Music Review | verfasst 08.12.2016
Knowsum
Play God And Shit Happens
Money $ex, 2016
Text Christian Neubert
Deine Bewertung:
8.5
Nutzer (2)
7.3
Redaktion
Cover Knowsum - Play God And Shit Happens

»Es ist nicht leicht ein Gott zu sein«, das wissen wir dank der Brüder Strugazki. Entsprechend trifft der Titel von Knowsums »Play God and Shit happens« zu – er kann aber auch als Losung gelesen werden. Nun ist eine Losung als Parole noch keine Lösung. Die liegt indessen in einer Umsetzung, zumindest möglicherweise, abhängig von der Qualität entsprechender Bemühungen. Dass man sich dabei nicht abmühen muss – hier schließt sich der Kreis – zeigt Knowsum. Denn an »Play God and Shit happens« ist nichts bemüht, nichts gezwungen, nichts kompliziert. Als rohes Dokument ungezügelter Spielfreude ist es von direkter Einfachheit, ein assoziativer musikalischer Bewusstseinsstrom, geradlinig obwohl abwegig. Die 14 Albumstücke sind losgelöste Lo Fi-Experimente, schräger Ambient, ein organisch-elektronisches Klangfarbenfreibad. Knowsum orgelt rum, schlägt Gitarrensaiten an, kurbelt Bassläufe durch Effektgeräte, singsangt undurchsichtiges Zeug, findet den Takt in zweckentfremdeten Haushaltsgegenständen. Als Opener weckt »Robots are better« den Geist in einer Maschine, die ihre säugetierhaften Triebe per Bloodhound Gang-Zitat auslebt. »Buy« ist ein fragmentarischer Entrücker zwischen verträumt und traumatisch. »Run« vollführt eine Hetzjagd auf Krücken, stolpert mit gedrosseltem Tempo durch dystopische Häuserschluchten, verfolgt vom diffusen Gefühl, schon längst entkommen zu sein. »Funk isn’t dead it just smells funny« kickt die Boom Clap Routine in Eisi Gulp Manier. Und »Touching after midnight« ist die angesoffene Fortführung von »Dancing in the moonlight«, weniger sexy zwar, dafür aber mit Sex. Irgendwie geil, so insgesamt, vor allem aber irgendwie.

Das Album »Play God And Shit Happens« von Knowsum findest du bei hhv.de: LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 15.09.2014
Knowsum
Sichtexotica I
Knowsum bestreitet den Auftakt der Instrumentalreihe »Sichtexotica« des Mainzer Labels Sichtexot.
Music Review | verfasst 05.03.2015
Luk & Fil
Nepuman
Bedrohlich in seiner inneren Zerrissenheit, doch ohne Drohgebärden: »Nepuman« von Luk&Fil ist ein ganz besonderes Deutschrapalbum geworden.
Music Review | verfasst 27.11.2015
Knowsum
Hi-Hat Club Vol.7: Hyasynthus
Melting Pot Music wiederbelebt seine »Hi-Hat Club«-Serie. Für den »Hyasynthus« betitelten siebten Teil darf Knowsum an den Knöpfchen drehen.
Music Review | verfasst 21.12.2015
Nepumuk (Knowsum)
Genozid in A-Moll
Der Wahnsinn ist besonders bedrohlich, wenn er in leisen Tönen kommt. Oder in jazzigen. Wie auf »Genozid in A-Moll«.
Music Review | verfasst 01.08.2017
Nepumuk & Sir Serch
La Bohème
Nepumuk und Sir Serch sind »La Bohème« – »Die Oligarchen im Wunderland« bzw. »Der exzentrische Vagabund und der Rapper mit dem Penis«.
Music Liste | verfasst 15.12.2014
2014
Die 50 Alben des Jahres (Teil 2)
Dieses Jahr war es schwer wie selten, sich auf 50 Alben zu reduzieren. Viele Newcomer und viele Comebacker haben das Jahr bestimmt. Und immer wieder und in allen Genres wurde am Sound der Zukunft geschraubt. Lest hier Teil 1 der Liste…
Music Review
Kokoroko
Kokoroko
Die britische Jazzszene hat einiges zu bieten derzeit: so wie Kokoroko, ein achtköpfiges Ensemble um die Trompeterin Sheila Maurice-Grey.
