Music Review | verfasst 24.04.2017
Actress
AZD
Warp Records, 2017
Text Tim Caspar Boehme
Deine Bewertung:
6.5
Nutzer (2)
8.5
Redaktion
Cover Actress - AZD

Uff, noch mal gutgegangen. Nach »Ghettoville« hatte Actress ja angekündigt, keine Musik mehr machen zu wollen. Was dann vielleicht doch eher ein Marketing-Trick gewesen sein könnte. Das vierte Album von Darren J. Cunningham lässt zumindest weder Ermüdungserscheinungen noch andere Anzeichen dafür erkennen, dass Actress sich mit der Musik überworfen hat. Auf den schepperintensiven Klang von »Ghettoville« folgt jetzt, mit drei Jahren Abstand, ein überraschend aufgeräumter Cunningham, der eines seiner entspanntesten Statements bisher abliefert. Zugleich sein klarstes. Die Sounds sind übersichtlich, und bei den ersten beiden Nummern könnte man sogar glauben, dass sich Actress vom Clubgeschehen verabschiedet hat. Da geht es nämlich weitgehend beatfrei zu, in »Untitled 7« setzt der Kick erst nach drei Minuten ein, um dann erratisch aus- und angeschaltet zu werden. Sehr schön! Andere Nummern wie »Fantasynth« oder »Blue Window« sind von der Rhythmusprogrammierung mehr oder minder klassisch ruppeliger Actress, wobei die Synthesizer oberhalb einen kristallinen Kontrast bieten. Die kaputte Stimmung von 2014 weicht dann in »Runner« spätestens einer entwaffnenden Euphorie, die alles mitnimmt, was in Hörweite ist. Nicht, dass man von einer im engeren Sinn optimistischen Platte sprechen könnte, doch ist das Verhältnis von Technik und Zukunft hier ein insofern kompliziertes, als auch düstere Aussichten für Cunningham keinesfalls zu bedeuten scheinen, dass man das Tanzen einstellen sollte. Actress hat dazu eine klare Botschaft, man muss ihr bloß lauschen, um sie zu verstehen und für gut zu befinden.

»AZD« von Actress findest du bei hhv.de: Vinyl 2LP und Clear Vinyl 2LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 16.01.2014
Vinyl-Sprechstunde
Actress' »Ghettoville«
In unserer Kolumne diskutieren zwei Personen eine auf Vinyl veröffentlichte aktuelle Schallplatte. Sprechstunde haben diesmal unsere beiden Autoren Florian Aigner und Philipp Kunze. Sie erörtern Actress’ möglicherweise letztes Album.
Music Essay | verfasst 14.02.2017
Records Revisited
The Other People Place – Lifestyles Of The Laptop Café (2001)
Diese Tage erschien die Reissue des vielleicht zugänglichsten Albums aus dem Drexciya-Umfeld. Aber es beschrieb damals auch soziale Prozesse, die unserem Verlangen nach Identität im Wege standen. Und stehen.
Music Review | verfasst 12.02.2014
Actress
Ghettoville
Actress kümmert sich nicht um den Zuhörer. Wenn mal seine masochistische Ader ausprobieren will: hier lohnt es sich!
Music Review | verfasst 01.05.2015
Actress
DJ-Kicks
Für Actress-Verhältnisse geht es heir trotz Abriss-Ambient, Bass, Techno und funkigen Irritationen unkompliziert zu – so muss tanzen!
Music Kolumne | verfasst 03.04.2011
Zwölf Zehner
März 2011
Der März ist um, es lebe der März. Florian Aigner und Paul Okraj lassen den Monat März Revue passieren und destillieren in der neuen Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Bericht | verfasst 05.12.2011
Actress
Live am 2.12. im Berghain in Berlin
Die Frage stand im Raum, was den Zuhörer erwarten durfte bei einem DJ-Set von Actress, dem Produzenten von Splazsh, einem der kryptischsten elektronischen Alben der letzten Zeit.
Music Kolumne | verfasst 03.05.2012
Zwölf Zehner
April 2012
Willkommen im Mai. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat April musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 30.12.2013
Zwölf Zehner
Jahresrückblick 2013 (Teil 1)
Streitbar, scheuklappenfrei, hart und herzlich, House und R&B, Hip-Hop, Trap, Kanye und Post-Everything. Das Kolumnen-Duo plus Kunze schließt das Jahr 2013 mit einer Auswahl seiner 50 liebsten Tracks ab.
