Music Review | verfasst 11.05.2017
Jonny Nash & Suzanne Kraft
Passive Aggressive
Melody As Truth, 2017
Text Philipp Kunze
Deine Bewertung:
/
Nutzer
7.7
Redaktion
Cover Jonny Nash & Suzanne Kraft - Passive Aggressive

Schön und langweilig sind durch eine ziemlich schmale Linie getrennt, man kennt das aus dem Leben – und von Musik. Ambient, Balearic, New Age, whatever: es mangelt definitiv nicht an Soundtracks für Großstädter, die sich am Wochenende ein Näschen auf dem Rave gönnen, montags in einem lichtdurchfluteten Atelier Yoga machen und alles in allem eigentlich so ziemlich vegan leben. Das meiste ist Ausschussware. »Passive Agressive« nicht. Warum nicht, ist immer schwer zu beschreiben, wenn niemand singt und niemand auf die Trommel klopft. Die Synthpads haben genau die richtige Klangfarbe, das Klavier hält sich von der Bar fern, der Doppelbass gibt dem ganzen einen Bauch, wo sonst nur auf dem in der Abendsonne glitzernden Wasser die Spinnenbeinchen kaum wahrnehmbare Kreise ziehen würden. Die erste Zusammenarbeit von Jonny Nash (Amsterdam) und Suzanne Kraft (L.A) auf Albumlänge (gemeinsame 7inch letztes Jahr) gelingt. Sie gelingt ganz sicher auch, weil die Chemie zwischen den beiden stimmt. Und wo Chemie stimmt, da darf Stille sein. Man kennt das aus dem Leben… Die Stille hat hier genau denselben Stellenwert wie der einzelne Ton, was wiederum den einzelnen Ton aufwertet. Nash und Kraft fordern nicht zu viel von ihrem Chill-Out-Ambient, aber eben auch nicht zu wenig. Hier ist so spürbar Musik dahinter, ein Raum, Menschen, die Autobahn unter dem Schlafzimmerstudio, eine in sich abgeschlossene Atmosphäre. Fairerweise: man wird oft viel von diesem Album verschlafen. Was in Ordnung ist. »Passive Agressive« (beschissener Albumtitel übrigens) ist genau die Musik für die Minute, in der die Gedanken ihren Rahmen verlieren und ins Halbschlaf-Aquarell verlaufen.

»Passive Aggressive« von Jonny Nash & Suzanne Kraft findest du bei hhv.de auf LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 01.02.2017
Aigners Inventur
Januar 2017
Auch im neuen Jahr setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Run The Jewels, Tornado Wallace und Fjaak.
Music Interview | verfasst 12.06.2015
Sylabil Spill & Ghanaian Stallion
»Rap ist immer Ventil«
Alles ist ein Duell. Sylabil Spill fechtet sie im 1vs1 mit Whack-MCs und auf einer Metaebene mit der Gesellschaft aus. Jetzt hat er gleich zwei neue EPs veröffentlicht. Eine davon mit Ghanaian Stallion. Wir trafen das Duo zum Gespräch.
Music Review | verfasst 19.06.2015
MoTrip
Mama
Sein zweites Album »Mama« wird MoTrips Standing als einer der besten Rapper Deutschlands zwar nicht zementieren, aber verankern.
Music Kolumne | verfasst 10.06.2015
Aigners Inventur
Mai 2015
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: A$AP Rocky, Jamie XX, Shamir und Jenny Hval.
Music Review | verfasst 17.06.2015
Hudson Mohawke
Lantern
Neue Maßstäbe soll »Lantern« setzen. Stattdessen setzt es sich auf seinen aufgeblasenen Hochglanz-Hintern-
Music Porträt | verfasst 11.06.2012
alt-J (∆)
Das magische Dreieck
Die vier Briten heißen wie ein Dreieck, das entsteht, wenn man auf der englischen Ausführung des Macbooks das Kürzel »alt-J« benutzt. Sie spielen mit neumodischen Schnickschnack versehenen Folk und werden als nächstes großes Ding gehandelt.
Music Review
Kutmah
TROBBB!
Vorschusslorbeeren ohne Ende. Und Kutmah liefert. »TROBBB!« ist ein einstündiger Fiebertraum, der nach allen Seiten ausfranst.
