Music Review | verfasst 10.02.2017
B.E.F.
Mallumo
Parallel Berlin, 2017
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.2
Redaktion
Cover B.E.F. - Mallumo

B.E.F. macht synthetische Musik, die aus der Dunkelheit kommt und genau dorthin zurück will. Seine Debüt-EP für Parallel Berlin leiht sich ihren Titel dementsprechend aus einer synthetischen Sprache: »Mallumo« ist ein Esperanto-Begriff, der in Orwellscher Sprachtradition so viel wie »Nicht-Licht« bedeutet. Das passt deshalb, weil diese vier Tracks einerseits wie das Ergebnis vieler durchgemachter Nächte inmitten des matt blinkenden Geräteparks klingen und andererseits, weil sie sich auf dunklen Kellerraves zuhause fühlen werden. Die A-Seite verschreibt sich dabei der Peak-Time und bringt auf zwei Tracks muffige Acid-Klänge mit trancigen Untertönen zusammen, die entweder bravourös subtil verflochten werden (»Stream«) oder durch Tape-Saturierung dubbige Anklänge verpasst bekommen (»Tiefsee«). Zwei unprätentiöse Techno-Banger, die sich wenig um Eigenwilligkeit scheren und lieber die Serviceleistung zur eigentlichen Kunst erheben. Die Flip gibt sich mit dem Titeltrack schon etwas kratzbürstiger und vereint schwebende Choralflächen mit hektischen Hoover-Sounds, die anders als die beiden vorangegangen Tracks eine druckvolle Bassline schmerzlich vermissen lassen. Das abschließende »Constructed Reality« meint es dahingegen mit den atmosphärischen Beigaben – schlierige Analog-Patina, grelle Drones – etwas zu gut und pendelt sich als drucklose Dub-Etüde irgendwo auf den letzten Plätzen des Basic Channel-Soundalike-Contests ein. Die Stärken B.E.F.s liegen in der trockigen Tooligkeit, welche sich weder um den Bigroom noch akademisch anmutende Abstraktionen kümmert, sondern lieber in die Dunkelheit einer Basement-Party einzieht, um dort für ein paar nüchterne Minuten die Fäuste der Crowd näher an die kondensverschwitzte Decke zu bringen.

Die EP »Mallumo« von B.E.F. findest du bei hhv.de auf 12inch.
Tags:
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Interview | verfasst 12.06.2015
Sylabil Spill & Ghanaian Stallion
»Rap ist immer Ventil«
Alles ist ein Duell. Sylabil Spill fechtet sie im 1vs1 mit Whack-MCs und auf einer Metaebene mit der Gesellschaft aus. Jetzt hat er gleich zwei neue EPs veröffentlicht. Eine davon mit Ghanaian Stallion. Wir trafen das Duo zum Gespräch.
Music Review | verfasst 19.06.2015
MoTrip
Mama
Sein zweites Album »Mama« wird MoTrips Standing als einer der besten Rapper Deutschlands zwar nicht zementieren, aber verankern.
Music Kolumne | verfasst 10.06.2015
Aigners Inventur
Mai 2015
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: A$AP Rocky, Jamie XX, Shamir und Jenny Hval.
Music Review | verfasst 17.06.2015
Hudson Mohawke
Lantern
Neue Maßstäbe soll »Lantern« setzen. Stattdessen setzt es sich auf seinen aufgeblasenen Hochglanz-Hintern-
Music Porträt | verfasst 11.06.2012
alt-J (∆)
Das magische Dreieck
Die vier Briten heißen wie ein Dreieck, das entsteht, wenn man auf der englischen Ausführung des Macbooks das Kürzel »alt-J« benutzt. Sie spielen mit neumodischen Schnickschnack versehenen Folk und werden als nächstes großes Ding gehandelt.
Music Review | verfasst 12.06.2015
Marsimoto
Ring der Nebelungen
Marsimoto ist zurück und hält mit »Ring der Nebelungen« einige Trümpfe in der Hand, kratzt inhaltlich aber leider nur an der Oberfläche.
Music Review
Dirty Projectors
Dirty Projectors
Der Alien-R’n’B oder Future-Hybrid-Pop auf Dirty Projector’s neuem Album wird für Fans als auch für Novizen eine Herausforderung darstellen.
