Music Review | verfasst 26.01.2017
Various Artists
Studio One Rocksteady Vol.2
Soul Jazz, 2017
Text Tim Caspar Boehme
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (1)
7.8
Redaktion
Cover Various Artists - Studio One Rocksteady Vol.2

War der Rocksteady die schönste Phase in der Entwicklung des Reggae? Blöde Frage, jedenfalls war diese Periode eine des fließenden Übergangs. Das zielstrebige Tempo des Ska wurde gedrosselt, ohne dass die späteren Roots-Konventionen schon alle eingeführt waren. Dafür kamen verstärkt Soul-Einflüsse, etwa beim mehrstimmigen Gesang, zum Tragen. Aus dieser Zwischenzeit haben die Archive des Studio One der Öffentlichkeit noch einmal neues Material zukommen lassen, um die Erinnerung an diese musikalisch glorreichen Tage wachzuhalten. Politisch und gesellschaftlich entwickelte sich die Situation in Jamaika damals jedoch weniger erfreulich: Spannungen und Gewalt nahmen im Land zu, worauf die Sänger im Rocksteady mit Appellen an die »rude boys« reagierten – sofern sie keine Liebeslieder sangen. Alton Ellis, der »Godfather of Rocksteady«, der mit seinem Hit »Get Ready – Rock Steady« zum Namensgeber des neuen Stils wurde, bedient hier mit »I’m Still in Love With You« von 1967 eindeutig die amourösen Bedürfnisse. Auch John Holt besingt in »Strange Things« nächtliche zärtliche Begegnungen zwischen »girls« und »beach boys«. Die Paragons hingegen rufen in dem von John Holt geschriebenen »Change Your Style« die Hooligans zur Mäßigung auf. Und die Heptones liefern in ähnlicher Absicht eine Coverversion von Bob Dylans »I Shall Be Released«. Musikalische Bemühungen zur Entschleunigung – darin könnte man eine ähnliche Gesellschaftskritik mit ästhetischen Mitteln sehen, wie sie vor einigen Jahren der Drone-Musik zugeschrieben wurde. Nur dass man bei Rocksteady dazu tanzen kann.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 11.11.2015
Various Artists
Sir Coxone's Music - The First Recordings Of Sir Coxsone The Downbeat 1960-63
Soul Jazz Records hat auf »Sir Coxone’s Music« Stücke aus der Zeit vor Studio One zusammengestellt.
Books Review | verfasst 11.10.2011
Stuart Baker (Hg.)
The Cover Art Of Studio One
Mit The Cover Art Of Studio One widmet sich ein weiteres Buch aus dem Hause Soul Jazz dem spezifischen Plattencoverdesign.
Music Review | verfasst 02.11.2011
Various Artists
The Legendary Studio One Records
Einmal mehr schöpft Soul Jazz aus dem reichhaltigen Fundus von Studio One Records. Es lohnt sich abermals.
Music Review | verfasst 20.02.2013
Various Artists
Studio One Ironsides
Bekanntes und weniger bekanntest findet sich auf der neuerlichen »Studio One«-Compilation von Soul Jazz Records wieder.
Music Review | verfasst 21.07.2014
Various Artists
Studio One Dancehall – Sir Coxsone in the Dance: The Foundation of Sound
Auf »Studio One Dancehall« gibt es neben Stars wie Sugar Minott und Johnny Osbourne wieder die eine oder andere Rarität zu bestaunen…
Music Review | verfasst 05.04.2015
Various Artists
Studio One Jump-Up: The Birth Of A Sound : Jump Up Jamaican R & B, Jazz and Early Ska
»Studio One Jump-Up« versammelt Aufnahmen aus den Anfangstagen von Coxsone Dodds Studio One und der Zeit unmittelbar davor.
Music Review
Elektro-Dschungel
Kebab Und Andere Träume
Wiesbaden, die Vermittler-Stadt zwischen Okzident und Orient. Klingt funny, war aber mal so.
Music Review
Terekke
Plant Age
»Plant Age« von Terekke ist tief schwebender House, der klingt wie der Wind auf der Fahrradfahrt heim nach einer durchtanzten Nacht.