Music Review
Oneohtrix Point Never
OST Good Time
Oneohtrix Point Never zeichnet sich verantwortlich für den Score zu »Good Time«. Dafür gab es den Preis für den besten Soundtrack in Cannes.
Music Review
Various Artists
Domestic Sampler UMYU
Punk-Attitüde, Blasinstrumente und Drumcomputer: So klang Barcelonas experimentelle Musikszene 1982
Music Review
Various Artists
Soul Of A Nation
Zeitgleich zur Eröffnung der Ausstellung »Soul Of A Nation« in der Tate Modern in London erscheint bei Soul Jazz die passende Compilation.
Music Review
Nepumuk & Sir Serch
»La Bohème«
Nepumuk und Sir Serch sind »La Bohème« – »Die Oligarchen im Wunderland« bzw. »Der exzentrische Vagabund und der Rapper mit dem Penis«.
Music Review
Esmark
Māra I + II
Nikolai von Sallwitz und Alsen Rau haben ihr Projekt Esmark nach einem Gletscher in Spitzbergen benannt und zwei Debütalben veröffentlicht.
Music Review
Arcade Fire
Everything Now
Mit »Everything Now« arbeiten Arcade Fire weiter daran, die größte Band der Welt zu sein. Daft Punk helfen ein bisschen dabei.
Music Review
Ross From Friends
The Outsiders EP
Geschmack ist Trumpf in der Welt des »Lo-Fi-Houses« von Ross From Friends, der mit »The Outsiders« nun sein EP-Debüt gibt.
Music Review
Robson Jorge & Lincoln Olivetti
Robson Jorge & Lincoln Olivetti
Mr Bongo Records heben das nächste Juwel: zum selbstbetitelten Album der Brasilianer Robson Jorge & Lincoln Olivetti aus dem Jahre 1982.
Music Review
Bola
D.E.G.
Bola zeigt mit »D.E.G«, dass er nach über 30 Jahren Synthesizerarbeit weiß, wie man den perfekten Klang herauskitzelt.
Music Review
Toro y Moi
Boo Boo
Toro y Moi zeigt auf seinem neuen Album »Boo Boo«, was die wirkliche Konstante in seinem Ouevre ist: die Kunst des Songwritings.
Music Review
DJ Tennis
DJ-Kicks
Für die »DJ-Kicks«-Reihe von !K7 Records schaut DJ Tennis zurück auf seine frühen Jahre und auf Künstler die ihn damals inspirierten.
Music Review
Haim
Something To Tell You
Auf dem zweiten Album von Haim, »Something To Tell You«, ergänzen die Schwestern neue Einflüsse und manifestieren ihre Nähe zum Chart-Pop.
Music Review
Mark McGuire
Ideas Of Beginning
Sechs lange Jahre konnte Mark McGuire sein Können nicht auf den Punkt bringen. »Ideas Of Beginning« ist daher eine Überraschung.
Music Review
Tito Wun
Tito's Edits
Auf der ersten Solo-EP seines House-Pseudonyms liefert Twit One/ Tito Wun Sommerhits en masse und rettet nebenbei den »Edit« als Kunstform
Music Review
Marlon Jackson/Tony Cook
You Wanna Jam You Wanna Party/I Ain't Going Nowhere
Das Label Peoples Potential Unlimited aus Washington, D.C. gräbt einmal mehr ein in seiner Überladenheit tolles Release aus.
Music Review
Various Artists
Too Slow To Disco Vol.3
Mit dieser Musik lässt sich bestens polarisieren: die Reihe «Too Slow To Disco« geht in die dritte Runde.
Music Review
Classic der Dicke
»Grüne Eminenz«
Classic der Dicke keept es cool – und holt »freshen Shit aus dem Kühlschrank“. Indem er seiner neuen LP die »Grüne Eminenz“ markiert.
Music Review
KAren Gwyer
Rembo
»Rembo« zeichnet den Weg nach, den Karen Gwyer stilistisch in den vergangenen Jahren beschritten hat.
Music Review
Beach House
B-Sides and Rarities
Beach House verkürzen das Warten auf ihr nächstes Album mit einer Zusammenstellung von »B-Sides and Rarities«.