Music Review
Inga Mauer
Shtum 012
Wer sich hier nicht festhält, der wird weggetrieben: die in Den Haag ansässige Inga Mauer reüssiert auf »Shtum 012«.
Music Review
Mind Over MIrros
Undying Colors
Jede neue Platte zeigt eine neue Phase des Künstlerdaseins von Mind Over Mirrors. So auch »Undying Colors«.
Music Review
KaS Product
Black & Noir
»Black & Noir« ist eine Zusammenstellung mit elf Songs des Anfang der 1980er Jahre in Nancy gegründeten Synthpopduos Kas Product.
Music Review
The Necks
Unfold
Bei The Necks entfalten sich die Klänge. Auf auf den vier zwischen 15 und 22 Minuten langen Stücken von »Unfold«.
Music Review
Jens Lekman
Life Will See You Now
Auch auf »Life Will See You Now« arbeitet der schwedische Songwriter Jens Lekman nach wie vor daran, das perfekte Liebeslied zu schreiben.
Music Review
Earthen Sea
An Act Of Love
Jacob Long war Bassist bei Mi Ami und Black Eyes. Als Earthen Sea macht er düster-drohende Electronica, zwische Unruhe und Entspannung.
Music Review
Bing & Ruth
No Home Of The Mind
Im Kosmos der klavierbasierten Post-Klassik nimmt Bing & Ruth mit »No Home Of The Mind« bis heute eine Sonderstellung ein.
Music Review
Moiré
No Future
Auf »No Future« von Moiré wird der Hörer angetrieben, auch mal zu reflektieren. Wenn Tanzmusik das schafft, dann ist sie große Kunst.
Music Review
Brenk Sinatra & Morlockk Dilemma
Hexenkessel 1 & 2
Zwei Giganten des deutschen Hip Hop liefern auf zwei EPs ein »Großstadthörspiel«, eine Hommage an früher, einen Karrierehöhepunkt.
Music Review
Microtub
Bite Of The Orange
Microtub ist das erste mikrotonale Tubaensemble der Welt. Häh? Was das bedeuten soll, kannst du jetzt auf »Bite Of The Orange« nachhören.
Music Review
Various Artists
Sammlung Elektronische Kassettenmusik Düsseldorf 1982-1989
Die »Sammlung Elektronische Kassettenmusik Düsseldorf 1982-1989« ist eine Fundgrube visionärer Außenseitermusik.
Music Review
Various Artists
Magnetband - Experimenteller Elektronik Underground DDR 1984-1989
»Magnetband – Experimenteller Elektronik Underground DDR 1984-1989« bildet ein historisch wie musikalisch Stück der DDR-Vergangenheit ab.
Music Review
Baricentro
Tittle Tattle - 12"
Best Record Italy veröffentlicht die erstmals 1983 erschienene 12-inch »Tittle Tattle« der italienischen Kombo Baricentro erneut.
Music Review
Thievery Corporation
The Temple Of I & I
Vor 20 Jahren sind Thievery Corporation angetreten, die Welt an ihre Musik teilhaben zu lassen. Nächste Etappe: »The Temple Of I & I«.
Music Review
Gepy & Gepy
Body To Body - 12"
Giampiero Scalamogna nannte man einst den italienischen Barry White. Gepy & Gepy’s 12" »Body To Body« von 1979 wurde nun wiederaufgelegt.
Music Review
Visible Cloaks
Reassamblage
Visible Oaks schwebte mit »Reassamblage« eine Art am Sampler erschaffene »Weltmusik« 4.0 vor.
Music Review
Simon Fisher Turner
Giraffe
Um den Gegensatz von akustischen Spuren der belebten Welt und den elektronischen Maschinen geht es Simon Fisher Turner auf »Giraffe«.
Music Review
Tinariwen
ELWAN
In Wüsten nichts Neues: Vom traditionellen Ganga-Songs bis zu tanzbarem Wüsten-Funk: wer Tinariwen mag, wird »ELWAN« lieben.
Music Review
MecsTreem & Doe Diggla
Hydrofunk
Ist das noch Hip-Hop? MecsTreem und Doe Diggla wollen sich auf der Split-LP »Hydrofunk« nicht festlegen.
Music Review
Vermont
II
Ein zweites Mal graben Danilo Plessow und Marcus Worgull in den Plattenkisten. »II« ist auf der Indica-Seite des Lebens angesiedelt.
