Music Review | verfasst 08.12.2016
Negroman
Negroman
SIchtexot, 2016
Text Christian Neubert
Deine Bewertung:
9.0
Nutzer (3)
7.6
Redaktion
Cover Negroman - Negroman

Der Negroman auf Solopfaden, mal sehen wie da so wird. Weil, ganz im Ernst: Negroman und Nepomuk aka Luk&Fil sind eines der am besten funktionierenden Deutschrap-Duos. Ein verflucht ähnlich gestrickter blutroter Faden band ihre hintersinnig-abgründigen Rap-Moritaten inzwischen drei Mal auf Albumlänge zu kunstvoll verflochtenen Einheiten, ihre zynischen Abgesänge auf Szenedogmatismus und andere Unsitten ergänzen sich wie Zahnräder. Doch wie dem auch sei, lassen wir´s raus: Negromans »jugendlicher Leichtsinn und negromanische Schwermut« machen auch für sich genommen eine gute Figur. Seine doppelbödigen, schwarzhumorigen Raps stellen ihren Hang zur Psychose in den schwer auslotbaren Untiefen zwischen Scheue und Trieb zur Schau, entlarven dabei mit bruchstückhaftem Storytelling das Verklemmte im herkömmlichen Rap-Habitus und fühlen sich eher dem Abgründigen als dem Untergrund verpflichtet. Dabei wurzelt Negromans Hip Hop Sozialisation wohl genau dort, was z.B. per Kinderzimmer Productions-Zitat belegt wird, dem ein nonchalanter Hurensohn untergejubelt wurde, und im »Pornointro« wird gar, wenn ich mich nicht täusche, Cocon gesampelt. Derweil verleihen 80er Plastik-Synthies und verschleppte Soul- und Jazz-Anleihen sowie rumpelnde Kicks und Snares diesem Rap gewordenen Täter-der-Umstände-Ding endgültig ihre verquere, höchst komische Bosheit. Alles bleibt hier schwer greifbar, das Sinistere kommt, wenn nicht gerade MC Bomber gefeatured wird, auf leisen Sohlen daher, abwegigen Edgar Wallace-Charme inklusive. Man will direkt Tränen der Rührung vergießen, vor Freude kullern sie eh schon.

»Negroman« von Negroman findest du bei hhv.de: LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 06.01.2014
Luk & Fil
Brot ist essbares Holz
Zwischen Kool Keith und Aki Kaurismäki angesiedelt, finden die beiden Mainzer Luk & Fil im absurden Grau des Alltäglichen den Humor.
Music Review | verfasst 05.03.2015
Luk & Fil
Nepuman
Bedrohlich in seiner inneren Zerrissenheit, doch ohne Drohgebärden: »Nepuman« von Luk&Fil ist ein ganz besonderes Deutschrapalbum geworden.
Music Bericht | verfasst 07.03.2014
Luk & Fil
Live am 5.3. im Cassiopeia in Berlin
Deutschrap erfährt zur Zeit einen Boom. Zwei der vielversprechendsten Talente sind Luk & Fil. Am Mittwochabend durften sie für die Ugly Heroes um Apollo Brown live in Berlin eröffnen.
Music Review | verfasst 08.05.2013
Tufu
Abdoom & Unraum
»Abdoom & Unraum« beweist, dass aus dem einstigen Internetphänomen Tufu einer der interessantesten Künstler im Deutschrap geworden ist.
Music Review | verfasst 31.05.2013
Eloquent & Wun Two
Jazz auf gleich
»Jazz auf Gleich« läuft so entspannt flüssig, das es auch nach zehnmaligem hören nicht langweilig wird und man in einen jazzigen Sog gerät.
Music Review | verfasst 15.08.2013
Eloquent & Loki
Soylent Gruen EP
Die aktuelle Rundschau vonLoki und seinem Labelmate Eloquent strotzt nicht vor optimistischen Zukunftsaussichten, ist aber doch hörenswert.
Music Review
Kris Baha
My Master
Klingt wie eine Reissue auf Dark Entries, ist aber einfach nur Kris Baha in Höchstform. Zu seiner neuen Vinyl 12" »My Master« auf Pinkman.
Music Review
Sunn O)))
Life Metal
Sunn O))) sind zurück mit neuem Album und erfüllen sich auf »Life Metal« den Traum einer Zusammenarbeit mit Produzentenlegende Steve Albini.
