Music Review | verfasst 15.04.2016
James K
Pet
Dial, 2016
Text Kristoffer Cornils
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8.8
Redaktion
Cover James K - Pet

Die Snobs werden sich begierig die Scheitel lecken: Da kommt jemand ums Eck und bettelt geradezu danach, in eine Schublade gepresst zu werden. Schon das Cover von Jamie Krasners Debütalbum unter dem Namen James K erinnert in seiner strengen Aufgeräumtheit bei gleichzeitiger Quietschbuntheit an Grimes‘ Durchbruchs-LP »Visions«. Vielleicht ist das allerdings nicht als Zufall oder gar als Rip-Off, sondern eine direkte Referenz zu verstehen. Denn die beiden Produzentinnen eint nicht nur die Vorliebe für verzerrte und knallige Designs, sondern auch ein loser thematischer Faden, der mit ihrer Existenz als Frauen in patriarchalen Strukturen zu tun hat. Während Grimes allerdings auf Konfrontationskurs geht – und dort fangen die Unterschiede an, mehr als deutlich zu werden – wählt Krasner subtile Umwege. Beim männlichen Pseudonym angefangen bis hin zu ihrer Musik zeigt sich die New Yorkerin auf »Pet« ziemlich unverbindlich. Ihre Stimme schwebt wie ein ätherisches Rauschen über den muffigen, analogen Beats der elf Tracks, die von Acid Techno-Referenzen über Sade-Momenten bis eher sanfteren Trip Hop-Tönen eine Vielzahl von Stilarten anzitieren und diese doch nie direkt ausspielen. Krasner fährt eine Schubladenvermeidungsstrategie, die ihrem Album eine großartig gespenstische Tiefe verleiht. Verstärkt wird das umso mehr dadurch, dass Krasner ihre Stimme als Material verwendet. Hinter ihren eigentlichen, sanften Gesang schieben sich heruntergepitchte oder zu kaum hörbaren Flächen gestreckte Zweitstimmen, die ihr zumindest atmosphärisch zu widersprechen scheinen. Dazu gesellen sich kleine musikalische Wiedergänger: Ist diese Gitarrenmelodie nicht irgendwo gesamplet? Diese Klavier-Harmonie, die ist doch… Na, wart kurz, gleich hab ich’s… Hm. »Pet« ist voll von solchen rätselhaften Momenten, in denen sich die Musik von James K mit unvergleichbarer Eleganz entzieht. Keine Verlegenheitsgeste, sondern eine Strategie, die sich von anderen – ja, auch von Grimes‘ – maßgeblich unterscheidet. Und hinter der trotzdem eine Attitüde steht, nicht von ungefähr inauguriert Krasner mit der von Dial und 1080p gemeinsam veröffentlichten Platte ihr eigenes Label mit dem Namen She Rocks. Nur rockt sie eben anders als die anderen.

Das Album »Pet« von James K findest du bei hhv.de auf LP.
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