Music Review | verfasst 25.11.2016
Various Artists
Togo Soul 70
Hot Casa, 2016
Text Lars Fleischmann
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Redaktion
Cover Various Artists - Togo Soul 70

Es ist glücklicherweise noch Pionierstimmung im Reissue- und Compilationlager zu finden. Von Goldgräbern kann man wohl nicht reden. Die allermeisten der Compilations, die in den letzten Jahren historische Tapes ausgegraben haben, in West- und Ostafrika, in der Sahara oder der Sahelzone, sind sicher nicht auf Profit, sondern aus Liebe entstanden. Die Rechtelage zu klären verkommt hier manchmal zu einem Detektivspiel – man muss einfach nur mal selbst versuchen die Rechte für nur einen Track zu erhalten. »Togo Soul 70«h aus dem Hause Hot Casa ist genau deswegen schon mal im Vorhinein abzufeiern. Wie wunderbar es ist, dass sich Labelmacher DJ Julien Lebrun und die Journalistin Liz Gomis auf die Suche machten und dabei 13 Songs ausgruben. Togo, das zwischen Ghana und Nigeria an der Elfenbeinküste liegt, ist, trotz seiner vitalen Hauptstadt Lomé, meist unterrepräsentiert im kulturellen Diskurs. Nachdem Togo 1960 unabhängig von Frankreich wurde, gab es einen gesellschaftlichen Auftrieb. Und selbst als 69 der autokratische Präsident Gnassingbé Eyadéma gewählt wurde (und letztlich über 40 Jahre an der Macht blieb) ging es erstmal mit der Konjunktur weiter. Lomé wurde zu einem kulturellen Zentrum in Westafrika und unzählige Bands taten sich auf. Dieser Zeit zwischen 1971 und 1981 setzt diese Compilation ein Denkmal. Mit Stars wie Bella Bellow oder Roger Damawuzan, der auch schon als der James Brown von Lomé bezeichnet wurde. Aber auch unbekannte Perlen in Mina, Kabyié und Fon; welche neben Französisch bis heute Landessprachen sind. Bei Hot Casa sieht man einen post-kolonialen Approach in der eigenen Arbeit die Distributionswege umzudrehen und Musik nicht nach Afrika zu exportieren, sondern zu importieren. So kann und darf man sich nochmal zurückversetzen in die souly seventies.

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