Books Review | verfasst 21.09.2016
Ed Piskor
HipHop Family Tree Bd.4
Fantagraphics, 2016
Text Christian Neubert
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8.5
Redaktion
Cover Ed Piskor - HipHop Family Tree Bd.4

Ed Piskor, der wohl nerdigste Hip Hop Head der US-amerikanischen Indie-Comicszene, lässt seinen viel beachteten »Hip Hop Family Tree« weiter wuchern: Band 4 blickt anekdotenreich und voller kundiger, sorgfältig recherchierter Fun Facts, Eckdaten, Hintergrundinfos und Querverweise in die Jahre 1984 und 1985. Die Bewegung hat sich längst über die Bronx und aus New York hinausbewegt, weswegen Piskor als elaborierter Hip Hop-Chronist nun auch die gedeihenden Szenen in Kalifornien und Philadelphia ausleuchtet – in jener zeichnerischen Umsetzung, die auch dem seinerzeit populären Comic-Look Rechnung trägt.

Klar geht´s da um die Crack-Welle in Los Angeles, die ein gescheiterter Tennisspieler, der später als Rick Ross bekannt wurde, losgetreten hat. Um die daraufhin stattfindenden »Batterram«-Polizeieinsätze, die durch das Biopic »Straight Outta Compton« weitläufig bekannt wurden, von denen tatsächlich jedoch nur eine Handvoll stattfanden. Um die sogenannte »Move«-Bewegung in Philly, bei der sich die Polizei ebenfalls sehr unrühmlich zeigte, wodurch die Catch Phrase »The roof is on fire« traurige Berühmtheit erlangte. Um das Filmbiz, bei dem der Groschen fiel, weswegen durch Produktionen wie »Breakin´«, »Beat Street´« oder »Krush Groove« diverse Konten stiegen. Und um drei Rekruten der US Army, die nach einer Party von DJ Egyptian Lover ihre militärische Laufbahn zugunsten einer musikalischen kündigten – und als 2 Live Crew Ärsche wackeln ließen.

Piskors Hauptaugenmerk liegt allerdings zwangsläufig auf Def Jam Recordings: LL Cool J geht steil und wird bald von Marley Marl gebitet. Rick Rubin stellt seinem Gründungspartner Russell Simmons die Beastie Boys vor, der von dem Trio verlangt, sich von ihren Gimmicks zu verabschieden – und sie bald darauf mit Madonna auf Tour schickt. Und schließlich gebiert ein Vertriebsdeal mit CBS die ersten Hip Hip Mogule. Doch auch jenseits von Def Jam passiert viel: Rakim lernt Biz Markie kennen und rockt mit ihm den Pausenhof, bevor er seine Raps zusammen mit Eric B als Hit Singles recycelt. Ice Cube und Dr. Dre werden einander beim BBQ vorgestellt. DJ Jazzy Jeff und The Fresh Prince begeistern mit blindem Verständnis die Crowd. Und Salt´n´ Peppa werden als erste All-Female-Rap-Crew vermarktet. Das Finale des Bands markiert schließlich der aufkeimende Beef zwischen der Boogie Down Crew um Scott La Rock und der Queensbridge-basierten Juice Crew. Wer den ersten Diss-Track veröffentlicht hat wird allerdings schon vorher geklärt.

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