Music Review | verfasst 25.08.2016
Exploded View
Exploded View
Sacred Bones, 2016
Text Philipp Kunze , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.4
Redaktion
Cover Exploded View - Exploded View

Es gibt Stimmen, die berühren. Und Stimmen, die berühren. Manchmal kann man genau zuordnen, was einen an einer Stimme packt: Sie klingt besonders melancholisch, aggressiv, lasziv etc. pp. Und manchmal ist da einfach irgendetwas; etwas kaum Greifbares, eine Emotion, die man nicht benennen kann. Annika Henderson hat eine solche Stimme. Das letzte Mal geisterte diese Stimme 2013 über eine EP auf Stones Throw, »Anika«. Auf den Songs hauchte Anika mit ihrer Stimme knochigen Instrumentals die Körper weg und nahm sie mit in eine Zwischenwelt. Der Sound mit ihrer neuen Band Exploded View ist ein ganz anderer, haken wir kurz die Eckdaten ab: Henderson trifft eher zufällig drei Musiker in Mexico (Martin Thulin, Hugo Quezada und Amon Melgarejo), versteht sich bestens mit ihnen (zwischenmenschlich und musikalisch) und nimmt schließlich in einer improvisierten Session ein ganzes Album auf. Exploded View: Bandname und Albumtitel sind zusammengesetzt aus der explodierenden Masse an grafischem Material zu Unglücken, Katastrophen, zu Mord und Totschlag – und unserem Blick darauf. Auf den Texten geht es also durchaus politisch zu, kriegt man aber kaum mit, wegen: Anikas Stimme. Eine Stimme, wie man von ihr träumen würde, wenn man weder ganz wach ist noch wirklich schläft. Eine Stimme, von der man sich nicht vorstellen kann, dass sie über Alltägliches reden kann. Auch eine unheimliche Stimme. Eine Stimme, die fern scheint, nicht real. Sie legt ihren kalten Mantel über die Instrumentals. Polternde Drums, forscher Bass, und unterkühlte Synths. Genre? Wenn’s sein muss: Impro-Post-Punk-No-Wave-Cold-Wave. Noise-y wird es auch hier und da, Gitarren verzerren, es dingelt und dongt und überschlägt sich. Wobei das Album da am besten ist, wo die Instrumente einander grün sind, wo sie genau den richtigen Raum zwischen sich haben, in den Anikas Stimme wehen kann, um so den Song auf eine neue Ebene zu heben. Wo diese Ebene liegt, lässt sich nicht bestimmen. Zu absonderlich alles. Aber es ist eine hohe. Das begreift man sofort.

»Exploded View« von Exploded View findest Du bei hhv.de auf LP
Dein Kommentar
1 Kommentare
10.05.2019 05:57
Dennisfar:

КТП 25-2500ква киоскового типа, КТП КОМПЛЕКТНЫЕ ТРАНСФОРМАТОРНЫЕ ПОДСТАНЦИИ москва, Производство ктп москва, а также многое другое на нашем специализированном сайте:https://sviloguzov.ru/ - Вам к нам!
― antworten
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 29.04.2013
Anika
Anika EP
Man muss die Stones-Throw-Fanboy-Brille schon aufhaben, um diesen Release ernsthaft feiern zu können.
Music Interview | verfasst 12.08.2011
Anika
Stellt die Dinge in Frage
Valentin Menedetter traf die etwas andere Singer & Singwriterin Anika, die vergangenes Jahr ihr Debüt auf Stones Throw veröffentlichte, zum Gespräch. Eine Kampfansage an die heutige Konformität.
Music Liste | verfasst 14.07.2017
Ausklang | 2017KW28
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Review | verfasst 06.03.2014
Marissa Nadler
July
Marissa Nadlers sechstes Album »July« verbindet Folk mit der bedrohlichen Stimmung von Doom-Metal.
Music Review | verfasst 01.05.2015
Moon Duo
Shadow Of The Sun
Für Geisterfahrten wärmstens empfohlen: Den Psycherockern Moon Duo gelingt mit »Shadow Of The Sun« ihr schnittigster Release bislang,
Music Review | verfasst 09.06.2015
Jenny Hval
Apocalypse, girl
Hval kotzt sich nicht aus, sie fragt. Antworten ergeben sich, indem man ihr folgt: in’s Unangenehme. Am Ende weiß man, was untergehen soll.
Music Review | verfasst 16.10.2015
John Carpenter
Lost Themes Remixed
Auf sein verspätetes Debütalbum lässt John Carpenter nun eine Remix-Platte folgen. »Lost Themes Remixed« entfaltet selten eine Dramatik.
