Music Review | verfasst 01.05.2017
Arto Lindsay
Cuidado Madame
Northern Spy, 2017
Text Tim Caspar Boehme
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7.8
Redaktion
Cover Arto Lindsay - Cuidado Madame

Fast schien es, als hätte sich das mit neuen Releases von Arto Lindsay erledigt. Nach »Salt« von 2004 hatte es keinen richtigen Nachfolger mehr gegeben, von einem Konzertmitschnitt mit dem norwegischen Schlagzeuger Paal Nilssen-Love und der »Encyclopedia of Arto« einmal abgesehen, die immerhin zur Hälfte aus neuen Versionen von Lindsay-Klassikern bestand. Weniger brasilianische Elemente in beiden Fällen, dafür viel Noise. Mit »Cuidado Madame« kehrt er jetzt zu seinen bewährten Hybriden aus lateinamerikanischen Stilen, Pop und Krach zurück. Auf den ersten Blick scheint er einerseits business as usual zu betreiben, andererseits diffuser als zuvor im Songwriting geworden zu sein. Was sogar leicht enttäuschen könnte, nach einmaligem Hören. Dabei sollte man es aber nicht belassen. Denn Arto Lindsay hat sich fast noch mehr als bisher auf brasilianische Rhythmen, insbesondere der Candomblé-Musik, konzentriert und diese behutsam in Songs integriert, die auf halber Strecke durchaus die Form wandeln, von Strophe und Refrain in repetitives Jammen kippen können. Und wie er früher Interesse an Beats von HipHop bis Drum ’n Bass zeigte, sind auch die globalisierten Clubentwicklungen jüngerer Zeit nicht an ihm vorbeigegangen. All dies findet sich »Cuidado Madame« in meist unerwarteter Form, gepaart mit vintage Lindsay – die im Staccato geschrabbelte Gitarre ist ebenso geblieben wie seine fast körperlos durchdringende Stimme. Keine Ermüdungserscheinungen, sondern bloß die ein oder andere erfreuliche Verschiebung.

»Cuidado Madame« von Arto Lindsay ist bereits bei Northern Spy erschienen.
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