Music Review | verfasst 30.06.2017
KAren Gwyer
Rembo
Don't Be Afraid, 2017
Text Felix Hüther
Deine Bewertung:
7.0
Nutzer (1)
8.0
Redaktion
Cover KAren Gwyer - Rembo

Verglichen mit ihrem Debütalbum »Needs Continuum« hat sich bei Karen Gwyer in Bezug auf »Rembo« einiges getan. Genau in die Kerbe haute ihre erste Single auf Don’t Be Afraid aus dem letzten Jahr und verknüpft beide Schnittstellen, Ambient auf der einen sowie rohen Techno auf der anderen, vermutlich am konsequentesten. Die Platte zeichnet den Weg nach, den sie stilistisch in den vergangenen Jahren beschritten hat. »Rembo« ist dagegen so etwas wie eine Hommage an ihre aktuellen Livesets, nur ohne den Acid-Einschlag. Gleichzeitig bildet sie hier nach Needs Continuum souverän den nächsten logischen Schritt in ihrem Portfolio ab. Deutlich wird Karen Gwyers Faible für alles was möglichst roh, durchtrieben und dreckig klingt. »Why Don’t You Make Your Bed« oder »He’s Been Teaching Me To Drive« sind hier Beispiele. Letzteres macht eine weitere Vorliebe Gwyers, nämlich ihren Hang zu Melodien, deutlich, der ihrer Sozialisation mit frühem Detroit Techno geschuldet ist. Mal flächig, mal repetitiv (»Did You Hear The Owls Last Night«) entsteht dabei ein sphärischer Unterton, der den Tracks einen besonderen Reiz verschafft. Das prägnanteste Alleinstellungsmerkmal wirft jedoch „The Workers Are On Strike“ voraus. Gwyers selbsttitulierter Favorit der Platte stellt auf annährend 140bpm markante Chords voran, die in eine breite Fläche hinüberschweifen und den rassigen Drums genug Angriffsfläche für wilde Dancefloor-Momente liefern. Das Gegenstück bildet das sphärische Intro »Why Is There A Long Line In Front Of The Factory«. Die jeweiligen Seiten der Platten sind nämlich zumindest über die Tracktitel miteinander verbunden und bauen gefühlt auch stilistisch aufeinander auf, auch wenn das nach Aussage Gwyers keine unbedingt beabsichtigte Konstellation gewesen ist.

»Rembo« von Karen Gwyer findest du bei hhv.de: Vinyl LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 25.07.2019
Karen Gwyer
Man On Mountain EP
Seit »Rembo« 2017 ist es still geworden um karen Gwyer. Jedenfalls blieben die Releases aus. Das ändert sich mit »Man On Mountain« nun.
Music Review | verfasst 07.09.2016
Karen Gwyer
Prophase
Karen Gwyer gelingt der Spagat zwischen Nischennerdismus und Clubmusik. Ihre EP »Prophase« ist zugleich in der Mitte von allem und far out.
Music Review | verfasst 08.04.2016
MGUN
Gentium
MGUN trifft den Zeitgeist, mit dem was die Nadel aus den Rillen seiner LP »Gentium« abspult.
Music Kolumne | verfasst 12.12.2016
Jahresrückblick 2016
Top 20 12-inches
Was ist eine 12inch? Die Defintion ist schwammig, wir haben uns für Maxi-Singles und EPs entschieden. Damit standen wir vor einer unüberschaubaren Menge an Material – und haben uns für die 20 besten entschieden.
Music Review | verfasst 13.08.2013
Disco Nihilist
Journey To the End Of The Night EP
Wer den amerikanischen House-Produzenten Disco Nihilist noch nicht auf seinem Zettel hat, sollte den Stift zücken und diese EP notieren.
Music Review | verfasst 04.11.2016
rRoxymore
Organ Smith - 12"
Mit »Organ Smith« präsentiert rRoxymore ihre Vorstellungen von House Music erstmals auf dem Londoner Label Don’t Be Afraid.
Music Review
Matthew Tavares & Leland Whitty
Visions
Die Kanadier Matthew Tavares und Leland Whitty, bekannt als Teil von BadBadNotGood, haben mit »Visions« ein Album veröffentlicht.
