Music Review | verfasst 12.09.2017
Alvvays -
Antisocialites
Transgressive, 2017
Text Martin Silbermann
Deine Bewertung:
8.0
Nutzer (1)
7.6
Redaktion
Cover Alvvays -  - Antisocialites

Auch auf ihrem zweiten Album »Antisocialites« will die Band aus Toronto um Sängerin Molly Rankin, ihr Publikum mit ihrem betörenden Mix aus Indie-Pop und Shoegaze umgarnen. Im Mittelpunkt steht auch auf dem Nachfolger des selbstbetitelten Debüts ganz klar Rankins glockenhelle, engelsgleiche Stimme, die die beiden Produzenten Chad Van Gaalen, der bereits das Debüt betreute, und John Congleton (St. Vincent, Swans) auch stets recht weit vorn im Mix platzieren. Obwohl dieses Mal ein mehr als eingängiger Über-Ohrwurm wie der erste Hit »Archie, Marry Me« fehlt, hapert es auf »Antisocialites« keineswegs an großen Pop-Momenten und Mitsing-Refrains. Zugleich versuchen Alvvays mit mächtig verzerrten, an Shoegaze gemahnenden Gitarrenwänden, immer wieder Kontrapunkte zu setzen und sich gegen die ansonsten zu befürchtende Überzuckerung und Melodieseeligkeit zu stemmen – schließlich soll »Antisocialites« nach Rankins Aussagen ein Trennungsalbum sein. Düster oder gar niedergeschlagen klingt allerdings das wenigste, vielmehr emanzipieren sich Alvvays ein Stück mehr von Vorbildern wie Teenage Fanclub, Stereolab oder The Jesus & Mary Chain und bleiben gleichzeitig sehr variabel: die Punk-Energie des nur 2-minütigen »Your Type« trifft auf den verträumten Soft-Pop von »Dreams Tonite«, das wavige Indie-Feeling in »Lollipop (Ode To Jim)« wird kontrastiert mit den Surf-Anleihen der Single »Plimsoll Punks« und am Ende verzichtet »Forget About Life« gar komplett auf Gitarren. Gut austariert und eigenständiger als noch vor drei Jahren unterhalten Alvvays auch auf »Antisocialites«, indem sie eine gute Balance zwischen den emotionalen Extremen finden.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 14.08.2014
Alvvays
Alvvays
Die kanadische Indierockband Alvvays um Molly Rnakins und Alec O’Haley macht auf ihrem Debütalbum gutgelaunten Powerpop.
Music Review | verfasst 11.06.2015
Gengahr
A Dream Outside
Für nicht wenige ist »A Dream Outside« von Gengahr das Indierockalbum des Jahres. In jedem Fall stellen sie sich in große Fußstapfen.
Music Review | verfasst 04.08.2015
Hippo Campus
Bashful Creatures EP
Mit »Bashful Creatures« legen Hippo Campus ihre Debüt-EP vor. Der sommerliche Indiepop hat Potenzial, das ausgeschöpft werden möchte.
Music Review | verfasst 09.06.2014
American Football
American Football
15 Jahre nach Erstveröffentlichung hat Polyvinyl Records American Football’s selbstbetiteltes Debütalbum wiederaufgelegt.
Music Review | verfasst 05.11.2014
Deerhoof
La Isla Bonita
Die Band Deerhoof klingt auf »La Isla Bonita« zwar weniger spektakulär als sonst, ist aber spielfreudig wie eh und je.
Music Review | verfasst 03.03.2015
Of Montreal
Aureate Gloom
Auf »Aureate Gloom« überführt Kevin Barnes den für ihn typischen Retro-Sound in die 70er-Jahre. Leider jedoch ohne größere Überraschung.
Music Review | verfasst 29.10.2015
Beach Slang
The Things We Do To Find People Who Feel Like Us
Schon im Vorfeld von »The Things We Do To Find Pepole Who Feel Like Us« gab es einen kleinen Hype um Beach Slang. War der gerechtfertigt?
Music Review
Burnier & Cartier
Burnier & Cartier
Gesamplet von Andres und Moodyman, geliebt von Floating Points und Hunee: Das Debütalbum von Burnier & Cartier wird wiederaufgelegt.
