Music Review | verfasst 30.01.2017
Andi Otto
VIA
Pingipung, 2017
Text Martin Silbermann
Deine Bewertung:
/
Nutzer
9.2
Redaktion
Cover Andi Otto - VIA

In vielerlei Hinsicht könnte man sagen, dass der Hamburger Andi Otto den Sound macht, den einige Pop-Theoretiker als die Musik der Zukunft beschreiben: eine hybride, kosmopolitische und elektronische Dance Music, die sich egalitär und respektvoll unterschiedlichsten Traditionen und Einflüssen bedient sowie diese organisch und zugleich futuristisch kombiniert. Diese Beschreibung trifft theoretisch zwar auch auf Trends wie Tropical Bass zu, »VIA« hat allerdings vielmehr Ähnlichkeit mit dem Output von Gold Panda, Bonobo oder des Pingipung-Labelkollegen Sven Kacirek. Denn anstatt hauptsächlich und vordergründig auf fremde, möglichst schrille und pumpende Rhythmiken abzuzielen, wie es der Multi-Kulti-Sound von Diplo bis Haaksman tut, stehen auf »VIA« mehr die Melodien (in erster Linie aus Indien und Japan) im Vordergrund. Gleichzeitig sind die elf Tracks nie weit vom Dancefloor entfernt, doch schrille, knallige Kuduro- oder Cumbia-Beats sind Andi Otto fremd. Vielmehr stützt er sein Klanggerüst auf informierte House-Konventionen und ausgewählte Dub-Elemente. Darauf stapelt er geschickt Klangschicht auf Klangschicht, aus zerhackten Vocal-Samples, Synch-Flächen und eben diesen besonderen, meist indischen Harmonien. Dafür reiste Andi Otto sogar nach Bangalore und nahm gemeinsam mit MD Pallavi den Titeltrack und »Bangalore Whispers« auf. Diese beiden Tracks bilden zugleich die Klammer um ein rundes, feinfühliges und vielleicht ja zukunftsweisendes Album.

»VIA« von Andi Otto findest du bei hhv.de: 2LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 04.11.2014
Springintgut & F.S. Blumm
The Bird and White Noise
Das Duo-Album von Springintgut & F.S. Blumm, »The Bird and White Noise«, lässt sich mit einem Wort beschreiben: zauberhaft!
Music Review | verfasst 02.03.2016
Andi Otto
Bangalore Whispers
»Bangalore Whispers« von Andi Otto besticht durch sein zeitgemäßes Zusammenspiel von digitaler Tanzmusik und akustischer Instrumentierung.
Music Review | verfasst 18.04.2012
Sven Kacirek
Scarlett Pitch Dreams
»Scarlet Pitch Dreams« klingt elektronischer, an manchen Stellen härter, gleichzeitig aber doch vertrauter als je zuvor.
Music Review | verfasst 13.10.2014
Schlammpeitziger
What's Fruit?
Verquere und doch melodiöse Musik,mit verschrobenen Ideen und einem hohem Unterhaltungswert: Schlammpeitziger ist zurück.
Music Review | verfasst 23.07.2012
ROM
Foot Signal
Roberto Carlos Lange und Matt Crum haben sich zusammengetan um Instrumente mit den Füßen zu »bespielen«.
Music Review | verfasst 02.12.2013
FS Blumm
Up Up & Astray
Der Gitarrist FS Blumm ist zurück im Musikgeschäft und hat ein neues Album veröffentlicht.
Music Review
Dirty Projectors
Dirty Projectors
Der Alien-R’n’B oder Future-Hybrid-Pop auf Dirty Projector’s neuem Album wird für Fans als auch für Novizen eine Herausforderung darstellen.
Music Review
Inga Mauer
Shtum 012
Wer sich hier nicht festhält, der wird weggetrieben: die in Den Haag ansässige Inga Mauer reüssiert auf »Shtum 012«.
Music Review
Mind Over MIrros
Undying Colors
Jede neue Platte zeigt eine neue Phase des Künstlerdaseins von Mind Over Mirrors. So auch »Undying Colors«.
