Music Review | verfasst 06.07.2016
Massimiliano Pagliara
Connection Lost Part 2
Uncanny Valley, 2016
Text Kristoffer Cornils
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Redaktion
Cover Massimiliano Pagliara - Connection Lost Part 2

Manche Menschen schlafen nicht und oftmals ist Musik dran schuld. »Trying To Hide But Then I Cried« ist genau so einer. Der dauerekstatische Opener von Massimiliano Pagliaras zweitem Teil seiner »Connection Lost«-Serie für das Dresdner Label Uncanny Valley bringt die stoische Zweckmäßigkeit von Euro-Disco-Beats und schubbernden Basslines mit irisierenden, psychedelischen Elementen zusammen. Amtlich weirdes Synthiegeblubber, kreiselnde Penny-Arcade-Sounds, Dopplereffekte hier und dort – und meistens alles zugleich. Unaufhaltbar, unerhört, unwiderstehlich. Siebeneinhalb Minuten Wahnsinn, der zum Schluss noch die Percussions klappern lässt. Diese Art Rundummaximalismus ist das Markenzeichen des Italieners, der zwar mittlerweile in Berlin lebt und doch seine spirituelle Heimat im Offenbacher Robert Johnson gefunden hat. Nur sinnig, da wird die Disko schließlich noch viel eher als Spielstätte von Disco verstanden als in der Hochglanz-Techno- und Bumms-House-Hauptstadt der Republik. Dass das unmöglich in Pagliaras Interesse liegen kann, beweist auch der folgende Track, »If You Were Here«: Chicago hat die Struktur vorgezeichnet, New York sponsert die Harmonien, der München-Vibe (von Moroder straight to Permanent Vacation) ist dennoch unverkennbar. So unprotzig klingen Hands-Up-Momente selten, die melancholische Schlussnote tut ihr Übriges. »Ukulele Groove« dagegen scheint dann doch auf Emo-House zuzusteuern, bremst sich aber mit dumpf-kratzigem Sounddesign und dezent danebenen Kullersynthies kurz vor Kitschgrenze ab. Lullt meisterhaft ein, will den Moment aber erlebbar machen, anstatt sich drin zu verlieren. Klappt auch. Als Slow Jam mit Krautinteresse präsentiert sich »No More Love To Follow«, über das Matthew Morris eine pathoslastige Trennungsgeschichte croont. Der Soundtrack für den letzten Schnaps am Ende einer langen Nacht, bevor die Türen geöffnet werden und sich der Zigarettenrauch der letzte Stunden verflüchtigt. Ein Ende aber ist nicht in Sicht, »Trying To Hide But Then I Cried« läuft wieder an und irgendwer wird ja wohl noch eine After Hour an den Start bringen. Schlaf wird sowieso überbewertet.

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