Music Review | verfasst 24.11.2016
DJ Loser
DJ Loser
Bliq, 2016
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.2
Redaktion
Cover DJ Loser - DJ Loser

Das egalste, lässigste und zugleich faulste DJ-Pseudonym der Welt ist vielleicht das hier, welches sich der griechische Produzent mit gut 50 ähnlich ironischen Zeitgenossen teilen muss. So belanglos und ungooglebar der Name auch sein mag, er gehört definitiv auf den Notizzettel. Nach zwei Tape-Releases auf Subsubtropics und Smashing Tape debütiert DJ Loser nun vier Tracks, die der staubtrockenen Outsider House-Kiste ihre Lustfeindlichkeit austreiben könnte. Hinter dem pathetischen Titel »Your Eyes Were Telling Me That You Really Cared« verbirgt sich ein schwingender Deep House-Tune, der sich all Zeit der Welt lässt und doch nicht mehr als fünf Minuten bis zum Siedepunkt braucht. Die von Larry Heard vorgeprägte und von DJ Sprinkles einst verfeinerte Klangsprache wird gekonnt mit Lo-Fi-Patina abgerieben und strahlt rostigen Charme aus. Im Zentrum steht ein zum Stöhnen verpitchtes Vocal-Sample, das dem großartigen Tune eine Extraportion Sex und Sehnsucht zwischen die knirschen Zahnräder schmiert. Nicht weniger als ein Überhit. Der unbetitelte zweite Track lässt es dahingegen kräftig jacken. Sägezahn-Acid trifft auf schnalzende Snares und bedrohliche Hintergrund-Drones. Peak Time-Material für Clubs, in denen die Soundanlage auf der Investitionsliste tendenziell weir unten steht. Auf der Flipside macht »I’ve Got Dis (But I Can’t Do It)« ähnlich weiter. Subtil ätzt eine Acid-Line in den Mix ein, heulen gequälte Rave-Signale durch die spärliche Klangkulisse, die sich um eine mörderische Bassline staucht. Ein verspukter Spaß, der nach weniger als viereinhalb Minuten das Licht ausknipst und damit goldrichtig handelt. Der Seixlack-Remix des Stücks garantiert schon auf längere Zeit volles Vergnügen, der brodelnden Bassline sei Dank. Toll arrangiert, lediglich der endgültig vollversumpfte Sound hätte nicht Not getan. Ein scharfkantiger Abschluss für diese ansonsten doch wunderbar weiche und einfühlsame EP.

Die EP »DJ Loser« von DJ Loser findest du bei hhv.de auf 12inch.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Porträt | verfasst 03.02.2017
New Record Labels #25
Bliq, Dub Disco, Ectotherm und Jazzaggression
Jeden Monat stellen wir euch Labels vor, die neu bei uns im Shop vertreten sind und/oder deren Entdeckung sich lohnt. Die Auserwählten diesmal: Bliq, Dub Disco, Ectotherm, Jazzaggression
Music Interview | verfasst 12.06.2015
Sylabil Spill & Ghanaian Stallion
»Rap ist immer Ventil«
Alles ist ein Duell. Sylabil Spill fechtet sie im 1vs1 mit Whack-MCs und auf einer Metaebene mit der Gesellschaft aus. Jetzt hat er gleich zwei neue EPs veröffentlicht. Eine davon mit Ghanaian Stallion. Wir trafen das Duo zum Gespräch.
Music Review | verfasst 19.06.2015
MoTrip
Mama
Sein zweites Album »Mama« wird MoTrips Standing als einer der besten Rapper Deutschlands zwar nicht zementieren, aber verankern.
Music Kolumne | verfasst 10.06.2015
Aigners Inventur
Mai 2015
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: A$AP Rocky, Jamie XX, Shamir und Jenny Hval.
Music Review | verfasst 17.06.2015
Hudson Mohawke
Lantern
Neue Maßstäbe soll »Lantern« setzen. Stattdessen setzt es sich auf seinen aufgeblasenen Hochglanz-Hintern-
Music Porträt | verfasst 11.06.2012
alt-J (∆)
Das magische Dreieck
Die vier Briten heißen wie ein Dreieck, das entsteht, wenn man auf der englischen Ausführung des Macbooks das Kürzel »alt-J« benutzt. Sie spielen mit neumodischen Schnickschnack versehenen Folk und werden als nächstes großes Ding gehandelt.