Music Review
KaS Product
Black & Noir
»Black & Noir« ist eine Zusammenstellung mit elf Songs des Anfang der 1980er Jahre in Nancy gegründeten Synthpopduos Kas Product.
Music Review
The Necks
Unfold
Bei The Necks entfalten sich die Klänge. Auf auf den vier zwischen 15 und 22 Minuten langen Stücken von »Unfold«.
Music Review
Jens Lekman
Life Will See You Now
Auch auf »Life Will See You Now« arbeitet der schwedische Songwriter Jens Lekman nach wie vor daran, das perfekte Liebeslied zu schreiben.
Music Review
Earthen Sea
An Act Of Love
Jacob Long war Bassist bei Mi Ami und Black Eyes. Als Earthen Sea macht er düster-drohende Electronica, zwische Unruhe und Entspannung.
Music Review
Bing & Ruth
No Home Of The Mind
Im Kosmos der klavierbasierten Post-Klassik nimmt Bing & Ruth mit »No Home Of The Mind« bis heute eine Sonderstellung ein.
Music Review
Moiré
No Future
Auf »No Future« von Moiré wird der Hörer angetrieben, auch mal zu reflektieren. Wenn Tanzmusik das schafft, dann ist sie große Kunst.
Music Review
Brenk Sinatra & Morlockk Dilemma
Hexenkessel 1 & 2
Zwei Giganten des deutschen Hip Hop liefern auf zwei EPs ein »Großstadthörspiel«, eine Hommage an früher, einen Karrierehöhepunkt.
Music Review
Microtub
Bite Of The Orange
Microtub ist das erste mikrotonale Tubaensemble der Welt. Häh? Was das bedeuten soll, kannst du jetzt auf »Bite Of The Orange« nachhören.
Music Review
Various Artists
Sammlung Elektronische Kassettenmusik Düsseldorf 1982-1989
Die »Sammlung Elektronische Kassettenmusik Düsseldorf 1982-1989« ist eine Fundgrube visionärer Außenseitermusik.
Music Review
Various Artists
Magnetband - Experimenteller Elektronik Underground DDR 1984-1989
»Magnetband – Experimenteller Elektronik Underground DDR 1984-1989« bildet ein historisch wie musikalisch Stück der DDR-Vergangenheit ab.
Music Review
Baricentro
Tittle Tattle - 12"
Best Record Italy veröffentlicht die erstmals 1983 erschienene 12-inch »Tittle Tattle« der italienischen Kombo Baricentro erneut.
Music Review
Thievery Corporation
The Temple Of I & I
Vor 20 Jahren sind Thievery Corporation angetreten, die Welt an ihre Musik teilhaben zu lassen. Nächste Etappe: »The Temple Of I & I«.
Music Review
Gepy & Gepy
Body To Body - 12"
Giampiero Scalamogna nannte man einst den italienischen Barry White. Gepy & Gepy’s 12" »Body To Body« von 1979 wurde nun wiederaufgelegt.
Music Review
Visible Cloaks
Reassamblage
Visible Oaks schwebte mit »Reassamblage« eine Art am Sampler erschaffene »Weltmusik« 4.0 vor.
Music Review
Simon Fisher Turner
Giraffe
Um den Gegensatz von akustischen Spuren der belebten Welt und den elektronischen Maschinen geht es Simon Fisher Turner auf »Giraffe«.
Music Review
Tinariwen
ELWAN
In Wüsten nichts Neues: Vom traditionellen Ganga-Songs bis zu tanzbarem Wüsten-Funk: wer Tinariwen mag, wird »ELWAN« lieben.
Music Review
MecsTreem & Doe Diggla
Hydrofunk
Ist das noch Hip-Hop? MecsTreem und Doe Diggla wollen sich auf der Split-LP »Hydrofunk« nicht festlegen.
Music Review
Vermont
II
Ein zweites Mal graben Danilo Plessow und Marcus Worgull in den Plattenkisten. »II« ist auf der Indica-Seite des Lebens angesiedelt.
Music Review
Conrad Schnitzler
Filmmusik 2
Bureau B setzt die Reihe mit Conrad Schnitzlers bisher unveröffentlichten Filmmusiken fort.
