Music Review | verfasst 15.06.2017
Felicia Atkinson
Hand In Hand
Shelter Press, 2017
Text Philipp Kunze
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.7
Redaktion
Cover Felicia Atkinson - Hand In Hand

Im besten Fall kitzelt einen Kunst am Kopf. An irgendeinem Zentrum, wo dann irgendetwas kribbelt, nicht nur an der Haut, sondern auch da wo gleichzeitig die Euphorie und die Trauer liegt. Wie ein Nieser, dessen Materialisierung auf halber Strecke plötzlich zum Drahtseil-Akt wird. Felicia Atkinson legt mit »Hand In Hand« ein Album vor, das genau das kann. Klimpern, Zirpen, modulare und MIDI-Electronics, und vor allem: diese Stimme. Sie flüstert, aber ihre Spitze vibriert, und mit ihr die kleinen Härchen und die Zehenspitze zuckt. Der Nieser. Oder das, was mehr ist als er. In »Hand In Hand« steckt gerade genug Sinnlichkeit, die das Album davor bewahrt, reine Kunstaustellungs-Musik zu sein. Es zieht einen in einen Raum, der die Wahrnehmung schärft. Man hat das Gefühl, Frequenzen wahrzunehmen, die einem sonst verborgen bleiben; vom tiefsten Bass bis zum höchsten Fiepsen. Atkinsons Stimme, mal mit den Prothesen elektronischer Verfremdung, mal als nacktes, undurchsichtiges Wesen, erzählt ihre Geschichten: von Information oder einem Ferocactus. Beides Dinge, von denen man nicht zu viel am Kopf haben will, aber nicht genug davon bekommen kann, wenn Atkinson sie einem flüstert. Genau deshalb kribbelt es ja so. »Hand In Hand« besitzt das Skulpturale von reiner Klangkunst. Aber auch die unfixierte Weite von Dub und Erotik. Irgendwo dazwischen sitzt es fest. Dass es einem schaudert.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 26.01.2012
Pete Swanson & Rene Hell
Waiting For The Ladies
Zwei herausragende Vertreter der amerikanischen Avantgarde teilen sich die zwei Seiten einer Langspielplatte.
Music Review | verfasst 06.10.2015
Stephen O'Malley
Eternelle Idole
Stephen O’Malleys »Eternelle Idole« ist ein Eiskunstlaufscore. Selbst bebildert gibt die Musik allein nicht preis, was dabei geschieht.
Music Liste | verfasst 16.06.2017
Ausklang | 2017KW24
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Interview | verfasst 12.06.2015
Sylabil Spill & Ghanaian Stallion
»Rap ist immer Ventil«
Alles ist ein Duell. Sylabil Spill fechtet sie im 1vs1 mit Whack-MCs und auf einer Metaebene mit der Gesellschaft aus. Jetzt hat er gleich zwei neue EPs veröffentlicht. Eine davon mit Ghanaian Stallion. Wir trafen das Duo zum Gespräch.
Music Review | verfasst 19.06.2015
MoTrip
Mama
Sein zweites Album »Mama« wird MoTrips Standing als einer der besten Rapper Deutschlands zwar nicht zementieren, aber verankern.
Music Kolumne | verfasst 10.06.2015
Aigners Inventur
Mai 2015
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: A$AP Rocky, Jamie XX, Shamir und Jenny Hval.
Music Review
M.E.S.H.
Hesaitix
Aus »Hesaitix« nimmt M.E.S.H. Abstand von den brutalen Klangdekunstruktionen vergangener Veröffentlichungen.
Music Review
Various Artists
Pantsula!
DJ Okapi und Antal haben für Rush Hour die Compilation »Pantsula! – The Rise of Electronic Dance Music in South Africa« zusammengestellt.
Music Review
Keiji Haino, Jim O'Rourke & Oren Ambarchi
This Dazzling, Genuine »Difference« Now Where Shall It Go?
