentare
20.04.2016 11:18
Milky Ray:
absolut! auch wenn ich nicht ganz mitkomme, wo "pea" und "don will" auftauchen.
― antworten
20.04.2016 11:25
Milky Ray:
ah! bei "take me back" und "all or nothing" nehme ich an?!
― antworten
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 16.09.2014
Guts
Hip Hop After All
Guts’ neue Platte »Hip Hop After All« wird durch namhafte Größen und verheißungsvolle Newcomer zu einem Album interdisziplinärer Klasse.
Music Review | verfasst 17.08.2015
Mambo & Guts presents
Beach Diggin Vol.3
Mambo und Guts haben für die Zusammenstellung von »Beach Diggin’ Vol3.« die Sonnebrille aufgesetzt und den Mojito in die Hand genommen.
Music Review | verfasst 03.10.2016
Various Artists
Mambo & Guts presents Beach Diggin' 4
Auch auf »Beach Diggin’ 4« laden Mambo und Guts mit einem bunten Potpourri wohltuender Musik zum Tagträumen am Meer ein.
Music Liste | verfasst 15.06.2018
Guts
Picks 10 latest Vinyl Records
Guts ist eine Institution im französischen, ach, im europäischen Rap. Mindestens. Soeben wurde seine Platte »Paradise For All« wieder aufgelegt. Die Gelegenheit ihn darum zu bitten, 10 Schallplatten zu picken, die ihn aktuell mitreißen.
Music Review | verfasst 04.09.2011
Chilly Gonzales
The Ivory Tower
Parallel zum neuen Album The Unspeakable Chilly Gonzakes ist nun endlich The Ivory Tower aus dem letzten Jahr auf Vinyl erschienen.
Music Review | verfasst 30.03.2012
Blundetto
Warm My Soul
Manchmal macht nur der Groove den Unterschied. Denn auch auf »Warm My Soul« passiert nichts, was nicht schon bekannt wäre.
Music Review
Sampa The Great
The Return
Sampa The Great ist mit »The Return« ein unglaublich tolles, gar beeindruckendes Debütalbum gelungen.
Music Review
Velodrome
На Велодроме 141
Dark Entries hat den belgischen New Beat-Knüller »На Велодроме 141« von Velodrome ausgegraben und wiederaufgelegt.
Music Review
Toshifumi Hinata
Broken Belief
Gemeinsam mit Chee Shimizu arbeitet Music From Memory das Frühwerk von Toshifumi Hinata als Compilation neu auf.
Music Review
Ebo Taylor Jnr & Wuta Wazutu
Gotta Take It Cool
Mit »Gotta Take It Cool« veröffentlicht Mr Bongo Records ein rares Album von Ebo Taylor Jnr, dem Sohn des bekannten Highlife-Musikers.
Music Review
R°A
Space Melody EP
1988 war die Welt echt noch in Ordnung: Mothball Records veröffentlicht mit der »Space Melody EP« von R°A ein Italo-Disco-Highlight.
Music Review
Miles Davis
Rubberband
Natürlich ist das wiederentdeckte Album »Rubberband« von Miles Davis keine Revolution, kein Aufbruch. Es ist dennoch gut.
Music Review
Richard Lamb
Automatic Tango
»Automatic Tango« von Richard Lamb pickt am aktuellen Kanada-Sound wie Ahornsirup an Blueberry-Pancakes.
Music Review
Lower Dens
The Competition
Gebannt von diesen Neonfarben: Mit »The Competition« wagen sich Lower Dens so offensiv wie nie zuvor in den musikalischen Wettstreit.
Music Review
Reggie Andrews And The Fellowship
Mystic Beauty
Reggie Andrews hat als Mentor von Thundercat oder Kamasi Washington Musikgeschichte geschrieben. Jetzt kann er als Musiker entdeckt werden.
Music Review
Bon Iver
i,i
Andpruchsvolle Musik, die nicht überfordern soll: mit »i,i« entfernen sich Bon Iver ein Stück von dem verträumten Folk der ersten Jahre.
Music Review
Dawl
Time To Throw Down EP
Es werden keine Gefangenen gemacht: Dawl ist DJ seit den Anfangstagen von Rave und das hört man seiner »Time To Throw Down EP« dann auch an.
Music Review
Moose Dawa
The Swap
»The Swap« ist eiine Hommage an das Sampling und den schwedischen Beatmaker Moose Dawa gilt es zu entdecken.
Music Review
!!! (Chk Chk Chk)
Wallop
Mit »Wallop« wagen !!! einen wilden Ritt durch die Jahrzehnte, ohne ihre Kernkompetenz der schrägen Dancefloor-Killer zu vernachlässigen.
Music Review
Gareth Quinn Redmond
Laistigh Den Ghleo
Der irische Komponist Gareth Quinn Redmond hat mit »Laistigh Den Ghleo« dem Ambientwerk »Still Way« von Satoshi Ashikawa Tribut gezollt.
Music Review
Satoshi Ashikawa
Still Way (Wave Notation 2)
Das 1982 entstandene, fantastische Album »Still Way « von Satoshi Ashikawa, an dem auch Midori Takada mitwirkte, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Whitney
Forever Turned Around
»Forever Turned Around« ist der Nachfolger zu Whitneys gefeiertem »Light Upon The Lake«. Es ist dann nette sommerliche Popmusik geworden.
