Music Review | verfasst 07.02.2017
Matteo Vallicelli
Primo
Captured Tracks, 2017
Text Tim Caspar Boehme
Deine Bewertung:
6.0
Nutzer (1)
7.2
Redaktion
Cover Matteo Vallicelli - Primo

Der Techno-Mythos Berlins lebt noch. Zumindest in dem Maße, das Punk-Musiker aus Rom wie der Schlagzeuger Matteo Vallicelli durch einen Umzug nach Kreuzberg dazu inspiriert wurden, sich mit Synthesizern und Drumcomputern auszustatten. Was der u.a. als Live-Drummer von The Soft Moon tätige Vallicelli für sein Solo-Debütalbum aus den Gerätschaften herausgeholt hat, erinnert dann aber vorwiegend an Zeiten, als Berlin noch weit entfernt davon war, durch illegale Partys nahe der ehemaligen Mauer auf sich aufmerksam zu machen – vom Berghain ganz zu schweigen. So wie der goldene Handschuh auf dem Cover an nostalgische Science-Fiction-Tage denken lässt, hat die Musik auf »Primo« viel von früheren Perioden der – analogen – Klangsynthese. Die Sequencer-Monologe und Arpeggien der Berliner Schule und der Minimal Wave der 1980er Jahre scheinen Vallicelli jedenfalls näher als die Clubmusik der jüngeren Vergangenheit. Was eine Projektion sein mag, denn hier und da lassen etwa die rumpeligen Loops von Stücken wie »Lausitzer Platz« durchaus aktuelle Bezüge erkennen. Alles in allem aber mehr eine solide Selbstverständigung auf dem Weg des Durcharbeitens der Geschichte der elektronischen Musik.

»Primo« von Matteo Vallicelli findest du bei hhv.de: LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 05.05.2017
Mac DeMarco
This Old Dog
Mac DeMarco schaltet auf »This Old Dog« mindestens einen Gang zurück. Weniger knuffig, niedlich und kuschelig ist er deshalb nicht.
Music Review | verfasst 12.08.2010
Matthew Dear
Black City
Munter wird mit dem Vorangegangenen gebrochen, zwischen den Stilen gewechselt und mit einer Ballade abgeschlossen.
Music Review | verfasst 22.10.2010
Bot'Ox
Babylon By Car
Ein Konzeptalbum über Autos bei dem das mechanische Gefährt weitestgehend ausgeblendet bleibt.
Music Review | verfasst 19.11.2010
David E Sugar
Memory Store
Der hochgelobte, britische Chiptune-Pionier legt sein erstes Album vor und erliegt ein wenig den Erwartungen.
Music Review | verfasst 05.01.2011
Neon Indian
Psychic Spasm
Sie gelten als Begründer des in diesem Jahr heiß gehandelten Chillwave-Genres und als ihr Aushängeschild.
Music Review | verfasst 11.02.2011
Cut Copy
Zonoscope
Zonoscope ist Cut Copy to the fullest: Synths, Pop, Disco, Postpunk, bunt, glitzernd und euphorisch!
Music Review
Serge Bulot
Les Legendes De Brocéliande
Ein ätherisch schönes Album irgendwo zwischen Leftfield-Ambient, New Age-Pathos und Electronic Jazz.
Music Review
Itadi K. Bonney
Inye
»Inye« von Itadi ist nun neu gemastert und um zwei bislang unveröffentlichte Tracks ergänzt auf Hot Casa erschienen.
Books Review
Zugezogen Maskulin
Alle Gegen Alle
Wie schwer es ist, seinen Platz zu finden und dann zu halten – davon wissen Zugezogen Maskulin zu erzählen.
Music Review
Lee Gamble
Mnestic Pressures
Die Rache der Erinnerung. Irgendetwas lastet auf dem Gedächtnis. »Mnestic Pressure« dazu zu sagen, klingt allerdings wesentlich besser.
