Music Review | verfasst 07.11.2016
Carla dal Forno
You Know What It's Like
Blackest Ever Black, 2016
Text Sebastian Hinz , Übersetzung Julia Frohn
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (1)
8.8
Redaktion
Cover Carla dal Forno - You Know What It's Like

Was Carla dal Forno auf ihren Debüt »You Know What It’s Like« macht, das wäre in den 1980er Jahren als originärer Sound von Berlin durchgegangen. Diese Synth-Loops, diese leicht lahmenden Beats, immer ein bisschen dunkel, immer auch ein bisschen nicht. Dazu der Gesang der Nymphe des Berges Helikon. Echo gefangen in den Häuserschluchten, allein hin und her irrend zwischen den Mietskasernen von Berlin-Neukölln, »The Same Reply«, wieder und wieder. Ich würde einiges dafür geben, dass Berlin heute so klänge und so wäre – ohne pompöses Gehabe, ohne verlogene Affektiertheit. »You Know What It’s Like« ist eine Art Medizin gegen dieses Empfinden geworden. Das Album verspricht Linderung. Dass es von einer Zugezogenen kommt – Carla dal Forno ist im australischen Melbourne aufgewachsen – macht die These von »You Know What It’s Like« als einem Berlin als Sehnsuchtsort thematisierendem Werk, nur noch stärker. Bitte macht jetzt nach dem Hören der Schallplatte nicht den Fehler, und zieht nach Berlin. Es reicht, wenn ihr euch einen Kaffee kocht und ein Bild schräg an die Wand nagelt. Echt! Und dann legt ihr einfach noch einmal diese Schallplatte auf. Und dann noch einmal. Ach, und das nächste Beste an »You Know What It’s Like« ist, dass es das Format Album ernst nimmt, dass es nicht um einen Hit herum aufgebaut ist (auch wenn die Vorab-Single »Fast Moving Cars« sehr gut ist), sondern das Album selbst der Hit ist. Das ist etwas, was ich schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr über eine Schallplatte schreiben konnte.

Das Album »You Know What It’s Like« von Carla dal Forno findest du bei hhv.de: LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Liste | verfasst 20.10.2017
Ausklang | 2017KW42
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Porträt | verfasst 17.01.2020
Blackest Ever Black
Suche nach Entfremdung
Unter Connaisseuren abgefuckter Klänge wurde Blackest Ever Black geschätzt wie kein zweites. Ende des Jahres 2019 war plötzlich Schluss. Wir blicken zurück auf ein Label, das musikalisch die 2010er Jahre bestimmte wie nur wenige andere.
Music Review | verfasst 17.10.2019
Carla dal Forno
Look Up Sharp
Carla Dal Forno ist mit »Look Up Sharp« angekommen. Es ist ein komischer Ort. Nah bei sich, weit weg von jemand anderem.
Music Kolumne | verfasst 08.12.2016
Jahresrückblick 2016
Top 50 Alben
Vielleicht ist es das Einzige, das man zu einer Liste mit Schallplatten zu diesem Jahr 2016 sagen kann, in der man nicht einfach nur über Musik reden kann: dass es bereichert, diesen 50 Alben (und 2 Mixtapes) zuzuhören.
Music Kolumne | verfasst 13.11.2019
Aigners Inventur
November & Dezember 2019
Kommt gerade vom Gruppenkuscheln auf der Ersti-Party und weiß trotzdem, wer das beste Deutschrap-Album aller Zeiten veröffentlichen wird. Es kann sich dabei nur um unseren Kolumnisten handeln.
Music Review | verfasst 24.09.2013
Tropic Of Cancer
Restless Idylls
Aus Post-Rock, Ambient und Dream-Pop baut Tropic Of Cancer ein Album rund um stoisch ertragene Trauer.
Music Review
Rosa
Acqua Di Sale
Aus dem Umfeld der Neapolitaner von Mystic Jungle kommt Rosa. Ihre 6-Track-EP »Acqua Di Sale« ist ausnahmslos cocktailtauglich.
Music Review
Space Dimension Controller
Planète Contraire
Mit seiner zweiten Dekmantel-EP nimmt Space Dimension Controller Kurs auf »Planète Contraire« und kommt nur mit einer guten Nummer zurück.