Music Review
Wu-Tang Clan
OST Of Mics And Men
Die Dokuserie „Of Mics and Men“ erzählt die Wu-Tang Saga. Den Soundrack zum faktenbasierten Vierteiler übernahm der Clan selbst.
Music Review
Grup Doğuş
Grup Doğuş
Grup Doğuş wurde von der Bühne weggesignt, nahmen ein Tape auf und gerieten in Vergessenheit. Der deutschen Rockszene entging damit etwas.
Music Review
Ezra Furman
Twelve Nudes
»The songs are naked with nothing to hide.« Ezra Furman ist auf »Twelve Nudes« so geradeaus wie nur selten zuvor.
Music Review
X.Y.R.
Robinson Crusoe
Soundtrack für den Cocktail-Kater: 2012 nur auf Tape erschienen, erhält »Robinson Crueso« von X.Y.R. nun eine Vinylversion.
Music Review
Saint Petersburg Disco Spin Club
Live Sessions Vol.2
Kito Jempere hat ein neues Darling: Saint Petersburg Disco Spin Club. Die »Live Sessions Vol.2« sind bei Emotional Response erschienen.
Music Review
Blanck Mass
Animated Violence Mild
Hinter Blanck Mass steckt Fuck Buttons’ Benjamin John Power. Sein »Animated Violence Mild« kann unglaublich nerven oder pervers mitreißen.
Music Review
Gökçen Kaynatan
Cehennem
1973-1975 verarbeitete Gökçen Kaynatan mit einem EMS Synthi AKS sein körperliches Leid. Das dabei entstandene Album erscheint erst jetzt.
Music Review
Alexander Tucker
Guild Of The Asbestos Weaver
»Guild Of The Asbestos Weaver« von Alexander Tucker ist ein absolutes rundes Ding. Große Wellen schlagen wird es trotzdem nicht.
Music Review
Alphonse
Stolen Sunrise
Die Sonne scheint jetzt immer. Auch auf dem Dancefloor. »Stolen Sunrise« von Alphonse ist deshalb eine der Platten der Stunde.
Music Review
Dazion
A Bridge Between Lovers
Sommerliche Töne sind auf »A Bridge Between Lovers«, dem neuen Release von Dazion zu hören, der soeben bei Second Circle erschienen ist.
Music Review
Kosh
Vicious Love
Kosh, der derzeit gehypteste Export aus Marokko seit Nanaminze, Haschisch und Bibelfilmen, fackelt auch auf »Vicious Love« nicht lange rum.
Music Review
Die Höchste Eisenbahn
Ich Glaub Dir Alles
Allerhöchste Eisenbahn! Mit »Ich Glaub Dir Alles« ist das zweite Album von Die Höchste Eisenbahn endlich erschienen.
Music Review
Brian Eno
Apollo: Atmospheres And Soundtracks
Neu gemastert und mit einer zweiten Platte mit neuen Songs bestückt wurde das tolle »Apollo« von Brian Eno aus dem Jahr 1983 neu aufgelegt.
Music Review
MR TC & Lo Kindre
Phase001
MR TC und Lo Kindre haben ein Label aus der Taufe gehoben und gleich auch ein gemeinsamen Release fertiggestellt.
Music Review
Floating Points
Lesalpx / Coorabell
Nach fast zwei Jahren ohne neue Musik hat Floating Points kürzlich die beiden neuen Tracks »Lesalpx« und »Coorabell« veröffentlicht,
Music Review
Iron Curtis
And The Temper
Iron Curtis kehrt auf Office Recordings zurück. Seine EP »And The Temper« erzählt eine kleine Geschichte – im House-Bereich eine Seltenheit.
Music Review
Freddie Gibbs & Madlib
Bandana
Freddie Gibbs und Madlib, der Rapper und der Beatschmied, haben sich endgültig gefunden. Mit »Bandana« ist ihnen etwas großartiges gelungen.
Music Review
Fernando Falcão
Memória Das Águas
Kein Ethnoscheiß und auch kein plumper Nihilismus: Selva Disco legt »Memória Das Águas« von Fernando Falcão wieder auf.
Music Review
Odd Okoddo
Okitwoye
Odd Okoddo sind Sven Kacirek und der Sänger und Lautenist Olith Ratego. »Okitwoye« liefert einen ersten Vorgeschmack auf ihr Debütalbum.
Music Review
J.Derwort
Bamboo Music
Jacobus Derwart von The Chi Factory hatte in den späten 1980er Jahren mit Bambusflöten und Zweispurrekorder »Bamboo Music« aufgenommen.
Music Review
Shakti
Verboden Dromen
Aus den Hochzeiten der belgischen Clubkultur der 1980er Jahre kommt »Verboden Dromen« von Shakti, den Stroom wieder verfügbar gemacht hat.
Music Review
Biochip
Synthase
Das kanadische Duo Biochip debütiert mit »Synthase« auf Albumlänge auf Central Processing Unit.
Music Review
Why?
AOKOHIO
Psych Pop zwischen verschroben und hymnisch, mal kryptisch verklausuliert, mal mit der emotionalen Dampfwalze von Befindlichkeitsnudisten.
Music Review
Dots (Atom TM)
Dots
1994 nur auf CD erschienen, wird »Dots« nun via Astral Industries erstmals auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Tim Jackiw
Many Moons
Zwischen 1995 und 1998 hat Tim Jackiw in Adelaide auf seinem Amiga 500 Tracks produziert, die jetzt als »Many Moons« veröffentlicht wurden.