Music Review
Radiohead
OK Computer OKNOTOK 1997-2017
Vor zwanzig Jahren ist »OK Computer« von Radiohead erschienen, also erscheint zum Jubiläum eine erweitere Neuauflage.
Music Review
Laurel Halo
Dust
Überraschenderweise ist »Dust« erst das dritte Album von Laurel Halo. Diesmal sind mit Julia Holter oder Eli Keszler auch Gäste dabei.
Music Review
Peven Everett
Stuck
Groovin Records veröffentlicht elf Jahre nach der ersten Veröffentlichung eine Reissue von Peven Everetts »Stuck«.
Music Review
The Drums
Abysmal Thoughts
Jonny Pierce und sein Projekt The Drums beschäftigen sich diesmal mit Nietzsche und gehen dessen »Abysmal Thoughts« nach.
Music Review
Nick Murphy (Chet Faker)
Missing Link EP
Für die »Missing Link EP« fungiert der australische Musiker Chet Faker erstmals unter seinem bürgerlichen Namen Nick Murphy.
Music Review
Kevin Morby
City Music
Mit »City Music«, dem zweiten Solowerk innerhalb von zwei Jahren, spielt sich Kevin Morby endgültig frei.
Music Review
Various Artists
Oté Maloya
Die Compilation »Oté Maloya« beleuchtet ein kleines Genre afrikanischer Musik auf der kleinen Insel La Réunion im Indischen Ozean.
Music Review
Can
The Singles
Das hat es so noch nicht gegeben: Eine Zusammenstellung aller Singles von Can, zwischen 1969 und 1990 erschienen, chronologisch geordnet.
Music Review
Brownout
Brown Sabbath Vol. 2
Eine Latin-Funk-Band aus Austin, Texas, die ein Album mit Black Sabbath-Coverversionen bestreitet? Klingt bescheuert? Ist es irgendwie auch.
Music Review
Com Truise
Iteration
Auf »Iteration« hat Com Truise die Wiederholung des Sounds selbst zum Kunstwerk erhoben.
Music Review
Ekoplekz
Bioprodukt
Ekoplekz alias Nick Edwards kann, wenn er will, sehr kaputt daherkommen. Auf »Bioprodukt« klingt er bemerkenswert warm.
Music Review
Felicia Atkinson
Hand In Hand
Hand In Hand« besitzt das Skulpturale von reiner Klangkunst. Aber auch die unfixierte Weite von Dub und Erotik.
Music Review
Fleet Foxes
Crack-Up
Fleet Foxes konzentrieren sich auf »Crack-Up« auf die musikalisch-ästhetische Seite und machen es so zu ihrem bislang besten Album.
Music Review
Phoenix
Ti Amo
Phoenix huldigen auf »Ti Amo« la dolce vita und doch fühlt man sich die ganze Zeit bestens unterhalten.
Music Review
Gaby Hernandez
Spirit Reflection
Tiefe, Rätsel, Sinnlichkeit, an einer nur scheinbar glatten Oberfläche: Gaby Hernandez veröffentlicht ihr Album »Spirit Reflection«.
Music Review
Tindersticks
Minute Bodies
Die Tindersticks verantworten den Score zu dem Dokumentarfilm »Minute Bodies: The Intimate World Of F. Percy Smith«.
Music Review
Todd Terje
Maskindans
Die in menschliche Form gegossene Sommerhit-Maschine namens Todd Terje versucht es mal wieder.
Music Review
154
Strike
»Strike« von 154 hat in den letzten dreizehn Jahren nichts von ihrer atmosphärischen Dichte verloren.
Music Review
Sufjan Stevens / Bryce Dessner / Nico Muhly / James McAlister
Planetarium
Sufjan Stevens, Bryce Dessner, Nico Muhly und James McAlister haben mit »Planetarium« eine Platte gemacht, die einfach sehr anders ist.
Music Review
Broken English Club
The English Beach
Oliver Ho erlebt als Broken English Club derzeit seinen zweiten Frühling. Das nun bei L.I.E.S. erschienene »The English Beach« beweist das.
Music Review
Noga Erez
Off The Radar
Genau wie auf Noga Erez’ »Off The Radar« so muss sich relevante Popmusik im Jahr 2017 anhören: energisch, wütend, politisch und tanzbar.