Auf »This Dazzling, Genuine ›Difference‹ Now Where Shall It Go?« finden sich Keiji Haino, Jim O’Rourke und Oren Ambarchi erneut zusammen.
Music Review
Call Super
Arpo
Überraschen geht immer noch. Auch in der elektronischen Musik. »Arpo«, das neue Album von Call Super, überrascht.
Music Review
Gabor Szabo
Dreams
Es muss ja eben nicht immer voran gegangen werden, wenn Ort und Stelle genießbar sein sollen.
Music Review
Angel Olsen
Phases
»Phases« zeigt zwischen 2010 und 2016 entstandenes Material der Sängerin und Songwriterin Angel Olsen.
Music Review
Serge Gainsbourg & Jean-Claude Vannier
Les Chemins De Katmandou
Würde man 10km gegen jeden Pot-Smoke erkennen als Album der beiden. Musste aber erstmal aus den Flammen gerettet werden.
Music Review
Spirit Fest
Spirit Fest
Wenn hier »Supergroup« auf dem Beilagenzettel steht, bekommst du eine Gruppe Musiker ohne Allüren: Zum Debüt von Spirit Fest.
Music Review
Spinning Coin
Permo
Für ein Debüt erstaunlich ausgereift: Spinning Coin ist mit »Permo« ein abwechslungsreiches Album gelungen.
Music Review
Eye
Cocktail Mexico
Unwiderstehlich, aber nicht unabdingbar: Eye legt nach ihrem umwerfenden Debüt-Album eine EP vor.
Music Review
Various Artists
Studio One Black Man's Pride
Die 18 Songs auf »Studio One Black Man’s Pride« legen, jeder auf seine Weise, Zeugnis von schwarzem Selbstbewusstsein ab.
Music Review
Felix Kubin
Takt der Arbeit
Felix Kubin hat sich für »Takt der Arbeit« den Rhythmus der kapitalistischen Gegenwartsökonomie zum Vorbild genommen.
Music Review
Coil
Time Machines
Die knapp 20 Jahre, die das 1998 erstmals veröffentlichte »Time Machines« von Coil mittlerweile alt ist, hört man ihm an keiner Stelle an.
Music Review
Various Artists
Jukebox Mambo Vol.3
Seit 2012 stellt DJ Liam Large die »Jukebox Mambo«-Reihe zusammen und dokumentiert nun erneut die Bandbreite dieser ungewöhnlichen Klänge.
Music Review
Curtis Harding
Face Your Fear
Diese Stimme und die Produktion machen »Face Your Fear« von Curtis Harding zum Retro-Album des Jahres.
Music Review
Helena Hauff
Have You Been There, Have You Seen It
Jede Synthesizerspur eine metallische Blubbersequenz: »Have You Been There, Have You Seen It« von Helena Hauff endet viel zu rasch.
Music Review
Gregory Porter
Nat »King« Cole & Me
Gregory Porter huldigt gemeinsam mit dem London Symphony Orchestra auf »Nat King Cole & Me« seinem Vorbild. Das gelingt nur teilweise.
Music Review
Visionist
Value
Auf seinem zweiten Album »Value« entwickelt Visionist seinen kristallinen High-Fidelity-Noise konsequent weiter.
Music Review
Grandbrothers
Open
»Operation am offenen Herzen eines Flügels«: das Düsseldorfer Duo Grandbrother hat ihr zweites Album »Open« veröffentlicht.
Music Review
Sugai Ken
UkabazUmorezU
Um die Nacht geht es auf »UkabazUmorezU«, dem wohl fünften Album des Japaners Sugai Ken. Um die Nacht geht es ihm insgesamt in seiner Musik.
Music Review
Högni
Two Trains
Ein Album zu Ehren von Minør und Pionér. Den einzigen beiden Eisenbahnen, die je auf isländischem Boden fuhren.
Music Review
Fünf Sterne Deluxe
Flash
Fernab von Trends oder Relevanz ist »Flash«, das neue Album von Fünf Sterne Deluxe, genau das, was man erwarten durfte: ein großer Spaß.