Music Review
Robert Hood
Paradygm Shift
Robert Hoods erste LP seit »Motor: Nighttime World 3« bedeutet keine Rückkehr zur alten Form. »Paradygm Shift« updatet aber alte Formeln.
Music Review
T.Raumschmiere
Heimat
Es muss ja in der Musik nicht immer brachial zugehen, um einen Effekt zu erzielen. Mit »Heimat« ist T-Raumschmiere zurück bei Kompakt.
Music Review
Skepta
Konnichiwa
Hören wir Skeptas fünftes Album nochmal vom Hype ausgenüchtert und mit einem Jahr Abstand. Es ist jetzt besser.
Music Review
The Lloyd McNeil Quartet
Asha
1969 in sehr kleiner Auflage veröffentlicht, wird »Asha« von Lloyd McNeill nun bei Soul Jazz Records wiederveröffentlicht.
Music Review
!!!
Shake The Shudder
Schütteln hilft. !!! (Chk Chk Chk) haben mit »Shake The Shudder« das passende Album aufgenommen.
Music Review
So Inagawa
Logo Queen
Eine EP wie »Logo Queen« kann wohl nur in Tokyo entstehen, doch So Inagawas Sound kann und will die ganze Welt erobern.
Music Review
Pearson Sound
Robin Chasing Butterflies
Mit »Robin Chasing Butterflies« sendet Pearson Sound ein Lebenszeichen, das sein bisheriges Werkeln zu einer Dancefllor-Platte kondensiert.
Music Review
Palmbomen II
Memories Of Cindy Pt.1
Musik für ein Twin Peaks-Revival der anderen Art. Schauplatz: eine verglaste Mall mit unzähligen Wasserfällen und Buddha-Statuen.
Music Review
Oratorium
»Oratorium«
DJ Scientist schlägt dem Teufel ein Schnippchen – und legt mit dem Release der »Oratorium« LP ein geiles Zeugnis für Xian Krautmaterial ab.
Music Review
Annie Anxiety
Soul Possession
Man muss dieses Album nicht gerne hören, dafür vollstes Verständnis. Gehört haben aber sollte man es, denn es gibt wenig Vergleichbares.
Music Review
Jukka Eskola
Soul Trio
Besseren Retro-Jazz findet man in Europa nirgends: Jukka Eskola überzeugt mit seinem »Soul trio«, zu dem auch Timo Lassy gehört.
Music Review
Jonny Nash & Suzanne Kraft
Passive Aggressive
Ambient, Balearic, New Age, whatever: viel neue Musik für den Smoothie trinkenden Großsstädter. Das meiste ist Ausschussware.
Music Review
Jan Van Den Broeke
1100 Dreams
Ein Album irgendwo zwischen gerade aufgewacht und Mittagsschlaf, halb sediert und ganz sicher noch nicht draußen gewesen.
Music Review
Soul Scratch
Pushing The Fire
Soul Scratch überraschen auf »Pushing The Fire« mit einem Sound, der im Soul-Genre seinesgleichen sucht.
Music Review
Jurriaan Andriessen
The Awakening Dream
Der Komponist Juriaan Andriessen hatte in den 1970er Jahren drei Platten mit Synthesizermusik aufgenommen. Darunter: »The Awakening Dream«..
Music Review
Swans / Michael Gira
The Great Annihilator / Drainland
Mit der Reissue von »The Great Annihilator«, ursprünglich 1995 erschienen, ist nun beinahe das gesamte Schaffen der Swans wieder zugänglich.
Music Review
Sóley
Endless Summer
Sóley ist auf ihrem dritten Album, »Endless Summer«, sehr viel positiver gestimmt als gewöhnlich. Die gute Laune ist nur vordergründig.
Music Review
Luke Vibert
UK Garave Vol.1
Scheißt auf Trends und tantz: Luke Viberts meldet sich mit »UK Garave Vol.1« zurück. Und wie!
Music Review
Alice Coltrane
World Spirituality Classics 1
Luaka Bop macht unveröffentlichte Musik von Alice Coltrane, aufgenommen in einem Ashram-Tempel, zugänglich.
Music Review
Mac DeMarco
This Old Dog
Mac DeMarco schaltet auf »This Old Dog« mindestens einen Gang zurück. Weniger knuffig, niedlich und kuschelig ist er deshalb nicht.
