Music Review | verfasst 01.05.2017
Benoit Hutin
Electronic
Camisole, 2017
Text Lars Fleischmann
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Nutzer
7.7
Redaktion
Cover Benoit Hutin - Electronic

Das »Library«-Etikett bedeutet seit einigen Jahren ja schon einen Verkaufserfolg. Eine nicht geringe Zahl an Diggern und Sammlern hat sich der Werbe- und Film/Fernsehvertonung verschrieben. Diese meist merkwürdig und off wirkenden Nummern zwischen Muzak und eigener Kunsthaftigkeit können einem aber auch den Verstand rauben. Benoit Hutins »Electronic« von 1980 ist genau so eine Ansammlung solcher Nummern, die in ihrer absurden Space-artigkeit wirken und mitreißen. Das hat gefühlt auch häufig nicht-rationale Gründe. Interessanter Weise hat sich das Label Camisole Records nun entschieden diese nicht zu packende Energie dann doch einzufangen. So findet man neben fünf originalen Stücken, auch vier Edits. Da ist tatsächlich mal eine interessante Re-Issue-Politik. Man represst nicht einfach, sondern lässt durch Auslassung (das Original-Album enthält 15 Tracks) eher den Eindruck einer Interpretation des Ausgangsmaterials zu. Das ist insofern spannend anders und auf den ersten Blick unbefriedigend, da die Verfügbarkeit des Albums extrem gering ist und man enorme Preise für Kopien zahlen muss. Im Hause Camisole konzentriert man sich jedoch darauf Platten zu veröffentlichen, die tight in ihrer Auswahl sind. Durchhörbarkeit (eine Qualität, die häufig vernachlässigt wird) bei gleichzeitiger Fokussierung auf den auflegenden Teil der Bevölkerung. So stellen sich die Edits eben auch in diesen Dienst: Interessante Interpretationen zu sein, die vor allen Dingen zum Auflegen aufrufen und sich der Durchtanzbarkeit widmen. Das ist erfrischend logisch und praktisch, wenn auch ungewohnt; und man freut sich letztlich, dass hier mal ein junges Label entsteht, dem es nicht um Repress-Ruhm geht. Hier möchte man einfach gute Platten veröffentlichen.

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