Music Review
Hailu Mergia
Yene Mircha
Der äthiopische Musiker Hailu Mergia feiert gerade seinen zweiten Frühling. MIt »Yene Mircha« ist nun sein neues Album erschienen.
Music Review
Shabaka & The Ancestors
We Are Sent Here By History
Der kraftstrotzende Jazz von Shaba Hutchings ist auch auf dem mit The Ancestors eingespieltem Album »We Are Sent Here By History« zu hören.
Music Review
Inoyamaland
Danzindan-Pojidon
Mit »Danzindan-Pojidon« veröffentlichten Inoyamaland 1983 ein nah am Zeitgeist agierendes Album. Nur wie klingt das heute?
Music Review
Alabaster DePlume
To Cy & Lee Instrumentals Vol.1
Eine weitere Entdeckung auf International Anthem: Der britische Saxophonist hat sein Album »To Cy & Lee Instrumentals Vol.1« veröffentlicht.
Music Review
Zebra Katz
Less Is Moor
»Less Is Moor« ist das späte Debütalbum von Zebra Katz. Auf ihm schreibt Ojay Morgan seine Geschichten unter eigenen Bedingungen neu.
Music Review
Jon Hassell
Vernal Equinox
»Vernal Equinox«, das erste Album des amerikanischen Klangpioniers Jon Hassell wurde wiederveröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Jura Soundsystem Presents Transmission Two
Die Compilation »Jura Soundsystem Presents Transmission Two« präsentiert einen Kessel Buntes, den weirden Shit, lose Fäden, Unerhörtes.
Music Review
Ranil
Ranil Y Su Conjunto Tropical
Analog Africa stöbert abseits ihres Kerngebietes und veröffentlicht eine Compilation der peruanischen Kombo Ranil Y Su Conjunto Tropical.
Music Review
Roger Eno & Brian Eno
Mixing Colours
Schlappe 37 Jahre nach ihrer Arbeit zu »Dune« gibt’s mit »Mixing Colours« wieder gemeinsames Material der Brüder Roger Eno und Brian Eno.
Music Review
Buck 65
Laundromat Boogie
»Laundromat Boogie« tänzelt im Sixstep in den Waschsalon und wird mit lakonischem Witz in den Trockner gepackt.
Music Review
Tornado Wallace
Midnight Mania
Der Australier Tornado Wallace legt sein zweites Album vor. »Midnight Mania« ist druckvoller, aber weiterhin rätselhaft und entrückt.
Music Review
Various Artists
Black Riot: Early Jungle, Rave And Hardcore
Die Compilation »Black Riot: Early Jungle, Rave And Hardcore« lässt das aufwühlende, energische, rastlose Genre wiederaufleben.
Music Review
World Quake Band
Everything Is On The One
»Everything Is On The One«, das 1981 erschienene, einzige Album der World Quake Band wurde nun bei Mad About Records wiederveröffentlicht.
Music Review
Atmosphere
Whenever
Das Duo Atmosphere aus Minneapolis meldet sich mit einem neuen Album zurück. »Whenever« verzichtet auf Experimente und liefert verlässlich.
Music Review
Delroy Edwards
Slap Happy
Der Zahn musste ihm gezogen werden: »Slap Happy« zeigt, das Delory Edwards mit den gewohnten Mitteln, nicht die gewohnte Qualität erreicht.
Music Review
M.Rux
Vermonische Melodien
Mit »Vermonische Melodien« verneigt sich der Beatbastler M.Rux vor Reinhard Lakomy und benutzt DDR-Hardware. Ostalgie aber? I wo!
Music Review
The James Hunter Six
Nick Of Time
Auch »Nick Of Time«, das vierte Album von The James Hunter Six, ist musikalisch und textlich völlig aus der Zeit gefallen.
Music Review
Stephen Malkmus
Traditional Techniques
Nur ein Jahr nach »Groove Denied« veröffentlicht Stephen Malkmus mit »Traditional Techniques« ein neues, komplett akustisches Album.
Music Review
Pharoah Sanders
Live In Paris 1975
Pharoah Sanders nahm »Live In Paris 1975« in Umbruchszeiten auf. Das schlägt sich in seiner Diversität, nicht aber im Spiel nieder.
Music Review
Kris Baha
Barely Alive Remixes
Der Asutralier Kris Baha ist nicht müde zu kriegen und veröffentlicht mit »Barely Alive Remixes« ein weiteres Release.
