Music Review | verfasst 15.06.2017
Felicia Atkinson
Hand In Hand
Shelter Press, 2017
Text Philipp Kunze
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8.7
Redaktion
Cover Felicia Atkinson - Hand In Hand

Im besten Fall kitzelt einen Kunst am Kopf. An irgendeinem Zentrum, wo dann irgendetwas kribbelt, nicht nur an der Haut, sondern auch da wo gleichzeitig die Euphorie und die Trauer liegt. Wie ein Nieser, dessen Materialisierung auf halber Strecke plötzlich zum Drahtseil-Akt wird. Felicia Atkinson legt mit »Hand In Hand« ein Album vor, das genau das kann. Klimpern, Zirpen, modulare und MIDI-Electronics, und vor allem: diese Stimme. Sie flüstert, aber ihre Spitze vibriert, und mit ihr die kleinen Härchen und die Zehenspitze zuckt. Der Nieser. Oder das, was mehr ist als er. In »Hand In Hand« steckt gerade genug Sinnlichkeit, die das Album davor bewahrt, reine Kunstaustellungs-Musik zu sein. Es zieht einen in einen Raum, der die Wahrnehmung schärft. Man hat das Gefühl, Frequenzen wahrzunehmen, die einem sonst verborgen bleiben; vom tiefsten Bass bis zum höchsten Fiepsen. Atkinsons Stimme, mal mit den Prothesen elektronischer Verfremdung, mal als nacktes, undurchsichtiges Wesen, erzählt ihre Geschichten: von Information oder einem Ferocactus. Beides Dinge, von denen man nicht zu viel am Kopf haben will, aber nicht genug davon bekommen kann, wenn Atkinson sie einem flüstert. Genau deshalb kribbelt es ja so. »Hand In Hand« besitzt das Skulpturale von reiner Klangkunst. Aber auch die unfixierte Weite von Dub und Erotik. Irgendwo dazwischen sitzt es fest. Dass es einem schaudert.

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