Music Review
Four Tet
New Energy
Die dritte Inkarnation des Four Tet haut eher nicht vom Hocker. Doch »New Energy« ist immer noch eine verdammt gute Platte.
Music Review
Tresque
Lensomni EP
Minimalistischer Techno im Thomas Brinkmann’schen Sinne findet sich auf der »Lensomni EP«, der erst zweiten Veröffentlichung von Tresque.
Music Review
Beck
Colors
Beck greift auf seinem neuen Album »Colors« so schamlos wie nie zuvor in die bunte Trickkiste des Pop.
Music Review
Fatima Al Qadiri
Shaneera EP
Das ist ganz große, hochartifizielle Ausrast-Kunst und selbstverständlich ein politisches Statement. Und dazu ein wichtiges.
Music Review
King Gizzard & The Lizard Wizard
Sketches Of Brunswick East
»Sketches Of Brunswick East« ist zurückgelehnter und nicht ganz so überdreht, wie von King Gizzard & The Lizard Wizard gewohnt.
Music Review
Juju & Jordash
Sis-Boom-Bah
Juju & Jordash neues Album folgt dem klassischen Jam-Prinzip. Klingt aber von langer Hand geplant.
Music Review
Various Artists
Digital Zandoli 2
Julien Achard und Nicolas Skliris haben für »Digital Zandoli 2« weitere musikalische Schätze von den Westindischen Inseln gehoben.
Music Review
Cuthead
Big Time EP
Auf seiner neuen EP für Rat Life Records bricht Cuthead aus seinen gewohnten Strukturen aus. Weniger soulful soll es sein. Ob das gutgeht?
Music Review
Radiante Pourpre
Radiante Pourpre
Nicht ist heißer als die Tape-Ästhetik der 80er. Alle verbrennen sich die Finger daran. Außer die beiden Hommes aus Bordeaux.
Music Review
Various Artists
Studio One Supreme
Mit »Studio One Supreme« bekommt man jetzt Spätsiebziger- und Frühachtziger-Material des damaligen state of the art der Reggaeproduktion.
Music Review
Million Brazilians
Red Rose & Obsidian
Das Album des Trios aus Portland ist eines, das sich aus dem Fenster lehnt und seinen Kopf im Sturm wiederfindet
Music Review
Abra
Rose
»Rose«, das herzerwärmenden Soul mit kalten Maschinenklängen zusammenzubringende Debüt von Abra, erscheint erstmals auf Vinyl.
Music Review
Shigeto
The New Monday
Neue stilistische Facetten geben »The New Monday« von Shigeto, eine erfrischende Note. Eingefleischte Fans kommen dennoch auf ihre Kosten.
Music Review
Kelela
Take Me Apart
»Take Me Apart«, das Debütalbum von Kelela, kann sich schon mal für den Titel Pop-Album des Jahres warmlaufen.
Music Review
Iglooghost
Neō Wax Bloom
Iglooghost führt die kunterbunte Freak-Show seiner ersten EP auch auf dem Debütalbum »Neō Wax Bloom« fort.
Music Review
Wolves In The Throne Room
Thrice Woven
Wolves In the Throne Room kehren mit »Thrice Woven« zu ihren Wurzeln zurück: Black-Metal-Raserei mit Kreischen und Röcheln.
Music Review
Protomartyr
Relatives In Descent
»Relatives In Descent«, das vierte Album von Protomartyr, ist noch wütender, stoischer und dystopischer als die Vorgänger geworden.
Music Review
Kamasi Washington
Harmony Of Difference
»Harmony Of Difference«, die neue EP von Kamasi Washington, bearbeitet ein in diesen Zeiten wichtiges Thema: die Schönheit der Vielfalt.
Music Review
Greg Fox
Gradual Progression
Greg Fox findet mit »Gradual Progression« vielleicht keine Antworten im engeren Sinn. Dafür Klänge, von denen die Welt erfahren soll.
