Music Review | verfasst 11.01.2017
Rhead Brothers
Black Shaheen
Preservation, 2017
Text Lars Fleischmann
Deine Bewertung:
6.0
Nutzer (1)
9.2
Redaktion
Cover Rhead Brothers - Black Shaheen

Für Musikliebhaber und Musiksammler, das muss man einfach auch mal sagen, waren die letzten Jahre natürlich traurig, da viele Ikonen gegangen sind. Doch eigentlich leben wir doch in einer geilen Zeit. Immer wieder kommen aus allen Ecken Reissues, die ganz wunderbar sind. Vergessene Platten, Sammlerstücke, die man sich nicht leisten konnte. Auch bei »Black Shaheen«, dem zweiten Release der Rhead Brothers, handelt es sich um so ein Prachtstück. Für die wenigen Kenner, kaum erschwinglich auf Börsen, ist die Platte doch bei den meisten (vollkommen zu Unrecht) unter dem Radar geflogen. Dabei ist die erstmals 1978 erschienene Schallplatte doch mal wieder ein Beweis dafür, wie sich Musik manchmal entwickelt und welch‘ seltsame Pfade sie nehmen kann. »Black Shaheen« würde man traditionell nicht in den Bereich der »Incredibly Strange Music« einsortieren, jener Nische der Popmusik, die sich durch missverstandene Codes auszeichnet. Andererseits kann man für einige Platten Ende der Siebziger feststellen, dass hier Codes der afroamerikanischen Soul-Community versucht wurden (eher unbewusst) ins weiße Mittelstand-Amerika zu übersetzen. Die sogenannten Yacht-Rocker haben da sehr häufig ihren Reiz gefunden. Und auch die Rhead Brothers kann man hier einordnen. Hier wird so mancher Soulplatte nachgeeifert und in ihrer künstlerischen Freiheit und gleichzeitigen Unbeholfenheit entsteht eine ganz elegante Soft-Rock-Platte, die sich an Big Band-Standards und Background Vocals abarbeitet. In den besten Momenten kann selbst eine Ikone wie Christopher Cross kaum mithalten, so toll ist das. Und deswegen darf man sich auch echt freuen: Ähnlich dem Essential der letzten Jahre, »Still Dreaming« von Donnie & Joe Emerson, wäre dieses wunderbare Machwerk fast in Vergessenheit verblieben. »Black Shaheen« wird Mixtapes und Sampler in den nächsten Jahren schmücken – und das vollkommen zu Recht.

»Black Shaheen« von Rhead Brothers findest du bei hhv.de: LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 03.10.2011
S.C.U.M.
Again Into Eyes
Lebt die Rockmusik noch? Die Briten S.C.U.M. versuchen neue Akzente zu setzen und ringen um eine Wiederbelebung.
Music Review | verfasst 27.01.2012
Tribes
Baby
Wird Rock´n`Roll, wie prognostiziert, das große Ding 2012? Warum eigentlich nicht, wie Tribes schon mal beweisen.
Music Review | verfasst 04.04.2012
The Chap
We Are Nobody
Posen als Positionen überzeugen zwar nicht, machen aber auch bei dunklen Themen Spaß und können so ganz nebenher doch zum Nachdenken anregen
Music Review | verfasst 04.06.2012
Richard Hawley
Standing At The Sky's Edge
Hierzulande nur wirklich eingefleischten Britpop-Fans ein Begriff, macht Richard Hawley andernorts als Gitarrist und Crooner von sich Reden.
Music Review | verfasst 14.06.2012
Japandroids
Celebration Rock
Die Japandroids machen die unmittelbarste Musik, die man nur machen kann. Und »Celebration Rock« ist der zu erwartende Hammer geworden.
Music Review | verfasst 17.01.2013
Mogwai
A Wrenched Virile Lore
Mogwais musikalischer Korpus eignet sich hervorragend zu Verfremdungszwecken, doch wird die Bisskraft dadurch nicht unbedingt maximiert.
Music Review
Jan Jelinek
Loop-Finding-Jazz-Records
Jan Jelineks »Loop-Finding-Jazz-Records« versperrte sich mit ihrem subtilen Humor vor der Avantgarde. Jetzt wurde das Album neu aufgelegt.