Music Review
Blu & Exile
In The Beginning: Before The Heavens
»In The Beginning: Before The Heavens« versammelt jene Tracks von Blu & Exile, die es nicht auf »Below The Heavens« geschafft haben.
Music Review
Touche'
Just Like A Doorknob
Best Record Italy veröffentlicht das zuerst 1983 erschienen Disco-Boogie-Stück »Just Like A Doorknob« von Touche’ erneut.
Music Review
JK Flesh
Exit Stance
Wenn Justin Broadrick Techno macht, nennt er sich JF Flesh. Auf Downwards ist jetzt die Vinyl 12" »Exit Stance« erschienen.
Music Review
Betonkust & Uj Bala
DDS001 EP
Dalmata Daniel startet eine neue »Split Series«. Den Anfang machen Betonkust und Uj Bala mit sechs seligen Tracks.
Music Review
Apollo Brown & Planet Asia
Anchovies
Apollo Browns Boom Bap kommt hier meistohne Bap aus. Mit Planet Asias dunkel getöntem Patriarchen-Flow verträgt sich das sehr gut.
Music Review
Visible Cloaks
Lex EP
Musik folgt in der Regel bestimmten Gesetzen. Visible Cloaks loten sie auf ihrer neuen EP »Lex« aus.
Music Review
The Bug
Bad / Get Out The Way – 12"
Auch nach 20 Jahren nichts an Kraft verloren: The Bug hat mit »Bad / Get Out The Way« eine neue Vinyl 12" auf Ninja Tune veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Deutsche Elektronische Musik 3
Die zweistündige Compilation »Deutsche Elektronische Musik 3« gehört den entrückten Sounds. Eine irre Fundgrube.
Music Review
Piero Umiliani (M. Zalla)
Africa / Continente Nero Bundle
Genauso hätte man sich das Ergebnis vorab ausgemalt, wenn die italienische Soundtrack/Library-Legende sich an afrikanischen Klängen versucht
Music Review
Talib Kweli
Radio Silence
Conscious Rapper bleib bei deinen Leisten. Und das macht Talib Kweli dann auch überwiegend, auf seinem achten Studioalbum »Radio Silence«.
Music Review
Pascal Comelade
Paralelo
Die Reissue von Pascal Comelades Debüt kommt in aufgespeckter Version. Das macht es nicht leichter.
Music Review
Tony Caro & John
All On the First Day
Das 1972 veröffentlichte Debütalbum »All On the First Day« der britischen Band Tony, Caro & John wird bei Tapete wiederveröffentlicht.
Music Review
Noel Gallagher's Hugh Flying Birds
Who Built The Moon?
Ein wurschtiges Album: Noel Gallagher’s Hugh Flying Birds denken auf »Who Built The Moon?« keinen Song zu Ende.
Music Review
Conga Square
Secada Mondatta
»Secada Mondatta« dürfte seinen Platz in den Sets der Ivkovices und Wilikensens finden.
Music Review
Little Simz
Stillness In Wonderland
»Stillness In Wonderland«, Little Simz Adaption des Märchens von Lewis Caroll aus dem vergangenen Jahr, ist nun auch auf Vinyl erschienen.
Music Review
Bitchin Bajas
Bajas Fresh
Zeitgemäßes Hippietum: Mit »Bajas Fresh« wachsen Bitchin Bajas noch einmal ein bisschen über sich hinaus.
Music Review
Sharon Jones & The Dap-Kings
Soul Of A Woman
Vor genau einem Jahr ist Sharon Jones verstorben. Nun erscheint ihr letztes, wieder mit den Dap-Kings eingespieltes Album »Soul Of A Woman«.
Music Review
Brian Blade & The Fellowship Band
Body And Shadow
»Body And Shadow«, das fünfte Album von Brian Blade & The Fellowship Band, ist ein ob seiner Kürze umso entschlossener wirkendes Album.
Music Review
M.E.S.H.
Hesaitix
Aus »Hesaitix« nimmt M.E.S.H. Abstand von den brutalen Klangdekunstruktionen vergangener Veröffentlichungen.
Music Review
Various Artists
Pantsula!
