Music Review | verfasst 03.02.2017
Various Artists
Saz Beat Vol.3
Global Pop First Wave, 2017
Text Lars Fleischmann
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.9
Redaktion
Cover Various Artists  - Saz Beat Vol.3

Manchmal wird man noch überrascht: Anstatt einer klassischen Promo mit Hintergrundinfos und der Platte, bekommt man hier neben viel guter Musik (dazu später mehr) auch noch eine wissenschaftliche Arbeit zum Themenspektrum der zu besprechenden Platte. Holger Lund, der sich im Hause Corvo Records von Wendelin Büchler für das Global Pop First Wave verantwortlich zeigt, ist ein Spezialist. Sein Text über die Istanbuler Musikszene rundete die Lektüre der Platte ab. Selbst für jemanden, mit gewissen Vorkenntnissen war das mal ein Ereignis; danke dafür. Aber es geht hier zunächst um die Musik und da ist man ein wenig vorsichtig geworden. In den letzten Jahren kamen unzählige Compilations heraus. Und gerade das wunderbare Feld der türkischen Popmusik aus den letzten 60 Jahren war ein gefühlt nicht zu leerender Brunnen bekannter und unbekannter Stücke. Die sogenannte Phase der Instabilität zwischen 1960 und 1980 war einerseits Grund für viele – damals nannte man sie so – Gastarbeiter das Land zu verlassen. Andererseits passierte im kulturellen Bereich extrem viel. Zwischen Konformität und Dissidenz, zwischen Weltoffenheit und nationalistischer Backlashes blühte vor allen Dingen Istanbul auf. Auf der vorliegenden Compilation (als dritter Teil einer Reihe) wird implizit diesen Spannungsfeldern nachgegangen. Neben der Grand Dame der türkischen Pop-Kultur Neşe Karaböcek finden sich hier Bauchtanz—, Folk, Psych-Einflüsse Seite an Seite. Besonders erfreulich ist Giannis Floriniotis Greek-Turk-Popnummer, die an die bis heute schwierige, aber enge Nachbarschaft zu Griechenland erinnert. Die gegenseitige Beeinflussung der beiden großen Kulturnationen ist selten projiziert worden auf solchen Zusammenstellungen. Die Schwerpunkte lagen meist woanders, z.B. beim Anatolian Rock. Aber auch hier kann »Saz Beat Vol3« punkten: Die beiden Stücke Beyaz Kelebeklers und Fikret Hakans sind selbst für Kenner wunderbare Ergänzungen zum Bekannten. Dringend empfohlen wird übrigens die Version mit der Bonus 12“: Saadet Gurses »Ay Bir Tane« ist eine flotte Boogie-Nummer, die genauso gut nach Italien passen würde und in der kalten Jahreszeit vom kommenden Sommer erzählt. Ein Tanzflächenfüller und -killer!

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 12.01.2016
Various Artists
Saz Beat 2
Ein Schwerpunkt von Global Pop First Wave ist die türkische Musik der 1960er und 1970er Jahre. »Saz Beat 2« beweist es.
Music Review | verfasst 24.11.2010
Ebo Taylor
Love & Death
Highlife- und Afrobeat-Legende Ebo Taylor veröffentlicht nach 20jähriger Abstinenz ein neues Album.
Music Review | verfasst 01.09.2010
Various Artists
Afrobeat Airways
Mehr als 77 Minuten feinster Afro-Beat als Beispiel für die Funk, Soul- und Jazzmusik der 1970er Jahre in Togo und Ghana.
Music Review | verfasst 10.11.2010
Various Artists
Angola Soundtrack
Die erstaunliche Qualität der Compilation beweist, dass es noch viel in Afrika zu entdecken gibt.
Music Review | verfasst 31.01.2011
Sidi Touré
Sahel Folk
In seinen simplen Liedern vermag der malische Musiker Sidi Touré eine ganze Welt zu verstecken.
Music Review | verfasst 08.02.2011
Various Artists
The Sound Of Siam
Westlich-inspirierte, thailändische Musik der 1960er und 1970er Jahre, geheimnisvoll und groovy
Music Review | verfasst 22.03.2011
Sofrito
Tropical Discotheque
Sofrito vereinen seit Jahren die Leidenschaften des Musikzuhörers mit denen des Partylöwen.