Music Review
Electric Indigo
Ferrum
»Ferrum«, Eisen, ist das Ausgangsmaterial auf dem neuen Album von Electric Indigo, um das sich alles schichtet und zerfasert.
Music Review
Ben Bertrand
Manes
Auf seinem neuen Album »Manes« verbindet der belgische Klarinettist Ben Betrand klassische Musik mit elektronischen Effekten.
Music Review
Ratgrave
Rock
Ratgrave ist das gemeinsame Projekt von Max Graef und Julius Conrad. Ihr neues Album »Rock« ist bei Black Focus erschienen.
Music Review
Tony Allen & Hugh Masekela
Rejoice
Der Nigerianer Tony Allen und der Südafrikaner Hugh Masekela sind Legenden des Jazz. Auf »Rejoice« sind sie gemeinsam zu hören.
Music Review
Matthew Tavares & Leland Whitty
Visions
Die Kanadier Matthew Tavares und Leland Whitty, bekannt als Teil von BadBadNotGood, haben mit »Visions« ein Album veröffentlicht.
Music Review
Hailu Mergia
Yene Mircha
Der äthiopische Musiker Hailu Mergia feiert gerade seinen zweiten Frühling. MIt »Yene Mircha« ist nun sein neues Album erschienen.
Music Review
Shabaka & The Ancestors
We Are Sent Here By History
Der kraftstrotzende Jazz von Shaba Hutchings ist auch auf dem mit The Ancestors eingespieltem Album »We Are Sent Here By History« zu hören.
Music Review
Inoyamaland
Danzindan-Pojidon
Mit »Danzindan-Pojidon« veröffentlichten Inoyamaland 1983 ein nah am Zeitgeist agierendes Album. Nur wie klingt das heute?
Music Review
Alabaster DePlume
To Cy & Lee Instrumentals Vol.1
Eine weitere Entdeckung auf International Anthem: Der britische Saxophonist hat sein Album »To Cy & Lee Instrumentals Vol.1« veröffentlicht.
Music Review
Zebra Katz
Less Is Moor
»Less Is Moor« ist das späte Debütalbum von Zebra Katz. Auf ihm schreibt Ojay Morgan seine Geschichten unter eigenen Bedingungen neu.
Music Review
Jon Hassell
Vernal Equinox
»Vernal Equinox«, das erste Album des amerikanischen Klangpioniers Jon Hassell wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Jura Soundsystem Presents Transmission Two
Die Compilation »Jura Soundsystem Presents Transmission Two« präsentiert einen Kessel Buntes, den weirden Shit, lose Fäden, Unerhörtes.
Music Review
Ranil
Ranil Y Su Conjunto Tropical
Analog Africa stöbert abseits ihres Kerngebietes und veröffentlicht eine Compilation der peruanischen Kombo Ranil Y Su Conjunto Tropical.
Music Review
Roger Eno & Brian Eno
Mixing Colours
Schlappe 37 Jahre nach ihrer Arbeit zu »Dune« gibt’s mit »Mixing Colours« wieder gemeinsames Material der Brüder Roger Eno und Brian Eno.
Music Review
Buck 65
Laundromat Boogie
»Laundromat Boogie« tänzelt im Sixstep in den Waschsalon und wird mit lakonischem Witz in den Trockner gepackt.
Music Review
Tornado Wallace
Midnight Mania
Der Australier Tornado Wallace legt sein zweites Album vor. »Midnight Mania« ist druckvoller, aber weiterhin rätselhaft und entrückt.
Music Review
Various Artists
Black Riot: Early Jungle, Rave And Hardcore
Die Compilation »Black Riot: Early Jungle, Rave And Hardcore« lässt das aufwühlende, energische, rastlose Genre wiederaufleben.
Music Review
World Quake Band
Everything Is On The One
»Everything Is On The One«, das 1981 erschienene, einzige Album der World Quake Band wurde nun bei Mad About Records wiederveröffentlicht.
Music Review
Atmosphere
Whenever
Das Duo Atmosphere aus Minneapolis meldet sich mit einem neuen Album zurück. »Whenever« verzichtet auf Experimente und liefert verlässlich.