Music Review
The Master Musicians Of Jajouka
Apocalypse Across The Sky
Bill Laswell hat 1991 mit The Master Musician Of Jajouka »Apocalypse Across The Sky« aufgenommen. Es wurde jetzt auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Mateo Stoneman
Mateo
Vom Bankräuber zum »Loner« mit der Engelsstimme: die Geschichte von Mateo Stoneman wurde von ihm in karibische Sandelholz-Balladen gegossen.
Music Review
Houschyar
Temmuz
»Temmuz« von Houschyar ist von der ersten Sekunde warm, richtig schwül, dunstig, berauschend, eine gemütliche Decke, Milch mit Honig.
Music Review
Kassa Overall
I Think I'm Good
»I Think I’m Good« heißt das bei Brownswood erschienene, unberechenbare Album des an bipolarer Störung leidenden Musikers Kassa Overall.
Music Review
Grimes
Miss Anthropocene
Fünf Jahre nach ihrem letzten Album, legt die einzigartige Grimes mit »Miss Anthropocene« ein neues vor.
Music Review
Wildflower
Season 2
»Season 2«, das zweite Album der britschen Jazzer Wildflower, ist eine Meditation in aufgekratzten Zeiten.
Music Review
Caribou
Suddenly
Caribou beschäftigt sich auf »Suddenly« mit persönlichen Themen. Darunter einigen traurigen, wie die Stimmungslage vieler Songs andeutet.
Music Review
King Krule
Man Alive!
Mit »Man Alive!« ist King Krule nun endgültig in der Verweigerung angekommen. Die Vergleiche mit den großen Songwritern ziehen nicht mehr.
Music Review
O Yuki Conjugate
Into Dark Water
Wie feinsinnig O Yuki Conjugate schon 1987 auf »Into Dark Water« die damals neue Technik einzusetzen wussten, kann nur verblüffen.
Music Review
Gil Scott-Heron
We're New Again - A Reimagining By Makaya McCraven
Der in Chicago beheimatete Schlagzeuger Makaya McCraven nimmt sich auf »We’re New Again« die letzten Songs von Gil Scott-Heron zur Brust.
Music Review
Vladislav Delay
Rakka
»Rakka«, das erste Album des finnischen Musikers Vladislav Delay in fünf Jahren, ist einer Dreiviertelstunde Katharsis ohne Ausweg.
Music Review
Web Web
Worshippers
»Worshippers« ist das zugänglichste und vielleicht beste Album der Münchener Jazzformation Web Web.
Music Review
D.K.
Live At The Edge
»Live At The Edge«, der Titel des vierten Solo-Albums des von D.K., ist genauso doppeldeutig wie die Musik darauf mehrdeutig ist.
Music Review
Real Estate
The Main Thing
Alles ändert sich, nur Real Estate machen einfach weiter gute Alben. So auch mit »The Main Thing«, das soeben bei Domino erschienen ist.
Music Review
Suff Daddy
Pompette
Entspannteren instrumentalen Hip-Hop als Suff Daddy machen hierzulande nur wenige. Auch wenn »Pompette« ein bisschen beschwippst heißt.
Music Review
Various Artists
Studiolo: The 90's Afro Cosmic Era
Die Grenzen zwischen kosmisch und komisch sind auf »Studiolo: The 90’s Afro Cosmic Era« fließend.
Music Review
Jpegmafia
All My Heroes Are Cornballs
Jpegmafia nennt »All My Heroes Are Cornballs« ein Punk-Musical. Und das ist es auch, denn es verweigert sich jeglichen Konventionen.
Music Review
Unknown Artist
Nocturne Edits 002
Freestyle, Italo Disco, Breakbeats: Die zweite Ausgabe von Jordans »Nocturne Edits« ist eine erneute Dienstleistung für Hit-Maschinen-DJs.
Music Review
Courtney Barnett
MTV Unplugged Live In Melbourne
Mit acht prefekt unperfekten Versionen eigener und fremder Songs ist Courtney Barnett nun auf »MTV Unplugged Live In Melbourne« zu hören.
Music Review
Various Artists
Kearney Barton: Architect Of The Northwest Sound
Die Compilation »Kearney Barton: Architect Of The Northwest Sound« feiert einen Produzenten, der Seattle geprägt hat wie kaum ein Zweiter.