Music Review
Joshua Abrams & Natural Information Society
Simultonality
Seit den 1990er Jahren ist Joshua Abrams eine feste Größe in Chicago. Mit »Simulatonality« soll er endlich hierzulande entdeckt zu werden.
Music Review
Ephemerals
Egg Tooth
Die Soulmusiker Ephemerals legen mit »Egg Tooth« ihr drittes Album vor und haben sich einiges vorgenommen.
Music Review
Actress
AZD
Vor drei Jahren hat Actress seinen Abschied von der Musik verkündet, nun kehrt er mit »AZD« zurück – aufgeräumter denn je.
Music Review
Joey Bada$$
All-AmeriKKKan Badass
Joey Badass, der Fakelträger der Nineties-Nostalgie, meldet sich zurück – mit weniger Boombap, dafür mehr Black-Lives-Matter-Bezug.
Music Review
Mr. Mitch
Devout
»Devout«, das neue Album von Mr. Mitch, ist Soul und Pop auf der Basis von UK Bass und Grime.
Music Review
Retrogott & Motion Man
Pen Pals EP
Retrogott und Motion Man und KutmastaKurt haben eine ganz eigene Vorstellung von Rap und diese auf der »Pen Pals EP« toll umgesetzt.
Music Review
El Michels Affair
Return To The 37th Chamber
Der Produzent Leon Michels und seine Gruppe El Michels Affair erweisen mit »Return To The 37th Chamber« erneut dem Wu-Tang Clan die Ehre.
Music Review
Jan Schulte
Tropical Drums Of Deutschland
Für das Kopenhagener Label Music For Dreams gewährt uns Jan Schulte einen Schulterblick in seine erlesene Sammlung deutscher Tribal-Platten.
Music Review
Sylabill Spil
Der letzte weiße König
»Der letzte weiße König«, das neue Album des brachialen Deutschrappers Sylabil Spill ist mitreißend. Unsere Autorin fragt sich: warum?
Music Review
FYI Chris
Snafubar EP
Mit den vier Tracks der »Snafubar EP« geben die beiden Londoner FYI Chris ihr Debüt für Rhythm Section International.
Music Review
Arca
Arca
Arca war lange ein faszinierendes Konzept. Das ist es jetzt nicht mehr. Es ist jetzt eine tatsächlich fühlbare Realität.
Music Review
Miguel Angel Tolosa
Ephimera
»Inhaltsfreiheit« muss nicht sinnlos sein: Das beweist der Komponist Miguel Angel Tolosa mit seinem ersten Werk unter eigenem Namen.
Music Review
Helena Hauff
A Tape
»A Tape« ist eine Compilation mit »early works« von Helena Hauff. Gemeint sind hier die Jahre 2011 bis 2014.
Music Review
Special Request
Stairfoot Lane Bunker EP
So unterschiedlich die einzelnen Stücke der »Stairfoot Lane Bunker EP« von Speical Reuest auch sind, sie eint ein knackiger Minimalismus.
Music Review
Future Islands
The Far Field
Natürlich ist das Songwriting auf »The Far Field« auch diesmal nah am Beckenrand unterwegs. Aber genau dafür lieben wir Future Islands.
Music Review
Voilaaa
Des Promesses
Wenn sich Voilaaa weiter so steigert wie bei »Des Promesses«, dann kommt nach dieser sehr guten zweiten Platte auch eine grandiose Dritte.
Music Review
R. Stevie Moore & Jason Falkner
Make It Be
»Make It Be«, die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Jason Falkner, ist das Beste was den Songs von R. Stevie Moore passieren konnte.
Music Review
Gonjasufi
Mandela Effect
Der bei Warp gesignete Yogalehrer Gonasufi veröffentlicht mit »Mandela Effect« ein Remixalbum.
Music Review
Yorkston / Thorne / Khan
Neuk Wight Delhi All Stars
Mit Mut zur Sperrigkeit: Yorkston, Thorne und Khan haben sich auf »Neuk Wight Delhi All Stars« musikalisch endgültig gefunden.
Music Review
Clark
Death Peak
Es schwingt etwas politisches auf »Death Peak« mit. Musikalisch bleibt Clark seinem epochalen Rave treu. Nur halt überwältigender.