Music Review
Carlos Maria Trindade / Nuno Canavarro ‎
Mr. Wollogallu
Eigentlich dürfte es so etwas nur im Traum geben, eigentlich ist das Musik, die einmal erscheint und dann wieder verschwindet.
Music Review
Panda Bear
A Day With The Homies EP
Panda Bear von Animal Collective veröffentlicht mit »A Day With The Homies« eine EP, die nahtlos an Vergangenes anknüpft.
Music Review
Fondation
Les Cassettes 1980-1983
Eine knapp einstündige Auswahl der drei Releases von Fondation hat Bureau B jetzt unter dem Namen »Les Cassettes 1980-1983« veröffentlicht.
Music Review
Panthera Krause
All My Circuits Pt.1
Wie eine leicht klebrige, dennoch sexy Nacht an einem Wochenende im Frühsommer: Panthera Krauses »All My Circuits Pt.1« ist erschienen.
Music Review
Pye Corner Audio
Where Things Are Hollow
Warum ist Pye Corner Audio kein Star? Das kann man auch nach »Where Things Are Hollow« nicht verstehen.
Music Review
e26quent (Eloquent & dude26)
Niemals Weg
Eloquent und Dude26 sind Wiederholungstäter. Weil sie einen mit »Niemals Weg« zurück zum Tatort von „Gebrochenes Deutsch“ führen.
Music Review
Oddisee & Good Company
Beneath The Surface Live
Oddisee veröffentlicht mit »Beneath The Surface Live« sein erstes Livealbum und hat in Good Company eine richtig gute Band dabei.
Music Review
Lab Rat XL
Mice Or Cyborg
Auf »Mice Or Cyborg« kann man noch einmal nachvollziehen, was Drexciya, die sich hier Lab Rat XL nennen, so besonders macht.
Music Review
Arp Frique
Nos Magia
Rush Hour setzt seine »Rush Hour Store Jams«-Reihe mit »Nos Magia« von Arp Frique endlich fort.
Music Review
Mall Grab
Feel U EP
Collect-Call kramt die »Feel U EP« von Mall Grab wieder aus. Sie gehört in jeder gut sortierte Plattensammlung.
Music Review
Elektro-Dschungel
Kebab Und Andere Träume
Wiesbaden, die Vermittler-Stadt zwischen Okzident und Orient. Klingt funny, war aber mal so.
Music Review
Terekke
Plant Age
»Plant Age« von Terekke ist tief schwebender House, der klingt wie der Wind auf der Fahrradfahrt heim nach einer durchtanzten Nacht.
Music Review
Blu & Exile
In The Beginning: Before The Heavens
»In The Beginning: Before The Heavens« versammelt jene Tracks von Blu & Exile, die es nicht auf »Below The Heavens« geschafft haben.
Music Review
Touche'
Just Like A Doorknob
Best Record Italy veröffentlicht das zuerst 1983 erschienen Disco-Boogie-Stück »Just Like A Doorknob« von Touche’ erneut.
Music Review
JK Flesh
Exit Stance
Wenn Justin Broadrick Techno macht, nennt er sich JF Flesh. Auf Downwards ist jetzt die Vinyl 12" »Exit Stance« erschienen.
Music Review
Betonkust & Uj Bala
DDS001 EP
Dalmata Daniel startet eine neue »Split Series«. Den Anfang machen Betonkust und Uj Bala mit sechs seligen Tracks.
Music Review
Apollo Brown & Planet Asia
Anchovies
Apollo Browns Boom Bap kommt hier meistohne Bap aus. Mit Planet Asias dunkel getöntem Patriarchen-Flow verträgt sich das sehr gut.
Music Review
Visible Cloaks
Lex EP
Musik folgt in der Regel bestimmten Gesetzen. Visible Cloaks loten sie auf ihrer neuen EP »Lex« aus.