Music Review
The Kills
Echo Home
The Kills, das Lieblingspaar der küngeren Indierockgeschichte, feiert ihr fünfzehnjähriges Bestehen und veröffentlicht die EP »Echo Home«.
Music Review
Porter Ricks
Anguilla Electrica
Porter Ricks veröffentlichen mit »Anguilla Electrica« ihr erstes Album seit 18 Jahren. Das sitzt. Aber richtig.
Music Review
Richard Dawson
Peasant
Irgendwo zwischen Iron Maiden und Qawwali lässt sich diese Musik locker einordnen. Doch auch »Peasant« ist vor allem eins: Richard Dawson.
Music Review
Kraftklub
Keine Nacht für Niemand
Mit »Keine Nacht für Niemand« treiben Kraftklub das Antisein auf die Spitze. Für ein gutes deutschsprachiges Rockalbum reicht’s so noch.
Music Review
Kondi Band
Salone
Kondi Band, das sind der Daumenklavierspieler Sorie Kondi und DJ Chief Boima. »Salone« heißt ihr bei Strut erschienenes Album.
Music Review
Various Artists
Boombox 2
Die Compilation »Boombox 2« steht seinem Vorgänger in nichts nach, und der war einer der besten Soul-Jazz-Releases seit Jahren.
Music Review
Dauwd
Theory Of Colours
Mit »Theory Of Colours« veröffentlicht Dauwd endlich sein Debütalbum. Es ist die unheimliche Geradlinigkeit, die dieses Album ausmacht.
Music Review
Charlemagne Palestine & Grumbling Fur Time Machine Orchestra
Omminggg and Schlomminggg
Charlemagne Palestine und Grumbling Fur Time Machine Orchestra machen auf »Omminggg and Schlomminggg« gemeinsame Sache.
Music Review
Crescent
Resin Pockets
Nach zehn Jahren Pause melden sich Crescent mit einem neuen Album zurück. Das Warten auf »Resin Pockets« hat sich durchaus gelohnt.
Music Review
Tony Allen
A Tribute To Art Blakey & The Jazz Messengers
Tony Allen, einer der größten Schlagzeuger unserer Zeit, würdigt mit »A Tribute To Art Blakey & The Jazz Messengers« einem anderen Drummer.
Music Review
Adolf Stern
More… I Like It - 12"
Adolf Stern hat 1979 diese zwei infektiösen Italo-Nummern veröffentlicht. Nun ist die 7" wieder erhältlich.
Music Review
Wavves
You're Welcome
Das sechste Album der kalifornischen Rockband erscheint in Eigenregie. Mit dem Ergebnis können sie zufrieden sein: »You’re Welcome«.
Music Review
Husten
Husten
Gisbert zu Knyphausen und Moses Schneider sind mit ihrem Projekt Husten so gestrig-unoriginell, dass es schon wieder sympathisch wird.
Music Review
Cluster
Konzerte 1972/1977
Im Boxset »Cluster 1971-1981« waren die beiden Konzertmitschnitte schon zu haben. Nun sind »Konzerte 1972/1977« auch losgelöst erhältlich.
Music Review
Robert Hood
Paradygm Shift
Robert Hoods erste LP seit »Motor: Nighttime World 3« bedeutet keine Rückkehr zur alten Form. »Paradygm Shift« updatet aber alte Formeln.
Music Review
T.Raumschmiere
Heimat
Es muss ja in der Musik nicht immer brachial zugehen, um einen Effekt zu erzielen. Mit »Heimat« ist T-Raumschmiere zurück bei Kompakt.
Music Review
Skepta
Konnichiwa
Hören wir Skeptas fünftes Album nochmal vom Hype ausgenüchtert und mit einem Jahr Abstand. Es ist jetzt besser.
Music Review
The Lloyd McNeil Quartet
Asha
1969 in sehr kleiner Auflage veröffentlicht, wird »Asha« von Lloyd McNeill nun bei Soul Jazz Records wiederveröffentlicht.
Music Review
!!!
Shake The Shudder
Schütteln hilft. !!! (Chk Chk Chk) haben mit »Shake The Shudder« das passende Album aufgenommen.
Music Review
So Inagawa
Logo Queen
Eine EP wie »Logo Queen« kann wohl nur in Tokyo entstehen, doch So Inagawas Sound kann und will die ganze Welt erobern.