Music Review
Illa J
Home
Als Bruder von J Dilla hat man es auch elf Jahre nach dessen Tod schwer: »Home«, das dritte Album von Illa J, zeigt: völlig zu Unrecht.
Music Review
Various Artists
Space, Energy & Light
82 Minuten behaglich entrückte Soundscapes von 14 Künstlern finden sich auf »Space, Energy And Light« wieder.
Music Review
Floorplan
Let the Church - 12"
»Let The Church« ist ein typischer Release für Robert Hood’s Alias Floorplan, in der besonders der Lyrics Remix ein Ausrufezeichen setzt..
Music Review
Radiohead
OK Computer OKNOTOK 1997-2017
Vor zwanzig Jahren ist »OK Computer« von Radiohead erschienen, also erscheint zum Jubiläum eine erweitere Neuauflage.
Music Review
Laurel Halo
Dust
Überraschenderweise ist »Dust« erst das dritte Album von Laurel Halo. Diesmal sind mit Julia Holter oder Eli Keszler auch Gäste dabei.
Music Review
Jeff Tweedy
Together At Last
Wilcos Jeff Tweedy spielt auf »Together At Last« eine Auswahl seiner eigenen Songs auf einer Akustikgitarre nach.
Music Review
Peven Everett
Stuck
Groovin Records veröffentlicht elf Jahre nach der ersten Veröffentlichung eine Reissue von Peven Everetts »Stuck«.
Music Review
The Drums
Abysmal Thoughts
Jonny Pierce und sein Projekt The Drums beschäftigen sich diesmal mit Nietzsche und gehen dessen »Abysmal Thoughts« nach.
Music Review
Nick Murphy (Chet Faker)
Missing Link EP
Für die »Missing Link EP« fungiert der australische Musiker Chet Faker erstmals unter seinem bürgerlichen Namen Nick Murphy.
Music Review
Kevin Morby
City Music
Mit »City Music«, dem zweiten Solowerk innerhalb von zwei Jahren, spielt sich Kevin Morby endgültig frei.
Music Review
Various Artists
Oté Maloya
Die Compilation »Oté Maloya« beleuchtet ein kleines Genre afrikanischer Musik auf der kleinen Insel La Réunion im Indischen Ozean.
Music Review
Can
The Singles
Das hat es so noch nicht gegeben: Eine Zusammenstellung aller Singles von Can, zwischen 1969 und 1990 erschienen, chronologisch geordnet.
Music Review
Brownout
Brown Sabbath Vol. 2
Eine Latin-Funk-Band aus Austin, Texas, die ein Album mit Black Sabbath-Coverversionen bestreitet? Klingt bescheuert? Ist es irgendwie auch.
Music Review
Com Truise
Iteration
Auf »Iteration« hat Com Truise die Wiederholung des Sounds selbst zum Kunstwerk erhoben.
Music Review
Ekoplekz
Bioprodukt
Ekoplekz alias Nick Edwards kann, wenn er will, sehr kaputt daherkommen. Auf »Bioprodukt« klingt er bemerkenswert warm.
Music Review
Felicia Atkinson
Hand In Hand
Hand In Hand« besitzt das Skulpturale von reiner Klangkunst. Aber auch die unfixierte Weite von Dub und Erotik.
Music Review
Fleet Foxes
Crack-Up
Fleet Foxes konzentrieren sich auf »Crack-Up« auf die musikalisch-ästhetische Seite und machen es so zu ihrem bislang besten Album.
Music Review
Phoenix
Ti Amo
Phoenix huldigen auf »Ti Amo« la dolce vita und doch fühlt man sich die ganze Zeit bestens unterhalten.
Music Review
Gaby Hernandez
Spirit Reflection
Tiefe, Rätsel, Sinnlichkeit, an einer nur scheinbar glatten Oberfläche: Gaby Hernandez veröffentlicht ihr Album »Spirit Reflection«.
Music Review
Tindersticks
Minute Bodies
Die Tindersticks verantworten den Score zu dem Dokumentarfilm »Minute Bodies: The Intimate World Of F. Percy Smith«.
Music Review
Todd Terje
Maskindans
Die in menschliche Form gegossene Sommerhit-Maschine namens Todd Terje versucht es mal wieder.