Music Review
Xeno & Oaklander
Hypnos
So gut wie Xeno & Oaklander, erneut bewiesen auf ihrem fünften Album »Hypnos«, können nur wenige Musik aus Elektrizität zusammenbrauen.
Music Review
Jura Soundsystem
Monster Skies EP
Die verlangte Weirdness wird auf der »Monster Skies EP« von Jura Soundsystem oft bemüht, doch selten erreicht.
Music Review
Mystic Jungle
Jurakan
Mit »Jurakan« legt Mystic Jungle 25 Minuten neue Musik vor. Die ist weniger verspielt als auf »Nights Of Cheetah«, aber ebenso niveauvoll.
Music Review
Fabriano Fuzon
Cosmik Sindika
Aufgenommen auf Guadeloupe im Jahr 1982 wird »Cosmik Sindika« von Fabriano Fuzon nun ein weiteres Mal auf Schallplatte veröffentlicht.
Music Review
Trio Mocotó
Trio Mocotó (1977)
Man muss ärztlich diagnostizierte Allergien gegen brasilianische Klänge haben, um sich vom Trio Mocotó nicht freudig affizieren zu lassen.
Music Review
Ode-Omore Osarenren & Ewaen Osetin Stars
Oyoetigbe - The Birth Of A Child
Wieder Nigeria, diesmal die 1980er Jahre. Eine Entdeckung dennoch und gerade: »Oyoetigbe « von Ode-Omore Osarenren & Ewaen Osetin Stars.
Music Review
Betonkust & Eilandnet
Robogoth EP
Bevor die Niederlande dank der Klimaerwärmung verschwindet, machen die Niederländer einfach Musik. Wie hier Betonkust und Eilandnet.
Music Review
Lakker
Época
Mit »Época« erscheint jetzt das erste Album von Lakker seit dem tonnenschweren »Tundra« aus dem Jahre 2015.
Music Review
Normal Brain
Lady Maid
We Release Whatever The Fuck We Want veröffentlicht eine Reissue von »Lady Maid«, dem 1981 veröffentlichtem Werk von Normal Brain.
Music Review
People Under The Stairs
Sincerely, The P
Dem Vernehmen nach ist »Sincerely, The P« das letzte Album von People Under The Stairs. Es ist absolut kein Ende mit Schrecken!
Music Review
Karl Hector & The Malcouns
Non Ex Orbis
Karl Hector & The Malcouns brechen auf »Non Ex Orbis« mit der bislang gewohnten Funkiness und machen jetzt Krautrock.
Music Review
Jonny Nash
Make A Wilderness
Der Titel »Make A Wilderness« ist ziemlich souverän gewählt. Die Musik von Jonny Nash ist ein unendlicher offener Raum.
Music Review
Tommy Guerrero
Road To Knowhere
Komplexe Rhythmen und afrikanische Stile machen »Road To Knowhere« von Tommy Guerrero, zu einem Album ungekünstelter Eleganz.
Music Review
Die Orangen
Saft 2
Kris Baha und Dreems sind als Die Orangen zurück und servieren »Saft 2« im cool verschleppten Tempo.
Music Review
Aponogeton
A Place Of Solace
Der Belgier Aponogeton debütiert mit »A Place Of Solace« und referenziert auf Andrej Tarkowskijs meditatives Meisterwerk »Stalker«.
Music Review
Ivan »Mamão« Conti
Poison Fruit
Ivan Conti, Percussionist bei Azymuth und mit Madlib als Jackson Conti harmonierend, veröffentlicht mit »Poison Fruit« ein neues Album.
Music Review
The Cinematic Orchestra
To Believe
Zwölf Jahre mussten ins Land gehen, bevor The Cinematic Orchestra mit »To Believe« ein neues Album veröffentlichten.
Music Review
Laurie Spiegel
The Expanding Universe
Laurie Spiegels formidables Debüt »The Expanding Universe« aus dem Jahre 1980 wurde jetzt – großzügig ergänzt – wiederveröffentlicht.
Music Review
Eva Geist
Urban Monogamy
Life in the streets isn’t easy: Zur neuen EP »Urban Monogamy« von Eva Geist auf Hivern Discs.
Music Review
Nick Waterhouse
Nick Waterhouse
Auf seinem Album entwickelt Nick Waterhouse eine Wut und Energie, die wir so noch nicht von dem Songwriter aus San Francisco kannten.