Music Review
Umoja
707
In den Achtzigern füllten Umoja in ihrer Heimat Südafrika ganze Stadien. Awesome Tapes From Africa veröffentlicht nun ihr Album »707« erneut
Music Review
Bonnie Prince Billy
Best Troubador
Mit seinem neuesten Werk, »Best Troubador«, zollt Singer und Songwriter Bonnie Prince Billy seinem Kollegen Merle Haggard Tribut.
Music Review
Gorillaz
Humanz
Im beinahe zwanzigsten Jahr ihres Bestehens und sieben Jahre nach »The Fall« gibt es ein neues Album der Gorillaz.
Music Review
Matthew Herbert
Brand New Love - 12"
Matthew Herbert knüpft gemeinsam mit Zilla an seinem Album »The Shakes« an. Auf »Brand New Love« gewinnt aber der Special Request-Remix.
Music Review
Arto Lindsay
Cuidado Madame
Mit »Cuidado Madame« kehrt Arto Lindsay zu seinen bewährten Hybriden aus lateinamerikanischen Rhythmen, Pop und Krach zurück.
Music Review
Benoit Hutin
Electronic
Fünf Originale und vier Edits des französischen Komponisten Benoit Hutin finden sich auf dem neuesten Release von Camisole Records.
Music Review
Timber Timbre
Sincerely, Future Pollution
Timber Timbre ist mit »Sincerely, Future Pollution« ihr sperrigstes und gleichzeitig herausfordernstes Werk gelungen.
Music Review
bsd.u
»Pook«
Der kanadische Beatmaker bsd.u legt mit »Pook« ein neues Album vor. In Europa ist es exklusiv via hhv.de erhältlich.
Music Review
Little Cub
Still Life
Little Cub müssen mit ihrem Debüt »Still Life« beweisen, dass die Vorschusslorbeeren ihre Berechtigung haben.
Music Review
Jan Jelinek
Loop-Finding-Jazz-Records
Jan Jelineks »Loop-Finding-Jazz-Records« versperrte sich mit ihrem subtilen Humor vor der Avantgarde. Jetzt wurde das Album neu aufgelegt.
Music Review
Joshua Abrams & Natural Information Society
Simultonality
Seit den 1990er Jahren ist Joshua Abrams eine feste Größe in Chicago. Mit »Simulatonality« soll er endlich hierzulande entdeckt zu werden.
Music Review
Ephemerals
Egg Tooth
Die Soulmusiker Ephemerals legen mit »Egg Tooth« ihr drittes Album vor und haben sich einiges vorgenommen.
Music Review
Joe Goddard
Electric Lines
Joe Goddard erfüllt sich mit »Electric Lines« einen Traum und macht sein erstes Soloalbum zu einem Produzent-plus-Features-Werk.
Music Review
Actress
AZD
Vor drei Jahren hat Actress seinen Abschied von der Musik verkündet, nun kehrt er mit »AZD« zurück – aufgeräumter denn je.
Music Review
Joey Bada$$
All-AmeriKKKan Badass
Joey Badass, der Fakelträger der Nineties-Nostalgie, meldet sich zurück – mit weniger Boombap, dafür mehr Black-Lives-Matter-Bezug.
Music Review
Mr. Mitch
Devout
»Devout«, das neue Album von Mr. Mitch, ist Soul und Pop auf der Basis von UK Bass und Grime.
Music Review
Retrogott & Motion Man
Pen Pals EP
Retrogott und Motion Man und KutmastaKurt haben eine ganz eigene Vorstellung von Rap und diese auf der »Pen Pals EP« toll umgesetzt.
Music Review
El Michels Affair
Return To The 37th Chamber
Der Produzent Leon Michels und seine Gruppe El Michels Affair erweisen mit »Return To The 37th Chamber« erneut dem Wu-Tang Clan die Ehre.
Music Review
Jan Schulte
Tropical Drums Of Deutschland
Für das Kopenhagener Label Music For Dreams gewährt uns Jan Schulte einen Schulterblick in seine erlesene Sammlung deutscher Tribal-Platten.
Music Review
Sylabill Spil
Der letzte weiße König
»Der letzte weiße König«, das neue Album des brachialen Deutschrappers Sylabil Spill ist mitreißend. Unsere Autorin fragt sich: warum?
Music Review
FYI Chris
Snafubar EP
Mit den vier Tracks der »Snafubar EP« geben die beiden Londoner FYI Chris ihr Debüt für Rhythm Section International.