Music Review | verfasst 14.07.2017
Mark McGuire
Ideas Of Beginning
Vin Du Select Qualitite, 2017
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.2
Redaktion
Cover Mark McGuire - Ideas Of Beginning

Mark McGuire war Gitarrist der Emeralds. Die Emeralds waren für mindestens einen Sommer so etwas wie die beste Band der Welt. Drei Typen, ganz unterschiedlich in ihrem musikalischen Ausdruck, was der Musik der Band aus Cleveland, Ohio etwas Ungreifbares gab. Sie waren in einem unbeobachteten Moment einfach abgehoben. John Elliott, einer der Emeralds, sollte eines seiner Projekte später Outer Space nennen. Passte ja. Er hat auch ein Label gegründet, Spectrum Spools, dass Kosmische Musik made in USA verstärkt auf die Landkarte der Japetus-Reisenden bringen sollte. Die weiteren Verbliebenen, Steve Hauschildt und eben Mark McGuire starteten solo durch.

Wieso das ganze erwähnt werden muss, bevor hier nun von »Ideas Of Beginning« gesprochen werden muss, ist, weil es einen Bruch in der musikalischen Qualität bei Mark McGuire gab. Die ersten drei allesamt bei Editions Mego geführten Veröffentlichungen (»Living With Yourself«, »A Young Person’s Guide To«, »Get Lost«), die ihn in Europa bekannt machten, waren sensationell gut. Doch seit 2011 hat Mark McGuire seine Kunst nicht mehr auf den Punkt bringen können. Eine lange Zeit. Das mag daran gelegen haben, dass die von ihm angewendete Kombination von Gitarre und Loop Pedal immer (eigentlich in den meisten Fällen) zur kitschigen Seite der Esoterik neigt. Die Loops müssen geschickt, sparsam und dennoch dicht, geschichtet werden. Jedes Element kann eines zu viel sein. Noch mit dem im Mai digital veröffentlichten »Vision Upon Purpose« (wie auch meistens in den sechs Jahren zuvor) zeigte Mark McGuire exemplarisch, wie sich das dann anhören kann: Duftkerzen raus, wir müssen batiken.

Aus diesem Grunde ist das bei Vin Du Select Qualitite erschienene »Ideas Of Beginning« eine Überraschung. Gerade die A-Seite, auf der er nur mit einer Akustikgitarre hantiert, ist, auch ob seiner Skizzenhaftigkeit eine Art Offenbarungseid. Und auch die B-Seite, komplett mit einer elektrischen Gitarre gespielt, steht dieser Seite in kaum etwas nach. In dieser Form ist Mark McGuire wieder einer der interessantesten Gitarristen unserer Zeit.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 20.06.2011
Mark McGuire
A Young Person's Guide To
Der 24-jährig Mark McGuire, Gitarrist der Emeralds, legt seine erste abendfüllende Werkschau vor.
Music Review | verfasst 04.11.2011
Mark McGuire
Get Lost
Und was machen die Götter? Sie machen und machen weiter und weiter. Mark McGuire hat ein weiteres tolles Album aufgenommen.
Music Review | verfasst 12.07.2011
Mist
House
Weitere Neuigkeiten aus dem Universum der Emeralds. Nach Mark McGuire zeigt nun auch John Elliott sein Können abseits seiner Band.
Music Review | verfasst 20.02.2014
Mark McGuire
Along The Way
Mark McGuire hat sich für »Along The Way«, sein Debüt für Dead Oceans, viel vorgenommen. Ein wenig zu viel, wenn man den Rezensenten fragt.
Music Review | verfasst 03.01.2013
Emeralds
Just To Feel Anything
Die Emeralds sind immer noch ein wenig anstrengend. Nur nicht mehr ganz so wie früher. Dafür bietet das Trio auch träumerische Momente.
Music Review | verfasst 12.05.2011
Mountains
Air Museum
Dem Vorwurf, sich künstlerisch zu wiederholen, können sich Koen Holtkamp und Brian Anderegg mit Air Museum ein weiteres Mal entziehen.
Music Review | verfasst 17.05.2011
Rene Hell
The Terminal Symphony
Der Syntheziser fungiert derzeit als Leitinstrument der elektronischen Musik. Rene Hell zeigt, wieso diese Renaissance Sinn macht.
