Music Review | verfasst 09.05.2017
Jurriaan Andriessen
The Awakening Dream
Bureau B, 2017
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover Jurriaan Andriessen - The Awakening Dream

Eine musikalische Familie: der Vater (Hendrik) Komponist, der jüngere Brüder (Louis) ebenfalls, und auch Juriaan Andriessen arbeitete als ausgebildeter Tonsetzer. Studiert hatte er u.a. bei Olivier Messiaen in Paris. Ein rein akademischer Vertreter des Neue Musik-Betriebs war er jedoch nicht: Er schrieb neben Werken für den Konzertsaal auch Schauspiel- oder Filmmusik. Und nahm in den 1970er Jahren drei Schallplatten mit Synthesizermusik auf, darunter »The Awakening Dream« von 1977. Anders als Andriessens Werdegang vermuten ließe, ist die Musik harmonisch, zurückgelehnt, fast eine Art Easy Listening-Ambient. Hier und da könnte man an einen holländischen Bruder im Geiste von Cluster denken. Andriessen legt sich nicht auf eine Stimmungslage und einen durchgehenden Sound fest, sondern arrangiert seine Patterns je nach Bedarf wie elektronische Funk-Jams oder gibt den Klängen genügend Freilauf zum Schweben. Selbst vor dezentem Kitsch – in homöopathischen Dosen wohlgemerkt – hat er wenig Angst. Das Verbindende und Erfreuliche an dem Album ist Andriessens fast kindliche Neugier auf Obertonkonstellationen, ohne sich auf bestimmte Avantgarde-Parameter oder Spielregeln festlegen zu wollen. Vielleicht fehlt dem Ganzen lediglich ein kleines bisschen Mehr an Neugier, um einen wirklich unabhängigen Platz neben anderen elektronischen Platten der Zeit einnehmen zu können. Das Bedürfnis nach künstlichen Paradiesen bedient Andriessen aber durchaus zufriedenstellend.

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