Music Review
Barker
Utility
Schon viele Jahre in Berlin als DJ und Produzent unterwegs, legt Sam Barker mit »Utility« nun auf Ostgut Ton sein Debütalbum »Utility× vor.
Music Review
Ebo Taylor
Palaver
Mit dem neu entdeckten »Palaver« von Ebo Taylor gibt es ein erstes richtiges Highlight in der neuen Tabansi Gold Series von BBE Africa.
Music Review
Ill Considered
8
Etwas urbaner als der eher atmosphärische Vorgänger, präsentiert »Ill Considered 8« eine weitere Schattierung der britischen Jazzer.
Music Review
Sampa The Great
The Return
Sampa The Great ist mit »The Return« ein unglaublich tolles, gar beeindruckendes Debütalbum gelungen.
Music Review
Velodrome
На Велодроме 141
Dark Entries hat den belgischen New Beat-Knüller »На Велодроме 141« von Velodrome ausgegraben und wiederaufgelegt.
Music Review
Toshifumi Hinata
Broken Belief
Gemeinsam mit Chee Shimizu arbeitet Music From Memory das Frühwerk von Toshifumi Hinata als Compilation neu auf.
Music Review
Ebo Taylor Jnr & Wuta Wazutu
Gotta Take It Cool
Mit »Gotta Take It Cool« veröffentlicht Mr Bongo Records ein rares Album von Ebo Taylor Jnr, dem Sohn des bekannten Highlife-Musikers.
Music Review
R°A
Space Melody EP
1988 war die Welt echt noch in Ordnung: Mothball Records veröffentlicht mit der »Space Melody EP« von R°A ein Italo-Disco-Highlight.
Music Review
Miles Davis
Rubberband
Natürlich ist das wiederentdeckte Album »Rubberband« von Miles Davis keine Revolution, kein Aufbruch. Es ist dennoch gut.
Music Review
Richard Lamb
Automatic Tango
»Automatic Tango« von Richard Lamb pickt am aktuellen Kanada-Sound wie Ahornsirup an Blueberry-Pancakes.
Music Review
Lower Dens
The Competition
Gebannt von diesen Neonfarben: Mit »The Competition« wagen sich Lower Dens so offensiv wie nie zuvor in den musikalischen Wettstreit.
Music Review
Reggie Andrews And The Fellowship
Mystic Beauty
Reggie Andrews hat als Mentor von Thundercat oder Kamasi Washington Musikgeschichte geschrieben. Jetzt kann er als Musiker entdeckt werden.
Music Review
Bon Iver
i,i
Andpruchsvolle Musik, die nicht überfordern soll: mit »i,i« entfernen sich Bon Iver ein Stück von dem verträumten Folk der ersten Jahre.
Music Review
Dawl
Time To Throw Down EP
Es werden keine Gefangenen gemacht: Dawl ist DJ seit den Anfangstagen von Rave und das hört man seiner »Time To Throw Down EP« dann auch an.
Music Review
Moose Dawa
The Swap
»The Swap« ist eiine Hommage an das Sampling und den schwedischen Beatmaker Moose Dawa gilt es zu entdecken.
Music Review
!!! (Chk Chk Chk)
Wallop
Mit »Wallop« wagen !!! einen wilden Ritt durch die Jahrzehnte, ohne ihre Kernkompetenz der schrägen Dancefloor-Killer zu vernachlässigen.
Music Review
Gareth Quinn Redmond
Laistigh Den Ghleo
Der irische Komponist Gareth Quinn Redmond hat mit »Laistigh Den Ghleo« dem Ambientwerk »Still Way« von Satoshi Ashikawa Tribut gezollt.
Music Review
Satoshi Ashikawa
Still Way (Wave Notation 2)
Das 1982 entstandene, fantastische Album »Still Way « von Satoshi Ashikawa, an dem auch Midori Takada mitwirkte, wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Whitney
Forever Turned Around
»Forever Turned Around« ist der Nachfolger zu Whitneys gefeiertem »Light Upon The Lake«. Es ist dann nette sommerliche Popmusik geworden.
Music Review
Wu-Tang Clan
OST Of Mics And Men
Die Dokuserie „Of Mics and Men“ erzählt die Wu-Tang Saga. Den Soundrack zum faktenbasierten Vierteiler übernahm der Clan selbst.
Music Review
Grup Doğuş
Grup Doğuş
Grup Doğuş wurde von der Bühne weggesignt, nahmen ein Tape auf und gerieten in Vergessenheit. Der deutschen Rockszene entging damit etwas.