Music Review
Biosphere
The Senja Recordings
Mit »The Senja Recordings« legt Biosphere eine Art klangliches Tagebuch ab, das drei Jahre auf der norwegischen Insel dokumentiert.
Music Review
Du Du A
Du Du Archive 1984-1989
Auf Discom sind nun Aufnahmen erschienen, die die Belgrader Band Du Du A zwischen 1984 und 1989 produzierten – aber nie veröffentlichten.
Music Review
E.M.U.
Electro Music Union, Sinoesin & Xonox Works 1993-1994
Damiano van Erckert bringt Musik von J.M. Adkins an die Oberfläche, die er 1993-94 als Electro Music Union, Sinoesin und Xonox produzierte.
Music Review
Kym Amps
You Don't Know My Name (But I Know You)
Kym Amps lieh der Musik von David Watts und Andrew Birtles ihre Stimme, veröffentlicht werden die Stücke aus den 1980ern erst jetzt.
Music Review
Damon Locks & Black Monument Ensemble
Where Future Unfolds
Mit »Where Future Unfolds« hat Damon Locks und sein Black Monument Ensemble ein deutliches politisches Statement gesetzt.
Music Review
Denzel Curry
Zuu
Im letzten Jahr war »TA1300« vielleicht das beste Rapalbum. Natürlich würde es schwer für Denzel Curry sein, mit »Zuu« nachzulegen.
Music Review
Jay U Xperience
Abuja
Mit dem 1993 entstandenen »Abuja«, bringt Left Ear Records den eigenwilligen Purismo-Sound von Jay U Xperience zurück auf die Bildfläche.
Music Review
Robag Wruhme
Venq Tolep
Robag Wruhme ist wieder gelandet. »Venq Tolep« ist der längst überfällige Nachfolger zu »Thora Vukk« und übertrifft die Erwartungen.
Music Review
88:Komaflash
Eremiten Im Wohnzimmer
Die LP ist eine verdichtete Einheit, ein rundes Ding mit Ecken und Kanten, das den Zähnen der Zeitgeister gleichmutig trotzt.
Music Review
Various Artists
Mr Bongo Record Club Vol.3
Mit »Mr Bongo Record Club Vol.3« begeht das Label aus Brighton seinen 30. Geburtstag. Wir gratulieren zu beidem: Label und Compilation.
Music Review
Ronie & Central Do Brasil
Ronie & Central Do Brasil
In der Kürze liegt die Würze: Mit 25 Minuten ist »Ronie & Central Do Brasil« von 1975 nicht lang, und dennoch auf seine Art vollkommen.
Music Review
Flying Lotus
Flamagra
Auf »Flamagra« gehen die steten Transformationen von Flying Lotus so gut Hand in Hand wie seit »Cosmogramma« nicht mehr.
Music Review
Sinkane
Dépaysé
Mit seiner die Vielfalt betonenden Haltung hat Sinkane inspirierende Musik aufgenommen. Mit »Dépaysé« will er zu sehr zu Vielen durchdringen
Music Review
Weird Dust
Tribe 1.1
Dass die Belgier ein wenig schräg sind, ist ja so ein beliebtes Stereotyp. Weird Dust ist Belgier und »Tribe 1.1« sein neuester Release.
Music Review
Lee »Scratch« Perry
Rainford
Der gute alte Irrsinn bleibt Lee Perrys treuer Begleiter. Mit »Rainford« hat er ihm zu einer weiteren irre guten Schallplatte verholfen.
Music Review
Garland
#2
Weniger Rhythmus, mehr Fläche: Garland streben mit ihrer zweiten LP »#2« die Synthese von Dub, Drone und Industrial an.
Music Review
Joshua Abrams & Natural Information Society
Mandatory Reality
»Mandatory Reality« von Joshua Abrams & Natural Information Society entfaltet sich über 80 Minuten wie ein endloses Gamelanritual.
Music Review
Helm
Chemical Flowers
Der Musik von Helm ist mit Schlagworten schwer beizukommen. Sein neues Album »Chemical Flowers« wirkt trotzdem – oder darum sogar umso mehr.
Music Review
Paula Temple
Edge Of Everything
»Edge Of Everything«, das Debütalbum von Paula Temple, ist nicht das versprochene rebellische Werk geworden. Aber verdammt guter Techno.