Music Review
Conrad Schnitzler
Filmmusik 2
Bureau B setzt die Reihe mit Conrad Schnitzlers bisher unveröffentlichten Filmmusiken fort.
Music Review
Sinkane
Life & Livin' It
Mit »Life & Livin’ It« ist Sinkane ein weltoffenes, tanzbares und melodiedralles fünftes Album gelungen.
Music Review
B.E.F.
Mallumo
B.E.F. erhebt auf seiner Debüt-EP für Parallel Berlin die Serviceleistung zur eigentlichen Kunst. Zumindest ist »Mallumo« dann am stärksten.
Music Review
Lucky Brown & the S.G.'s
Mesquite Beat
70er-Funk ist zu perfekt, als dass es noch etwas zu verbessern gäbe. »Mesquite Beat« von Lucky Brown bleibt deshalb ganz bodenständig raw.
Music Review
Alessandro Bosetti
Planet/Talea
Der italienische Künstler und Komponist Alessandro Bosetti manipuliert und kombiniert sich durch »Planet/Talea«.
Music Review
Matteo Vallicelli
Primo
Der italienische Schlagzeuger Matteo Vallicelli hat sich auf »Primo« mit Synthesizers und Drumcomputers beschäftigt.
Music Review
Laaraji
Celestial Vibration
Das erstmals 1978 erschienene Debütalbum »Celestial Vibration« des New Yorker Zitherspielers Laaraji erfährt eine Neuauflage.
Music Review
Lift To Experience
The Texas-Jerusalem Crossroads
»The Texas-Jerusalem Crossroads«, das einzige Album von Lift To Experience, bekommt zu seinem fünfzehnten Geburtstag eine Neuauflage.
Music Review
Moon Duo
Occult Architecture Vol.1
Obwohl Moon Duo mit ihrer Musik im Maskulinitäts-Genre verwurzelt sind, gibt es auf »Occult Architecture Vol.1« keinerlei Macho-Gehabe.
Music Review
Sampha
Process
Im Debüt-Album »Process« verarbeitet Sampha den Tod seiner Mutter und changiert gekonnt zwischen Pianoballaden und ungeraden Rhythmen.
Music Review
Various Artists
Saz Beat Vol.3
Zwischen Konformität und Dissidenz blühte Istanbul auf, wie die tolle Compilation »Saz Beat Vol.3« zeigt.
Music Review
Lula Pena
Archivo Pittoresco
Eine Gitarre, eine Stimme und halbes Dutzend Sprachen: Lula Penas drittes Album »Archivo Pittoresco« ist ein kleines Kuriosum.
Music Review
UnicaZürn
Transpandorem
Das verbindende Element bei UnicaZürn ist das Wasser. Auf »Transpandorem« lässt es das Duo mal tropen und mal rauschen.
Music Review
Brad Mehldau & Chris Thile
Brad Mehldau & Chris Thile
Die Jazzlegende Brad Mehldau und der talentierte Mandolist Chris Thile ergänzen sich auf ihrem gemeinsamen Debüt ganz famos.
Music Review
CVBox
So ist es im Nadelwald
Zuhausehör-Techno ohne die Posen? Gibt’s nur bei CVBox. Von dem wissen wir nix, er aber erzählt uns: »So ist es im Nadelwald«!
Music Review
Andi Otto
VIA
Ein vielleicht zukunftsweisendes Album: auf »VIA« vermengt Andi Otto respektvoll unterschiedlichsten Traditionen und Einflüsse.
Music Review
Various Artists
The Men In the Glass Booth
Mit »The Men In the Glass Booth« versammelt der Glasgower DJ Al Kent dreieinhalb Stunden discoider Edit-Kunst.
Music Review
Schnipo Schranke
Rare
Man sollte sich froh schätzen, heirzulande eine Band wie Schnipo Schranke zu haben. Selten, dass deutscher Pop aufrichtiger ist.
Music Review
Ty Segall
Ty Segall
Es fängt schon mit dem Titel an: »Ty Segall«, das neue Album von Ty Segall, ist einfach etwas zu beliebig.
Music Review
Superpitcher
The Golden Ravedays 1
Lang ließ Superpitcher nichts von sich hören. Jetzt ist er zurück mit »The Golden Ravedays«, einem auf zwölf Schallplatten verteilten Album.