Music Review
Serge Bulot
Les Legendes De Brocéliande
Ein ätherisch schönes Album irgendwo zwischen Leftfield-Ambient, New Age-Pathos und Electronic Jazz.
Music Review
Itadi K. Bonney
Inye
»Inye« von Itadi ist nun neu gemastert und um zwei bislang unveröffentlichte Tracks ergänzt auf Hot Casa erschienen.
Music Review
Zugezogen Maskulin
Alle Gegen Alle
Wie schwer es ist, seinen Platz zu finden und dann zu halten – davon wissen Zugezogen Maskulin zu erzählen.
Music Review
Lee Gamble
Mnestic Pressures
Die Rache der Erinnerung. Irgendetwas lastet auf dem Gedächtnis. »Mnestic Pressure« dazu zu sagen, klingt allerdings wesentlich besser.
Music Review
Four Tet
New Energy
Die dritte Inkarnation des Four Tet haut eher nicht vom Hocker. Doch »New Energy« ist immer noch eine verdammt gute Platte.
Music Review
Tresque
Lensomni EP
Minimalistischer Techno im Thomas Brinkmann’schen Sinne findet sich auf der »Lensomni EP«, der erst zweiten Veröffentlichung von Tresque.
Music Review
Beck
Colors
Beck greift auf seinem neuen Album »Colors« so schamlos wie nie zuvor in die bunte Trickkiste des Pop.
Music Review
Fatima Al Qadiri
Shaneera EP
Das ist ganz große, hochartifizielle Ausrast-Kunst und selbstverständlich ein politisches Statement. Und dazu ein wichtiges.
Music Review
King Gizzard & The Lizard Wizard
Sketches Of Brunswick East
»Sketches Of Brunswick East« ist zurückgelehnter und nicht ganz so überdreht, wie von King Gizzard & The Lizard Wizard gewohnt.
Music Review
Juju & Jordash
Sis-Boom-Bah
Juju & Jordash neues Album folgt dem klassischen Jam-Prinzip. Klingt aber von langer Hand geplant.
Music Review
Various Artists
Digital Zandoli 2
Julien Achard und Nicolas Skliris haben für »Digital Zandoli 2« weitere musikalische Schätze von den Westindischen Inseln gehoben.
Music Review
Cuthead
Big Time EP
Auf seiner neuen EP für Rat Life Records bricht Cuthead aus seinen gewohnten Strukturen aus. Weniger soulful soll es sein. Ob das gutgeht?
Music Review
Radiante Pourpre
Radiante Pourpre
Nicht ist heißer als die Tape-Ästhetik der 80er. Alle verbrennen sich die Finger daran. Außer die beiden Hommes aus Bordeaux.
Music Review
Various Artists
Studio One Supreme
Mit »Studio One Supreme« bekommt man jetzt Spätsiebziger- und Frühachtziger-Material des damaligen state of the art der Reggaeproduktion.
Music Review
Million Brazilians
Red Rose & Obsidian
Das Album des Trios aus Portland ist eines, das sich aus dem Fenster lehnt und seinen Kopf im Sturm wiederfindet
Music Review
Abra
Rose
»Rose«, das herzerwärmenden Soul mit kalten Maschinenklängen zusammenzubringende Debüt von Abra, erscheint erstmals auf Vinyl.
Music Review
Shigeto
The New Monday
Neue stilistische Facetten geben »The New Monday« von Shigeto, eine erfrischende Note. Eingefleischte Fans kommen dennoch auf ihre Kosten.
Music Review
Kelela
Take Me Apart
»Take Me Apart«, das Debütalbum von Kelela, kann sich schon mal für den Titel Pop-Album des Jahres warmlaufen.
Music Review
Iglooghost
Neō Wax Bloom
Iglooghost führt die kunterbunte Freak-Show seiner ersten EP auch auf dem Debütalbum »Neō Wax Bloom« fort.