Music Review
Various Artists
Planisphere
Klingt nach französischen Zahnärzten, waren aber Post-Hippies aus den USA: »Planisphere« auf Numero Group ist kosmischen Freaks gewidmet.
Music Review
Holly Herndon
Proto
Die Standortbestimmung des Pop klang nie so wundervoll und nervenzerfetzend zugleich: Holly Herndon gelingt mit »Proto« ein Meisterwerk.
Music Review
Craig Leon
Anthology Of Interplanetary Folk Music Vol.2: The Canon
Mit »Anthology Of Interplanetary Folk Music Vol.2: The Canon« wird fünf Jahre später weitere Musik des Produzenten Craig Leon nachgelegt.
Music Review
Dark Star
Cryonics: 1989-1992
Für »Cryonics: 1989-1992« versammelt der seit zwei Dekaden inaktive Synthesekünstler Dark Star neun seiner eindrücklichsten Produktionen.
Music Review
Harry Mosco
Peace & Harmony
Mehr Disco als Afrobeat: MIt »Peace & Harmony« ging Harry Mosco, bislang als Sänger der Funkees bekannt, eigene Wege.
Music Review
Georgia
Time
Wunderschöne Soundwelten: Die Multimediakünstler Brian Close und Justin Tripp haben als Georgia ihr zweites Album »Time« veröffentlicht.
Music Review
Bartosz Kruczyński
Baltic Beat II
Anlässlich von »Baltic Beat II«, dem nächsten superben Release von Bartosz Kruczyński, waren wir gezwungen, ein neues Genre zu erfinden.
Music Review
Deep Nalström
Naive Melodies
Bangkok scheint hier genauso nah wie Bielefeld: Über »Naive Melodies«, das Debüt des in Bristol ansässigen Produzenten Deep Nalström.
Music Review
Il Gruppo di Improvvisazione Nuova Consonanza
Niente
Mit »Niente« sind unveröffentlichte Aufnahmen von Il Gruppo di Improvvisazione Nuova Consonanza aus den frühen 1970er Jahren erschienen.
Music Review
Wolf Müller
Wolf Müller Meets The Nile Project
2016 ist Wolf Müller nach Ägypten gereist. Was daraus entstanden ist, kannst du auf »Wolf Müller Meets The Nile Project« nachhören.
Music Review
The National
I Am Easy To Find
Diesmal geben sich The National nicht mit einem Studioalbum zufrieden. »I Am Easy To Find« schließt einen Kurzfilm ein.
Music Review
Lee Moses
How Much Longer Must I Wait? Singles & Rarities 1965-1972
»How Much Longer Must I Wait?« versammelt Singles und Raritäten des noch immer nicht ausreichend gewürdigten Soulsängers Lee Moses.
Music Review
Zaliva-D
Forsaken
Auf Knekelhuis ist kürzlich die Werkschau »Forsaken« des chinesischen Technoproduzenten Zaliva-D erschienen.
Music Review
Ohbliv
Give Thanks
Kantig, roh, reduziert, dabei nie formelhaft homogen: der fleißige Beatmaker Ohbliv hat mit »Give Thanks« ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Backstreet Brit Funk Vol.1
Die von Joey Negro zusammengestellte Compilation »Backstreet Brit Funk Vol.1« aus dem Jahr 2011 ist nun erstmals auf Vinyl erschienen.
Music Review
Amato (The Hacker)
Mécanismes Vol. 1
Als Amato dreht The Hacker mittlerweile richtig auf. »Mécanismes Vol. 1« ist in EBM in Nicht-Ganz-Reinform – zum Glück!
Music Review
Tim Hecker
Anoyo
Mit »Anoyo« legt Tim Hecker weitere 34 Minuten aus seinen mit einem Gagaku-Orchester eingespielten Sessions nach.
Books Review
FLEE
Benga, A Kenyan Kaleidoscope
Mit dem Sammelband »Benga, A Kenyan Kaleidoscope« wirft das Kollektiv FLEE wichtige Fragen zur globalen Auseinandersetzung mit Benga auf.
Music Review
Darling & Lexi
Darling & Lexi EP
»Mama is een poes«: Der niederländische Produzent Darling nimmt mit seiner 4-jährigen Tochter Lexi eine Schallplatte auf.
Music Review
Gigi
Illuminated Audio
2003 ließ die Sängerin Gigi ein ganzes Album von ihrem Mann Bill Laswell als Dub-Version neu einspielen. Ob das gut ging? Tatsächlich!