Music Review
Objekt
#4
Drei Jahre nach Album und letzter 12inch kehrt Objekt mit zwei neuen Tracks auf »4« zurück.
Music Review
Lord Echo
Harmonies
Mit »Harmonies« hat Lord Echo ein neues Niveau an Lässigkeit und eigenem Stil erreicht.
Music Review
A7pha (Doseone & Mestizo)
A7pha
Neues aus dem Hause Anticon bzw. Galapagos4: Doseone und Mestizo haben mit »A7pha« ein gemeinsames Album herausgebracht!
Music Review
Father John Misty
Pure Comedy
Father John Misty hat mit »Pure Comedy« seinen Sound gefunden und einen komplexen Brocken menschlicher Empfindungen geschaffen.
Music Review
Credit 00
Game Over
Game-Sounds hat Credit 00 eine ganze Reihe verarbeitet, auch wenn »Game Over« in dieser Hinsicht kein Konzeptalbum geworden ist.
Music Review
Kreidler
European Song
“European Song« von Kreidler ist das erste Protestalbum, das als direkte Reaktion auf die Wahl Donald Trumps zum POTUS entstanden ist.
Music Review
Octo Octa
Where Are We Going?
Nach ihrem Coming out als Transgender hat Octo Octa ihre Erfahrung damit in der LP »Where Are We Going?« stimmig verarbeitet.
Music Review
Mori-Ra
Trapped In the Sky - 12"
Mit Tracy Islands gründet sich ein Label für eine Reihe von zehn EPs. Den Anfang macht »Trapped In The Sky« von Mori-Ra.
Music Review
Goldfrapp
Silver Eye
Auf »Silver Eye« gelingt es Goldfrapp das Gleichgewicht zwischen balladeskem Pop und pulsierender Clubmusik zu halten.
Music Review
Dans Les Arbres
Phosphorescence
Dans Les Arbres sind so eine Art Supergroup der Improv. Auf »Pjhosphorescence« sorgen eine Vielzahl von Mikroereignissen für Spannung.
Music Review
Map.ache
Perception Shift
Der Leipziger Map.ache remixt auf »Perception Shift« so unterschiedliche Künstler wie die Skeletons, Urban Homes oder Sven Kacirek.
Music Review
Zu
Jhator
Metal und doch mehr: Das italienische Trio Zu macht es auch nach rund zwanzig Jahren mit »Jhator« noch besser als das Gros ihrer Kollegen.
Music Review
Hauschka
What If
Hauschka stellt auf »What If«, seinem achten Album seit 2004, die Was-wäre-wenn-Frage. Präparierte Pianos sind auch wieder mit dabei.
Music Review
King Ayisoba
1000 Can Die
Auf »1000 Can DieG lässt King Ayisoba seine Kologo auch mal neben Synthesizerbässen stehen. Das Kräfteverhältnis ist noch nicht ganz tariert
Music Review
Julia Holter
In The Same Room
Domino startet ihre neue, an den BBC Sessions angelehnte Reihe »Documents« mit den »In The Same Room« benannten Aufnahmen von Julia Holter.
Music Review
Bartellow
Panokorama
»Panokorama«, das Debüt von Bartellow, überzeugt mit eleganter Komplexität und einem Hang zu verspielten Details.
Music Review
Cologne Tape
Welt
Rund um das Label Magazine hat sich mit Cologne Tape ein illustres Kollektiv geschart, das nun mit »Welt« ihrer Spiellust freien Lauf lässt.
Music Review
Chaz Bundick meets The Mattson 2
Star Stuff
Es sind große Pop-Momente auf »Star Stuff« versteckt. Doch die verlangen Aufmerksamkeit, um gefunden zu werden.
Music Review
Luc Ferrari
Heterozygote/Petite Symphonie
Das mit dem Erzählen in der Musik ist ja so eine Sache. Was Luc Ferrari daraus gemacht hat, kannst du nun nachhören.
Music Review
Wolf Eyes
Undertow
»Undertow« ist der in etwa hundertste Release – ungelogen – in der zwanzigjährigen Geschichte von Wolf Eyes.