Music Review | verfasst 26.04.2016
Kim Brown
Wisdom Is A Dancer
Just Another Beat, 2016
Text Peter Gebert
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8.2
Redaktion
Cover Kim Brown - Wisdom Is A Dancer

Wie man mit einem perfekten Künstlernamen auf die falsche Fährte lockt, machen Kim Brown vor. Es ist ja schwer vorstellbar, dass einer oder eine allein so eine Musik hervorbringt. Befreit von der Jagd nach cleveren Einfällen, der Profilierung eines Egos, konzentrierten sich Ji-Hun Kim und Julian Braun auf ihrem 2013er Debüt ganz auf die gemeinsame Formulierung eines Gefühls. Der House-Entwurf von »Somewhere Else It’s Going To Be Good« wirkte als ambiente Projektionsfläche. Deren Wirkung genügte nicht nur dem eingespielten DJ-Team, darin fand sich auch sein Publikum wieder. Schwer, daran etwas zu verbessern. Nun haben sich Kim Brown für den Nachfolger Aufgaben gestellt. Das merkt man ihm an. Erkundung der Grenzen ihrer besonderen Palette, die eigentlich ganz unauffällig scheint: warme Basslines, verhaltene Beats, klassische Melodieträger, und die Arbeit mit Kontrasten. Dunklere Töne haben sich eingeschlichen, unterschwellige Nervosität urbaner Nacht, in der ihre New-York-House-Claps auch mal als einsam flackernde Funzeln auftreten. Der Zug ihrer String-Linien über eine Fläche jedoch spiegelt immer noch viel mehr den schweifenden Blick über Vorstadtdächer, eine friedvolle Wehmut, Abenteuer jenseits gepflegter Gärten noch in der Ferne. Die Hausaufgaben sind gemacht, der Drahtesel hoppelt schon in der Garage, der Ball schon im Beutel. Gleich hinter Heidelberg beginnt der Highway nach L.A., aber erstmal dösen wir am Beckenrand und drehen an der Kurzwelle. Kurz, Kindheit in der Bundesrepublik: Etwas mehr Indie-Bekenntnis, und man wäre in der Nachbarschaft von Miwon. Auch geheime Urväter winken. Die D-Seite empfängt mit einem längst vergessenen Duft, als endloses Blütenmeer auf großer Leinwand. Sollten sich die zwei wirklich an T’N’I erinnern? Wem das alles zu leicht ist, dem fehlt die Antenne für Präzision. Der steppende Schlurf des Kerzenlichts, mit dem sie dann die Melancholie der Müdigkeit einfangen, am Ende eines perfekten Tags, den man noch nicht verabschieden mag, ist da nur der krönende Abschluss.

Das Album »Wisdom Is A Dancer« von Kim Brown findest du demnächst bei hhv,de.
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