Music Review
Neddy Smith
Give It Up
Best Record Italy veröffentlicht mit »Give It Up« von Neddy Smith einen weiteren kruden, sexy und coolen Funk-Boogie.
Music Review
Jon Hassell
Fourth World Volume Two: Dream Theory In Malaya
Nur ein Jahr nach »Fourth World Volume One« veröffentlichte Jon Hassel den zweiten Teil. Er ist in vieler Hinsicht noch avancierter.
Music Review
Laraaji
Bring On The Sun
Laraaji hat der elektrisch verstärkten Zither schon vor »Bring On The Sun« ihren Platz in der Musikgeschichte gesichert.
Music Review
Godspeed You! Black Emperor
Luciferian Towers
Mit der aktuellen Verschiebung der sozialen und politischen Realitäten scheint eine neue Dringlichkeit bei GY!BE entstanden zu sein.
Music Review
Girls In Airports
Live
Girls in Airports zeigen auf »Live«, warum sie sich weder in eine Ambient- noch in eine Jazz-Schublade stecken lassen.
Music Review
Kölsch
1989
Mit »1989« schließt der Däne Kölsch seine musikalische Zeitreise ab. Das Finale ist tatsächlich der Höhepunkt dieser Trilogie.
Music Review
Kram aus der Ecke
Got Jazz, Need Money
Bei der Bingener Crew Kram aus der Ecke gilt »Got Jazz, Need Money«. Auf Albumlänge. Was lässig in Serie gehen kann.
Music Review
Cristobal And The Sea
Exitoca
Schon mit ihrem zweiten Album »Exitoca« unterziehen sich Cristobal And The Sea schon einer Generalüberholung.
Music Review
Orson Wells
Pneumatics
»Pneumatics«, das auf Live at Robert Johnson erscheinende Debütalbum von Orson Wells, ist eine futuristische Techno-Platte par excellence.
Music Review
Hypnobeat
Prototech
Hypnobeat können mit dieser Wiederveröffentlichung – zum Teil auch Erstveröffentlichung – ihrer Vergangenheit gar nicht zeitgemäßer sein.
Music Review
Beard In Dust
BAH038
Für »BAH038«, dem neuesten Release des Labels Bahnsteig 23, darf Leonid Lipelis als Beard In Dust sein Können zeigen.
Books Review
Cogitatio.Factum & Jo Preußler (Hrsg.)
The Death Of Graffiti
In The Death Of Graffiti formuliert Oliver Kuhnert eine Fundamentalkritik. Und bittet Kenner und Aktivisten zur Stellungnahme.
Music Review
Lee Ranaldo
Electric Trim
Nichts also mit müdem Alterswerk: »Electric Trim« zeigt Lee Ranaldo so flexibel und spannend, wie selten zuvor.
Music Review
Ninos du Brasil
Vida Eterna
Ninos du Brasil wirken auf ihrem dritten Album »Vida Eterna« verstörender als zuvor. Da gibt es gar kein Vertun. Zumal es klasse ist.
Music Review
Ariel Pink
Dedicated To Bobby Jameson
Nach R. Stevie Moore gräbt Ariel Pink auf »Dedicated To Bobby Jameson« ein weiteres obskures Vorbild aus.
Music Review
Odesza
A Moment Apart
Die Musik von »A Moment Apart«, dem dritten Album von Odesza, ist nicht an Musik-Connaisseure/Kritiker/alte Säcke gerichtet.
Music Review
Fink
Resurgam
Läuft jetzt zwar dem Titel »Resurgam« zuwider, aber das neue Album von Fink ist ist mehr Vollendung als Auferstehung.
Music Review
Trio Da Kali And Kronos Quartet
Ladilikan
Auf »Ladilikan« trifft das Trio Da Kali aus Mali trifft auf das in San Francisco beheimatete, legendäre Streichereinsemble Kronos Quartet.