Music Review
Ross From Friends
The Outsiders EP
Geschmack ist Trumpf in der Welt des »Lo-Fi-Houses« von Ross From Friends, der mit »The Outsiders« nun sein EP-Debüt gibt.
Music Review
Robson Jorge & Lincoln Olivetti
Robson Jorge & Lincoln Olivetti
Mr Bongo Records heben das nächste Juwel: zum selbstbetitelten Album der Brasilianer Robson Jorge & Lincoln Olivetti aus dem Jahre 1982.
Music Review
Bola
D.E.G.
Bola zeigt mit »D.E.G«, dass er nach über 30 Jahren Synthesizerarbeit weiß, wie man den perfekten Klang herauskitzelt.
Music Review
Toro y Moi
Boo Boo
Toro y Moi zeigt auf seinem neuen Album »Boo Boo«, was die wirkliche Konstante in seinem Ouevre ist: die Kunst des Songwritings.
Music Review
DJ Tennis
DJ-Kicks
Für die »DJ-Kicks«-Reihe von !K7 Records schaut DJ Tennis zurück auf seine frühen Jahre und auf Künstler die ihn damals inspirierten.
Music Review
Haim
Something To Tell You
Auf dem zweiten Album von Haim, »Something To Tell You«, ergänzen die Schwestern neue Einflüsse und manifestieren ihre Nähe zum Chart-Pop.
Music Review
Mark McGuire
Ideas Of Beginning
Sechs lange Jahre konnte Mark McGuire sein Können nicht auf den Punkt bringen. »Ideas Of Beginning« ist daher eine Überraschung.
Music Review
Tito Wun
Tito's Edits
Auf der ersten Solo-EP seines House-Pseudonyms liefert Twit One/ Tito Wun Sommerhits en masse und rettet nebenbei den »Edit« als Kunstform
Music Review
Marlon Jackson/Tony Cook
You Wanna Jam You Wanna Party/I Ain't Going Nowhere
Das Label Peoples Potential Unlimited aus Washington, D.C. gräbt einmal mehr ein in seiner Überladenheit tolles Release aus.
Music Review
Various Artists
Too Slow To Disco Vol.3
Mit dieser Musik lässt sich bestens polarisieren: die Reihe «Too Slow To Disco« geht in die dritte Runde.
Music Review
KAren Gwyer
Rembo
»Rembo« zeichnet den Weg nach, den Karen Gwyer stilistisch in den vergangenen Jahren beschritten hat.
Music Review
Beach House
B-Sides and Rarities
Beach House verkürzen das Warten auf ihr nächstes Album mit einer Zusammenstellung von »B-Sides and Rarities«.
Music Review
Illa J
Home
Als Bruder von J Dilla hat man es auch elf Jahre nach dessen Tod schwer: »Home«, das dritte Album von Illa J, zeigt: völlig zu Unrecht.
Music Review
Various Artists
Space, Energy & Light
82 Minuten behaglich entrückte Soundscapes von 14 Künstlern finden sich auf »Space, Energy And Light« wieder.
Music Review
Floorplan
Let the Church - 12"
»Let The Church« ist ein typischer Release für Robert Hood’s Alias Floorplan, in der besonders der Lyrics Remix ein Ausrufezeichen setzt..
Music Review
Radiohead
OK Computer OKNOTOK 1997-2017
Vor zwanzig Jahren ist »OK Computer« von Radiohead erschienen, also erscheint zum Jubiläum eine erweitere Neuauflage.
Music Review
Laurel Halo
Dust
Überraschenderweise ist »Dust« erst das dritte Album von Laurel Halo. Diesmal sind mit Julia Holter oder Eli Keszler auch Gäste dabei.
Music Review
Jeff Tweedy
Together At Last
Wilcos Jeff Tweedy spielt auf »Together At Last« eine Auswahl seiner eigenen Songs auf einer Akustikgitarre nach.
Music Review
Peven Everett
Stuck
Groovin Records veröffentlicht elf Jahre nach der ersten Veröffentlichung eine Reissue von Peven Everetts »Stuck«.
Music Review
The Drums
Abysmal Thoughts
Jonny Pierce und sein Projekt The Drums beschäftigen sich diesmal mit Nietzsche und gehen dessen »Abysmal Thoughts« nach.