Music Review
Ezra Furman
Twelve Nudes
»The songs are naked with nothing to hide.« Ezra Furman ist auf »Twelve Nudes« so geradeaus wie nur selten zuvor.
Music Review
X.Y.R.
Robinson Crusoe
Soundtrack für den Cocktail-Kater: 2012 nur auf Tape erschienen, erhält »Robinson Crueso« von X.Y.R. nun eine Vinylversion.
Music Review
Saint Petersburg Disco Spin Club
Live Sessions Vol.2
Kito Jempere hat ein neues Darling: Saint Petersburg Disco Spin Club. Die »Live Sessions Vol.2« sind bei Emotional Response erschienen.
Music Review
Blanck Mass
Animated Violence Mild
Hinter Blanck Mass steckt Fuck Buttons’ Benjamin John Power. Sein »Animated Violence Mild« kann unglaublich nerven oder pervers mitreißen.
Music Review
Gökçen Kaynatan
Cehennem
1973-1975 verarbeitete Gökçen Kaynatan mit einem EMS Synthi AKS sein körperliches Leid. Das dabei entstandene Album erscheint erst jetzt.
Music Review
Alexander Tucker
Guild Of The Asbestos Weaver
»Guild Of The Asbestos Weaver« von Alexander Tucker ist ein absolutes rundes Ding. Große Wellen schlagen wird es trotzdem nicht.
Music Review
Alphonse
Stolen Sunrise
Die Sonne scheint jetzt immer. Auch auf dem Dancefloor. »Stolen Sunrise« von Alphonse ist deshalb eine der Platten der Stunde.
Music Review
Dazion
A Bridge Between Lovers
Sommerliche Töne sind auf »A Bridge Between Lovers«, dem neuen Release von Dazion zu hören, der soeben bei Second Circle erschienen ist.
Music Review
Kosh
Vicious Love
Kosh, der derzeit gehypteste Export aus Marokko seit Nanaminze, Haschisch und Bibelfilmen, fackelt auch auf »Vicious Love« nicht lange rum.
Music Review
Die Höchste Eisenbahn
Ich Glaub Dir Alles
Allerhöchste Eisenbahn! Mit »Ich Glaub Dir Alles« ist das zweite Album von Die Höchste Eisenbahn endlich erschienen.
Music Review
Brian Eno
Apollo: Atmospheres And Soundtracks
Neu gemastert und mit einer zweiten Platte mit neuen Songs bestückt wurde das tolle »Apollo« von Brian Eno aus dem Jahr 1983 neu aufgelegt.
Music Review
MR TC & Lo Kindre
Phase001
MR TC und Lo Kindre haben ein Label aus der Taufe gehoben und gleich auch ein gemeinsamen Release fertiggestellt.
Music Review
Floating Points
Lesalpx / Coorabell
Nach fast zwei Jahren ohne neue Musik hat Floating Points kürzlich die beiden neuen Tracks »Lesalpx« und »Coorabell« veröffentlicht,
Music Review
Iron Curtis
And The Temper
Iron Curtis kehrt auf Office Recordings zurück. Seine EP »And The Temper« erzählt eine kleine Geschichte – im House-Bereich eine Seltenheit.
Music Review
Freddie Gibbs & Madlib
Bandana
Freddie Gibbs und Madlib, der Rapper und der Beatschmied, haben sich endgültig gefunden. Mit »Bandana« ist ihnen etwas großartiges gelungen.
Music Review
Fernando Falcão
Memória Das Águas
Kein Ethnoscheiß und auch kein plumper Nihilismus: Selva Disco legt »Memória Das Águas« von Fernando Falcão wieder auf.
Music Review
Odd Okoddo
Okitwoye
Odd Okoddo sind Sven Kacirek und der Sänger und Lautenist Olith Ratego. »Okitwoye« liefert einen ersten Vorgeschmack auf ihr Debütalbum.
Music Review
J.Derwort
Bamboo Music
Jacobus Derwart von The Chi Factory hatte in den späten 1980er Jahren mit Bambusflöten und Zweispurrekorder »Bamboo Music« aufgenommen.
Music Review
Shakti
Verboden Dromen
Aus den Hochzeiten der belgischen Clubkultur der 1980er Jahre kommt »Verboden Dromen« von Shakti, den Stroom wieder verfügbar gemacht hat.
Music Review
Biochip
Synthase
Das kanadische Duo Biochip debütiert mit »Synthase« auf Albumlänge auf Central Processing Unit.