Music Review | verfasst 15.07.2016
Arthur Verocai
Arthur Verocai
Mr Bongo, 2016
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover Arthur Verocai - Arthur Verocai

Das Wesentliche in 30 Minuten sagen. Dem Brasilianer Arthur Verocai ist das mit seinem selbstbetitelten Albumdebüt von 1972 gelungen. Dafür hat der musikalische Autodidakt in seine Kompositionen und Arrangements auch so ziemlich alles hineingepackt, was man zu der Zeit an Stilen zur Verfügung hatte. Nun, vielleicht nicht ganz. Seine Auswahl reicht aber von Folk über Psychedelik und Funk bis Jazz – und brasilianischer Musik, womit »Arthur Verocai« den Übergang von der Tropicália der 1960er Jahre in die Fusion-Ansätze der 1970er Jahre markiert und beide Welten für kurze Zeit zusammengebracht hat. Akustische Gitarrentöne, von Verocai selbst gespielt, mischen sich mit Streicherklängen, Fender Rhodes-Akkorde treffen auf Synthesizereffekte, Perkussion auf Bläser. Was diese halbstündige Reise so großartig macht, ist ihr wiederholtes Ausscheren in unerwartete Richtungen, das dabei jedesmal völlig selbstverständlich und natürlich wirkt. Dazu melancholisch-hymnische Melodien, quecksilbrig bewegliche Arrangements und ein Groove, der nur die Verächter brasilianischer Musik unberührt lassen kann. Für ihren Reissue der lange vergriffenen Platte, die zugleich für einige Jahrzehnte das einzige Album Verocais blieb, arbeitete das englische Label Mr Bongo zusammen mit dem Künstler, der auch das Remastering der Originalbänder selbst beaufsichtigte. Die vielleicht schönste Wiederauflage seit Jahren und ein Wunder des multipolaren Pop.

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