Music Review | verfasst 30.09.2016
Jenny Hval
Blood Bitch
Sacred Bones, 2016
Text Philipp Kunze , Übersetzung Julia Frohn
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Redaktion
Cover Jenny Hval - Blood Bitch

ANALSONDE wäre eventuell ein Albumtitel, der ähnlich (vermeintlich) ordinär nach Aufmerksamkeit schreit. »Blood Bitch« ist ein lauter Albumtitel – erst Recht für eine Künstlerin, die gerne flüstert. Jenny Hval befreit sich auf ihrem vierten Soloalbum damit selbst. Zu viel Subtilität kann anstrengend sein und hemmen, manchmal befreit es auf die 12 zu hauen, anstatt sich zu fragen, ob das Konzept der Uhrzeit für den modernen Menschen überhaupt noch Sinn macht. Und so entfernt sich Hval etwas (dazu gleich mehr) von den großen persönlichen und sozio-kulturellen Fragen und widmet sich stattdessen: Vampiren. »Blood Bitch« ist eine lose fiktionale Geschichte, die ihre Inspiration aus den Sexploitation-Filmen der 70er zieht. So, und einfacher wird’s nicht. Es ist immer noch Jenny Hval, über die wir hier reden. Denn zwar ist es ihr fiktionalstes Album bis dato, gleichzeitig ist es aber äußerst persönlich, dreht es sich doch um ihren Alltag als tourende Musikerin. Zwar beschäftigt sie sich nicht mehr so großangelegt wie noch auf den Vorgängern mit Fragen über Gender und Zeug, aber das titelgebende Blut auf der Toilettenrolle, das die Jungfrauen und die Huren vereint, zeugt auch nicht zwangsweise von einem Urlaub fürs Gehirn. Nein: voll auf die Zwölf gibt es auch dieses Mal nicht, »Blood Bitch« ist ein mitternächtlich schlafumwandelndes Entlangtasten an den Erkenntnissen des Tages und den Fantasien der Nacht. Musik gibt es auch noch. Zum Glück wieder mehr, muss man sagen. Denn so interessant »Apokalypse, Girl« war, so überzeugte es am Ende doch vor allem live als Kunst-Performance, weniger als kunstfertiges musikalisches Projekt. Auf »Blood Bitch« gibt es wieder mehr Melodien, mehr von dem Gefühl, dass hier wirklich Songs geschrieben und nicht einfach Gedichte auf stimmungsvolle Instrumentals gesprochen wurden.

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