Music Review
Sinkane
Life & Livin' It
Mit »Life & Livin’ It« ist Sinkane ein weltoffenes, tanzbares und melodiedralles fünftes Album gelungen.
Music Review
B.E.F.
Mallumo
B.E.F. erhebt auf seiner Debüt-EP für Parallel Berlin die Serviceleistung zur eigentlichen Kunst. Zumindest ist »Mallumo« dann am stärksten.
Music Review
Lucky Brown & the S.G.'s
Mesquite Beat
70er-Funk ist zu perfekt, als dass es noch etwas zu verbessern gäbe. »Mesquite Beat« von Lucky Brown bleibt deshalb ganz bodenständig raw.
Music Review
Alessandro Bosetti
Planet/Talea
Der italienische Künstler und Komponist Alessandro Bosetti manipuliert und kombiniert sich durch »Planet/Talea«.
Music Review
Matteo Vallicelli
Primo
Der italienische Schlagzeuger Matteo Vallicelli hat sich auf »Primo« mit Synthesizers und Drumcomputers beschäftigt.
Music Review
Laaraji
Celestial Vibration
Das erstmals 1978 erschienene Debütalbum »Celestial Vibration« des New Yorker Zitherspielers Laaraji erfährt eine Neuauflage.
Music Review
Lift To Experience
The Texas-Jerusalem Crossroads
»The Texas-Jerusalem Crossroads«, das einzige Album von Lift To Experience, bekommt zu seinem fünfzehnten Geburtstag eine Neuauflage.
Music Review
Moon Duo
Occult Architecture Vol.1
Obwohl Moon Duo mit ihrer Musik im Maskulinitäts-Genre verwurzelt sind, gibt es auf »Occult Architecture Vol.1« keinerlei Macho-Gehabe.
Music Review
Sampha
Process
Im Debüt-Album »Process« verarbeitet Sampha den Tod seiner Mutter und changiert gekonnt zwischen Pianoballaden und ungeraden Rhythmen.
Music Review
Various Artists
Saz Beat Vol.3
Zwischen Konformität und Dissidenz blühte Istanbul auf, wie die tolle Compilation »Saz Beat Vol.3« zeigt.
Music Review
Lula Pena
Archivo Pittoresco
Eine Gitarre, eine Stimme und halbes Dutzend Sprachen: Lula Penas drittes Album »Archivo Pittoresco« ist ein kleines Kuriosum.
Music Review
UnicaZürn
Transpandorem
Das verbindende Element bei UnicaZürn ist das Wasser. Auf »Transpandorem« lässt es das Duo mal tropen und mal rauschen.
Music Review
Brad Mehldau & Chris Thile
Brad Mehldau & Chris Thile
Die Jazzlegende Brad Mehldau und der talentierte Mandolist Chris Thile ergänzen sich auf ihrem gemeinsamen Debüt ganz famos.
Music Review
CVBox
So ist es im Nadelwald
Zuhausehör-Techno ohne die Posen? Gibt’s nur bei CVBox. Von dem wissen wir nix, er aber erzählt uns: »So ist es im Nadelwald«!
Music Review
Andi Otto
VIA
Ein vielleicht zukunftsweisendes Album: auf »VIA« vermengt Andi Otto respektvoll unterschiedlichsten Traditionen und Einflüsse.
Music Review
Various Artists
The Men In the Glass Booth
Mit »The Men In the Glass Booth« versammelt der Glasgower DJ Al Kent dreieinhalb Stunden discoider Edit-Kunst.
Music Review
Schnipo Schranke
Rare
Man sollte sich froh schätzen, heirzulande eine Band wie Schnipo Schranke zu haben. Selten, dass deutscher Pop aufrichtiger ist.
Music Review
Ty Segall
Ty Segall
Es fängt schon mit dem Titel an: »Ty Segall«, das neue Album von Ty Segall, ist einfach etwas zu beliebig.
Music Review
Superpitcher
The Golden Ravedays 1
Lang ließ Superpitcher nichts von sich hören. Jetzt ist er zurück mit »The Golden Ravedays«, einem auf zwölf Schallplatten verteilten Album.