DJ Okapi und Antal haben für Rush Hour die Compilation »Pantsula! – The Rise of Electronic Dance Music in South Africa« zusammengestellt.
Music Review
Keiji Haino, Jim O'Rourke & Oren Ambarchi
This Dazzling, Genuine »Difference« Now Where Shall It Go?
Auf »This Dazzling, Genuine ›Difference‹ Now Where Shall It Go?« finden sich Keiji Haino, Jim O’Rourke und Oren Ambarchi erneut zusammen.
Music Review
Call Super
Arpo
Überraschen geht immer noch. Auch in der elektronischen Musik. »Arpo«, das neue Album von Call Super, überrascht.
Music Review
Gabor Szabo
Dreams
Es muss ja eben nicht immer voran gegangen werden, wenn Ort und Stelle genießbar sein sollen.
Music Review
Angel Olsen
Phases
»Phases« zeigt zwischen 2010 und 2016 entstandenes Material der Sängerin und Songwriterin Angel Olsen.
Music Review
Serge Gainsbourg & Jean-Claude Vannier
Les Chemins De Katmandou
Würde man 10km gegen jeden Pot-Smoke erkennen als Album der beiden. Musste aber erstmal aus den Flammen gerettet werden.
Music Review
Spirit Fest
Spirit Fest
Wenn hier »Supergroup« auf dem Beilagenzettel steht, bekommst du eine Gruppe Musiker ohne Allüren: Zum Debüt von Spirit Fest.
Music Review
Spinning Coin
Permo
Für ein Debüt erstaunlich ausgereift: Spinning Coin ist mit »Permo« ein abwechslungsreiches Album gelungen.
Music Review
Eye
Cocktail Mexico
Unwiderstehlich, aber nicht unabdingbar: Eye legt nach ihrem umwerfenden Debüt-Album eine EP vor.
Music Review
Various Artists
Studio One Black Man's Pride
Die 18 Songs auf »Studio One Black Man’s Pride« legen, jeder auf seine Weise, Zeugnis von schwarzem Selbstbewusstsein ab.
Music Review
Felix Kubin
Takt der Arbeit
Felix Kubin hat sich für »Takt der Arbeit« den Rhythmus der kapitalistischen Gegenwartsökonomie zum Vorbild genommen.
Music Review
Coil
Time Machines
Die knapp 20 Jahre, die das 1998 erstmals veröffentlichte »Time Machines« von Coil mittlerweile alt ist, hört man ihm an keiner Stelle an.
Music Review
Various Artists
Jukebox Mambo Vol.3
Seit 2012 stellt DJ Liam Large die »Jukebox Mambo«-Reihe zusammen und dokumentiert nun erneut die Bandbreite dieser ungewöhnlichen Klänge.
Music Review
Curtis Harding
Face Your Fear
Diese Stimme und die Produktion machen »Face Your Fear« von Curtis Harding zum Retro-Album des Jahres.
Music Review
Helena Hauff
Have You Been There, Have You Seen It
Jede Synthesizerspur eine metallische Blubbersequenz: »Have You Been There, Have You Seen It« von Helena Hauff endet viel zu rasch.
Music Review
Gregory Porter
Nat »King« Cole & Me
Gregory Porter huldigt gemeinsam mit dem London Symphony Orchestra auf »Nat King Cole & Me« seinem Vorbild. Das gelingt nur teilweise.
Music Review
Visionist
Value
Auf seinem zweiten Album »Value« entwickelt Visionist seinen kristallinen High-Fidelity-Noise konsequent weiter.
Music Review
Grandbrothers
Open
»Operation am offenen Herzen eines Flügels«: das Düsseldorfer Duo Grandbrother hat ihr zweites Album »Open« veröffentlicht.
Music Review
Sugai Ken
UkabazUmorezU
Um die Nacht geht es auf »UkabazUmorezU«, dem wohl fünften Album des Japaners Sugai Ken. Um die Nacht geht es ihm insgesamt in seiner Musik.
Music Review
Högni
Two Trains
Ein Album zu Ehren von Minør und Pionér. Den einzigen beiden Eisenbahnen, die je auf isländischem Boden fuhren.