Music Review
Various Artists
Space, Energy & Light
82 Minuten behaglich entrückte Soundscapes von 14 Künstlern finden sich auf »Space, Energy And Light« wieder.
Music Review
Floorplan
Let the Curch - 12"
»Let The Church« ist ein typischer Release für Robert Hood’s Alias Floorplan, in der besonders der Lyrics Remix ein Ausrufezeichen setzt..
Music Review
Radiohead
OK Computer OKNOTOK 1997-2017
Vor zwanzig Jahren ist »OK Computer« von Radiohead erschienen, also erscheint zum Jubiläum eine erweitere Neuauflage.
Music Review
Laurel Halo
Dust
Überraschenderweise ist »Dust« erst das dritte Album von Laurel Halo. Diesmal sind mit Julia Holter oder Eli Keszler auch Gäste dabei.
Music Review
Peven Everett
Stuck
Groovin Records veröffentlicht elf Jahre nach der ersten Veröffentlichung eine Reissue von Peven Everetts »Stuck«.
Music Review
The Drums
Abysmal Thoughts
Jonny Pierce und sein Projekt The Drums beschäftigen sich diesmal mit Nietzsche und gehen dessen »Abysmal Thoughts« nach.
Music Review
Nick Murphy (Chet Faker)
Missing Link EP
Für die »Missing Link EP« fungiert der australische Musiker Chet Faker erstmals unter seinem bürgerlichen Namen Nick Murphy.
Music Review
Kevin Morby
City Music
Mit »City Music«, dem zweiten Solowerk innerhalb von zwei Jahren, spielt sich Kevin Morby endgültig frei.
Music Review
Various Artists
Oté Maloya
Die Compilation »Oté Maloya« beleuchtet ein kleines Genre afrikanischer Musik auf der kleinen Insel La Réunion im Indischen Ozean.
Music Review
Can
The Singles
Das hat es so noch nicht gegeben: Eine Zusammenstellung aller Singles von Can, zwischen 1969 und 1990 erschienen, chronologisch geordnet.
Music Review
Brownout
Brown Sabbath Vol. 2
Eine Latin-Funk-Band aus Austin, Texas, die ein Album mit Black Sabbath-Coverversionen bestreitet? Klingt bescheuert? Ist es irgendwie auch.
Music Review
Com Truise
Iteration
Auf »Iteration« hat Com Truise die Wiederholung des Sounds selbst zum Kunstwerk erhoben.
Music Review
Ekoplekz
Bioprodukt
Ekoplekz alias Nick Edwards kann, wenn er will, sehr kaputt daherkommen. Auf »Bioprodukt« klingt er bemerkenswert warm.
Music Review
Felicia Atkinson
Hand In Hand
Hand In Hand« besitzt das Skulpturale von reiner Klangkunst. Aber auch die unfixierte Weite von Dub und Erotik.
Music Review
Fleet Foxes
Crack-Up
Fleet Foxes konzentrieren sich auf »Crack-Up« auf die musikalisch-ästhetische Seite und machen es so zu ihrem bislang besten Album.
Music Review
Phoenix
Ti Amo
Phoenix huldigen auf »Ti Amo« la dolce vita und doch fühlt man sich die ganze Zeit bestens unterhalten.
Music Review
Gaby Hernandez
Spirit Reflection
Tiefe, Rätsel, Sinnlichkeit, an einer nur scheinbar glatten Oberfläche: Gaby Hernandez veröffentlicht ihr Album »Spirit Reflection«.
Music Review
Tindersticks
Minute Bodies
Die Tindersticks verantworten den Score zu dem Dokumentarfilm »Minute Bodies: The Intimate World Of F. Percy Smith«.
Music Review
Todd Terje
Maskindans
Die in menschliche Form gegossene Sommerhit-Maschine namens Todd Terje versucht es mal wieder.
Music Review
154
Strike
»Strike« von 154 hat in den letzten dreizehn Jahren nichts von ihrer atmosphärischen Dichte verloren.
Music Review
Sufjan Stevens / Bryce Dessner / Nico Muhly / James McAlister
Planetarium
Sufjan Stevens, Bryce Dessner, Nico Muhly und James McAlister haben mit »Planetarium« eine Platte gemacht, die einfach sehr anders ist.