Music Review
Delroy Edwards
Slap Happy
Der Zahn musste ihm gezogen werden: »Slap Happy« zeigt, das Delory Edwards mit den gewohnten Mitteln, nicht die gewohnte Qualität erreicht.
Music Review
M.Rux
Vermonische Melodien
Mit »Vermonische Melodien« verneigt sich der Beatbastler M.Rux vor Reinhard Lakomy und benutzt DDR-Hardware. Ostalgie aber? I wo!
Music Review
The James Hunter Six
Nick Of Time
Auch »Nick Of Time«, das vierte Album von The James Hunter Six, ist musikalisch und textlich völlig aus der Zeit gefallen.
Music Review
Stephen Malkmus
Traditional Techniques
Nur ein Jahr nach »Groove Denied« veröffentlicht Stephen Malkmus mit »Traditional Techniques« ein neues, komplett akustisches Album.
Music Review
Pharoah Sanders
Live In Paris 1975
Pharoah Sanders nahm »Live In Paris 1975« in Umbruchszeiten auf. Das schlägt sich in seiner Diversität, nicht aber im Spiel nieder.
Music Review
Kris Baha
Barely Alive Remixes
Der Asutralier Kris Baha ist nicht müde zu kriegen und veröffentlicht mit »Barely Alive Remixes« ein weiteres Release.
Music Review
The Master Musicians Of Jajouka
Apocalypse Across The Sky
Bill Laswell hat 1991 mit The Master Musician Of Jajouka »Apocalypse Across The Sky« aufgenommen. Es wurde jetzt auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Mateo Stoneman
Mateo
Vom Bankräuber zum »Loner« mit der Engelsstimme: die Geschichte von Mateo Stoneman wurde von ihm in karibische Sandelholz-Balladen gegossen.
Music Review
Houschyar
Temmuz
»Temmuz« von Houschyar ist von der ersten Sekunde warm, richtig schwül, dunstig, berauschend, eine gemütliche Decke, Milch mit Honig.
Music Review
Kassa Overall
I Think I'm Good
»I Think I’m Good« heißt das bei Brownswood erschienene, unberechenbare Album des an bipolarer Störung leidenden Musikers Kassa Overall.
Music Review
Grimes
Miss Anthropocene
Fünf Jahre nach ihrem letzten Album, legt die einzigartige Grimes mit »Miss Anthropocene« ein neues vor.
Music Review
Wildflower
Season 2
»Season 2«, das zweite Album der britschen Jazzer Wildflower, ist eine Meditation in aufgekratzten Zeiten.
Music Review
Caribou
Suddenly
Caribou beschäftigt sich auf »Suddenly« mit persönlichen Themen. Darunter einigen traurigen, wie die Stimmungslage vieler Songs andeutet.
Music Review
King Krule
Man Alive!
Mit »Man Alive!« ist King Krule nun endgültig in der Verweigerung angekommen. Die Vergleiche mit den großen Songwritern ziehen nicht mehr.
Music Review
O Yuki Conjugate
Into Dark Water
Wie feinsinnig O Yuki Conjugate schon 1987 auf »Into Dark Water« die damals neue Technik einzusetzen wussten, kann nur verblüffen.
Music Review
Gil Scott-Heron
We're New Again - A Reimagining By Makaya McCraven
Der in Chicago beheimatete Schlagzeuger Makaya McCraven nimmt sich auf »We’re New Again« die letzten Songs von Gil Scott-Heron zur Brust.
Music Review
Vladislav Delay
Rakka
»Rakka«, das erste Album des finnischen Musikers Vladislav Delay in fünf Jahren, ist einer Dreiviertelstunde Katharsis ohne Ausweg.
Music Review
Web Web
Worshippers
»Worshippers« ist das zugänglichste und vielleicht beste Album der Münchener Jazzformation Web Web.
Music Review
D.K.
Live At The Edge
»Live At The Edge«, der Titel des vierten Solo-Albums des von D.K., ist genauso doppeldeutig wie die Musik darauf mehrdeutig ist.
Music Review
Real Estate
The Main Thing
Alles ändert sich, nur Real Estate machen einfach weiter gute Alben. So auch mit »The Main Thing«, das soeben bei Domino erschienen ist.