Music Review
Nick Murphy (Chet Faker)
Missing Link EP
Für die »Missing Link EP« fungiert der australische Musiker Chet Faker erstmals unter seinem bürgerlichen Namen Nick Murphy.
Music Review
Kevin Morby
City Music
Mit »City Music«, dem zweiten Solowerk innerhalb von zwei Jahren, spielt sich Kevin Morby endgültig frei.
Music Review
Various Artists
Oté Maloya
Die Compilation »Oté Maloya« beleuchtet ein kleines Genre afrikanischer Musik auf der kleinen Insel La Réunion im Indischen Ozean.
Music Review
Can
The Singles
Das hat es so noch nicht gegeben: Eine Zusammenstellung aller Singles von Can, zwischen 1969 und 1990 erschienen, chronologisch geordnet.
Music Review
Brownout
Brown Sabbath Vol. 2
Eine Latin-Funk-Band aus Austin, Texas, die ein Album mit Black Sabbath-Coverversionen bestreitet? Klingt bescheuert? Ist es irgendwie auch.
Music Review
Com Truise
Iteration
Auf »Iteration« hat Com Truise die Wiederholung des Sounds selbst zum Kunstwerk erhoben.
Music Review
Ekoplekz
Bioprodukt
Ekoplekz alias Nick Edwards kann, wenn er will, sehr kaputt daherkommen. Auf »Bioprodukt« klingt er bemerkenswert warm.
Music Review
Felicia Atkinson
Hand In Hand
Hand In Hand« besitzt das Skulpturale von reiner Klangkunst. Aber auch die unfixierte Weite von Dub und Erotik.
Music Review
Fleet Foxes
Crack-Up
Fleet Foxes konzentrieren sich auf »Crack-Up« auf die musikalisch-ästhetische Seite und machen es so zu ihrem bislang besten Album.
Music Review
Phoenix
Ti Amo
Phoenix huldigen auf »Ti Amo« la dolce vita und doch fühlt man sich die ganze Zeit bestens unterhalten.
Music Review
Gaby Hernandez
Spirit Reflection
Tiefe, Rätsel, Sinnlichkeit, an einer nur scheinbar glatten Oberfläche: Gaby Hernandez veröffentlicht ihr Album »Spirit Reflection«.
Music Review
Tindersticks
Minute Bodies
Die Tindersticks verantworten den Score zu dem Dokumentarfilm »Minute Bodies: The Intimate World Of F. Percy Smith«.
Music Review
Todd Terje
Maskindans
Die in menschliche Form gegossene Sommerhit-Maschine namens Todd Terje versucht es mal wieder.
Music Review
154
Strike
»Strike« von 154 hat in den letzten dreizehn Jahren nichts von ihrer atmosphärischen Dichte verloren.
Music Review
Sufjan Stevens / Bryce Dessner / Nico Muhly / James McAlister
Planetarium
Sufjan Stevens, Bryce Dessner, Nico Muhly und James McAlister haben mit »Planetarium« eine Platte gemacht, die einfach sehr anders ist.
Music Review
Broken English Club
The English Beach
Oliver Ho erlebt als Broken English Club derzeit seinen zweiten Frühling. Das nun bei L.I.E.S. erschienene »The English Beach« beweist das.
Music Review
Noga Erez
Off The Radar
Genau wie auf Noga Erez’ »Off The Radar« so muss sich relevante Popmusik im Jahr 2017 anhören: energisch, wütend, politisch und tanzbar.
Music Review
The Kills
Echo Home
The Kills, das Lieblingspaar der küngeren Indierockgeschichte, feiert ihr fünfzehnjähriges Bestehen und veröffentlicht die EP »Echo Home«.
Music Review
Porter Ricks
Anguilla Electrica
Porter Ricks veröffentlichen mit »Anguilla Electrica« ihr erstes Album seit 18 Jahren. Das sitzt. Aber richtig.
Music Review
Richard Dawson
Peasant
Irgendwo zwischen Iron Maiden und Qawwali lässt sich diese Musik locker einordnen. Doch auch »Peasant« ist vor allem eins: Richard Dawson.
Music Review
Kraftklub
Keine Nacht für Niemand
Mit »Keine Nacht für Niemand« treiben Kraftklub das Antisein auf die Spitze. Für ein gutes deutschsprachiges Rockalbum reicht’s so noch.