Music Review
Broken English Club
The English Beach
Oliver Ho erlebt als Broken English Club derzeit seinen zweiten Frühling. Das nun bei L.I.E.S. erschienene »The English Beach« beweist das.
Music Review
Noga Erez
Off The Radar
Genau wie auf Noga Erez’ »Off The Radar« so muss sich relevante Popmusik im Jahr 2017 anhören: energisch, wütend, politisch und tanzbar.
Music Review
The Kills
Echo Home
The Kills, das Lieblingspaar der küngeren Indierockgeschichte, feiert ihr fünfzehnjähriges Bestehen und veröffentlicht die EP »Echo Home«.
Music Review
Porter Ricks
Anguilla Electrica
Porter Ricks veröffentlichen mit »Anguilla Electrica« ihr erstes Album seit 18 Jahren. Das sitzt. Aber richtig.
Music Review
Richard Dawson
Peasant
Irgendwo zwischen Iron Maiden und Qawwali lässt sich diese Musik locker einordnen. Doch auch »Peasant« ist vor allem eins: Richard Dawson.
Music Review
Kraftklub
Keine Nacht für Niemand
Mit »Keine Nacht für Niemand« treiben Kraftklub das Antisein auf die Spitze. Für ein gutes deutschsprachiges Rockalbum reicht’s so noch.
Music Review
Kondi Band
Salone
Kondi Band, das sind der Daumenklavierspieler Sorie Kondi und DJ Chief Boima. »Salone« heißt ihr bei Strut erschienenes Album.
Music Review
Various Artists
Boombox 2
Die Compilation »Boombox 2« steht seinem Vorgänger in nichts nach, und der war einer der besten Soul-Jazz-Releases seit Jahren.
Music Review
Dauwd
Theory Of Colours
Mit »Theory Of Colours« veröffentlicht Dauwd endlich sein Debütalbum. Es ist die unheimliche Geradlinigkeit, die dieses Album ausmacht.
Music Review
Charlemagne Palestine & Grumbling Fur Time Machine Orchestra
Omminggg and Schlomminggg
Charlemagne Palestine und Grumbling Fur Time Machine Orchestra machen auf »Omminggg and Schlomminggg« gemeinsame Sache.
Music Review
Crescent
Resin Pockets
Nach zehn Jahren Pause melden sich Crescent mit einem neuen Album zurück. Das Warten auf »Resin Pockets« hat sich durchaus gelohnt.
Music Review
Tony Allen
A Tribute To Art Blakey & The Jazz Messengers
Tony Allen, einer der größten Schlagzeuger unserer Zeit, würdigt mit »A Tribute To Art Blakey & The Jazz Messengers« einem anderen Drummer.
Music Review
Adolf Stern
More… I Like It - 12"
Adolf Stern hat 1979 diese zwei infektiösen Italo-Nummern veröffentlicht. Nun ist die 7" wieder erhältlich.
Music Review
Wavves
You're Welcome
Das sechste Album der kalifornischen Rockband erscheint in Eigenregie. Mit dem Ergebnis können sie zufrieden sein: »You’re Welcome«.
Music Review
Husten
Husten
Gisbert zu Knyphausen und Moses Schneider sind mit ihrem Projekt Husten so gestrig-unoriginell, dass es schon wieder sympathisch wird.
Music Review
Cluster
Konzerte 1972/1977
Im Boxset »Cluster 1971-1981« waren die beiden Konzertmitschnitte schon zu haben. Nun sind »Konzerte 1972/1977« auch losgelöst erhältlich.
Music Review
Robert Hood
Paradygm Shift
Robert Hoods erste LP seit »Motor: Nighttime World 3« bedeutet keine Rückkehr zur alten Form. »Paradygm Shift« updatet aber alte Formeln.
Music Review
T.Raumschmiere
Heimat
Es muss ja in der Musik nicht immer brachial zugehen, um einen Effekt zu erzielen. Mit »Heimat« ist T-Raumschmiere zurück bei Kompakt.
Music Review
Skepta
Konnichiwa
Hören wir Skeptas fünftes Album nochmal vom Hype ausgenüchtert und mit einem Jahr Abstand. Es ist jetzt besser.
Music Review
The Lloyd McNeil Quartet
Asha
1969 in sehr kleiner Auflage veröffentlicht, wird »Asha« von Lloyd McNeill nun bei Soul Jazz Records wiederveröffentlicht.