Music Review | verfasst 28.02.2017
Hanni El Khatib
Savage Times
Innovative Leisure, 2017
Text Steffen Kolberg
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6.9
Redaktion
Cover Hanni El Khatib - Savage Times

Bisher fiel Hanni El Khatib dadurch auf, dass die Innovationskraft seines Retro-Rock’n’Rolls nicht wirklich im Verhältnis zur Aufmerksamkeit zu stehen schien, die ihm zuteil wurde. Nicht dass seine Musik bisher besonders schlecht gewesen ist, doch gegenüber anderen Bands mit ähnlich rückwärtsgewandter Soundorientierung wie den Labelkollegen Allah-Las klang sie schon eher wie eine Kopie der Kopie, sprich nach jemandem, der den zigtausend sogenannten The-Bands des frühen Jahrtausends nacheifert und dabei nicht unbedingt auf neue Ideen kommt. In der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie scheint man sich aber nach diesen Sounds zu sehnen: Songs des Skaterboys aus Los Angeles begleiteten schon Werbespots aller großen Firmen sowie Folgen bekannter US-Serien von »Californication« bis »House«. Vielleicht haben diesbezüglich auch ein paar gute Beziehungen aus El Khatibs vorherigem Brotberuf geholfen. Der heutige Mitinhaber des Innovative-Leisure-Labels arbeitete zuvor als Creative Director bei einem Streetwear-Hersteller. Wie dem auch sei, der Erfolg (und die Position, die er inzwischen bei seinem eigenen Label innehat) ermöglicht dem guten Mann Freiheiten, die er im letzten Jahr in Form seines »Savage Times«-Projekts auslebte. Zwischen April und Dezember 2016 erschienen unter diesem Namen fünf EPs. Format und Veröffentlichungsturnus wurden von Hip-Hop-Mixtapes inspiriert und eröffneten ihm bisher unbekannte Möglichkeiten. Zum Beispiel, sich soundtechnisch mal so richtig auszutoben und die Limitierung im Bandsetting hinter sich zu lassen, die eine Albumproduktion mit sich bringt. Heraus kamen dabei ein paar ordentliche Ausflüge in den Funk, wie beim Sommerhit-tauglichen »Paralyzed«, bei »Peep Show« oder dem völlig freidrehenden »Freak Freely«. Ein verdammt solides Stück Pop wurde die Single »Gun Clap Hero«, die sich mit der wachsenden Brutalität in der US-amerikanischen Gesellschaft beschäftigt. Überhaupt hält das Politische hier und dort Einzug, was Hanni El Khatibs Songs gut tut. So auch beim Ausreißer »Born Brown«, einem stampfenden Industrial-Techno-Stück, in dem der Sohn palästinensischer und philippinischer Einwanderer seine Herkunft thematisiert. Jetzt müsste man nur noch die Songs von diesem 19-Track-Monster streichen, die die typischen ollen Rock’n’Roll-Posen in gewohnter Manier reproduzieren, und man hätte ein grundsolides, ein spannendes Indie-Album.

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