Music Review
Cochemea
All My Relations
Braucht ein paar Anläufe: Cochemea Gastelum, der Saxophonist von The Dap-Kings, legt mit »All My Releations« sein erstes Solowerk vor.
Music Review
August Greene
August Greene LP
Stell’ dir vor, Common, Karriem Riggins Robert Glasper gründen eine Band und keiner kriegt’s mit?
Music Review
Akofa Akoussah
Akofa Akoussah
Mit dem einzigen Album der togolesischen Sängerin Akofa Akoussah aus dem Jahr 1976 ist eine der wohl besten Reissues des Jahres erschienen.
Music Review
Bartosz Kruczyński & Poly Chain
Pulses
Bartosz Kruczyński & Poly Chain tun sich mit »Pulses« auf Into The Light für eine emotionale Berg- und Talfahrt zusammen.
Books Review
Jan Wehn & Davide Bortot
Könnt ihr uns hören?
Wenn Rapper heute ein »Könnt ihr uns hören?« formulieren, ist die Frage rhetorisch. Ein gleichnamiges Buch stellt sie trotzdem. Zurecht.
Music Review
Lee Gamble
In A Paraventral Scale EP
»In A Paraventral Scale EP« ist eine künstliche Welt mit ihren eigenen Gesetzen. Und in der findet sich Lee Gamble einfach sehr gut zurecht.
Music Review
Decadance
On And On (Fears Keep On)
Die Neupressung von Decdance’ »On And on (Fears Keep On)« aus dem Jahre 1983 trägt Decadance‘ Legendenstatus in die nächste Generation.
Music Review
Lungile Masitha
Vuyani
Left Ear Records hat mit »Vuyani« eine Vinyl 12" des von Umoja und Harari bekannten Musiker Lungile Masitha wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Djax-Re-Up Vol.1
Die erste Ausgabe von Dekmantels Djax-Records-Compilation-Serie anlässlich des 30. Labeljubiläums lässt keine Wünsche offen.
Music Review
G.S. Schray
First Appearance
Eine Art Cocooning für die Ohren: Das dritte Album von G.S. Schray, »First Appearance« streichelt das Schlagzeug und tupft die Elektronik.
Music Review
Infinite Spirit Music
Live Without Fear
Der legendäre Ruf, der diesen Aufnahmen von »Life Without Fear« und seinen Interpreten Infinite Spirit Music vorauseilt, ist berechtigt.
Music Review
Sam Wilkes
Wilkes
Matthewdavids’ Leaving Records bleibt die Quelle für Neues: Diesmal hat er aus dem Umfeld von Louis Cole den Bassisten Sam Wilkes entdeckt.
Music Review
CEM3340 & DJ Overdose
When Cities Collide V
Auf »When Cities Collide V« teilen sich CEM3340 und DJ Overdose die zwei Seiten derselben Schallplatte.
Music Review
Mira Calix
Utopia EP
Einmal Kunsthalle und zurück: Fast zehn Jahre nach ihrem letzten Release auf Warp veröffentlicht Mira Calix nun die »Utopia EP«.
Music Review
Okay Temiz / Johnny Dyani
Witchdoctor's Son
Matsuli Music hat Okay Temiz’ gemeinsam mit Johnny Dyani 1976 in Istanbukl aufgenommenes Werk »Witchdoctor’s Sons«wiederveröffentlicht.
Music Review
Flamingo Pier
Flamingo Pier EP
Das paradiesische, auf der neuseeländischen Insel Waiheke Festival Flamingo Pier kannst du dir nun auf Schallplatte nach Hause holen.
Music Review
Tzusing
A Name Out Of Place Collected
Industriell übersteigerte »Electronic Body Music«: »A Name Out Of Place Collected« fasst die ersten drei EPs von Tzusing zusammen.
Music Review
Vtgnike
Steals
Der Titel von Vtgnikes zweitem Other People-Album »Steals« kann für bare Münze genommen werden. Interessanter wird die Platte dadurch nicht.
Music Review
Curtis Mayfield
Keep On Keepin' On: Studio Albums 1970-1974
Die ersten vier Studioalben des Soulsängers Curtis Mayfield wurden remastert und in der 4LP-Box »Keep On Keepin’ On« wiederveröffentlicht.
Music Review
Pye Corner Audio
Hollow Earth
»Hollow Earth« unterstreicht die eigentlichen Qualität von Pye Corner Audio. Leider aber deswegen, weil es dem Album genau daran mangelt.