Music Review
The Bug
Bad / Get Out The Way – 12"
Auch nach 20 Jahren nichts an Kraft verloren: The Bug hat mit »Bad / Get Out The Way« eine neue Vinyl 12" auf Ninja Tune veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Deutsche Elektronische Musik 3
Die zweistündige Compilation »Deutsche Elektronische Musik 3« gehört den entrückten Sounds. Eine irre Fundgrube.
Music Review
Piero Umiliani (M. Zalla)
Africa / Continente Nero Bundle
Genauso hätte man sich das Ergebnis vorab ausgemalt, wenn die italienische Soundtrack/Library-Legende sich an afrikanischen Klängen versucht
Music Review
Talib Kweli
Radio Silence
Conscious Rapper bleib bei deinen Leisten. Und das macht Talib Kweli dann auch überwiegend, auf seinem achten Studioalbum »Radio Silence«.
Music Review
Pascal Comelade
Paralelo
Die Reissue von Pascal Comelades Debüt kommt in aufgespeckter Version. Das macht es nicht leichter.
Music Review
Tony Caro & John
All On the First Day
Das 1972 veröffentlichte Debütalbum »All On the First Day« der britischen Band Tony, Caro & John wird bei Tapete wiederveröffentlicht.
Music Review
Noel Gallagher's Hugh Flying Birds
Who Built The Moon?
Ein wurschtiges Album: Noel Gallagher’s Hugh Flying Birds denken auf »Who Built The Moon?« keinen Song zu Ende.
Music Review
Conga Square
Secada Mondatta
»Secada Mondatta« dürfte seinen Platz in den Sets der Ivkovices und Wilikensens finden.
Music Review
Little Simz
Stillness In Wonderland
»Stillness In Wonderland«, Little Simz Adaption des Märchens von Lewis Caroll aus dem vergangenen Jahr, ist nun auch auf Vinyl erschienen.
Music Review
Bitchin Bajas
Bajas Fresh
Zeitgemäßes Hippietum: Mit »Bajas Fresh« wachsen Bitchin Bajas noch einmal ein bisschen über sich hinaus.
Music Review
Sharon Jones & The Dap-Kings
Soul Of A Woman
Vor genau einem Jahr ist Sharon Jones verstorben. Nun erscheint ihr letztes, wieder mit den Dap-Kings eingespieltes Album »Soul Of A Woman«.
Music Review
Brian Blade & The Fellowship Band
Body And Shadow
»Body And Shadow«, das fünfte Album von Brian Blade & The Fellowship Band, ist ein ob seiner Kürze umso entschlossener wirkendes Album.
Music Review
M.E.S.H.
Hesaitix
Aus »Hesaitix« nimmt M.E.S.H. Abstand von den brutalen Klangdekunstruktionen vergangener Veröffentlichungen.
Music Review
Various Artists
Pantsula!
DJ Okapi und Antal haben für Rush Hour die Compilation »Pantsula! – The Rise of Electronic Dance Music in South Africa« zusammengestellt.
Music Review
Keiji Haino, Jim O'Rourke & Oren Ambarchi
This Dazzling, Genuine »Difference« Now Where Shall It Go?
Auf »This Dazzling, Genuine ›Difference‹ Now Where Shall It Go?« finden sich Keiji Haino, Jim O’Rourke und Oren Ambarchi erneut zusammen.
Music Review
Call Super
Arpo
Überraschen geht immer noch. Auch in der elektronischen Musik. »Arpo«, das neue Album von Call Super, überrascht.
Music Review
Gabor Szabo
Dreams
Es muss ja eben nicht immer voran gegangen werden, wenn Ort und Stelle genießbar sein sollen.
Music Review
Angel Olsen
Phases
»Phases« zeigt zwischen 2010 und 2016 entstandenes Material der Sängerin und Songwriterin Angel Olsen.
Music Review
Serge Gainsbourg & Jean-Claude Vannier
Les Chemins De Katmandou
Würde man 10km gegen jeden Pot-Smoke erkennen als Album der beiden. Musste aber erstmal aus den Flammen gerettet werden.
Music Review
Spirit Fest
Spirit Fest
Wenn hier »Supergroup« auf dem Beilagenzettel steht, bekommst du eine Gruppe Musiker ohne Allüren: Zum Debüt von Spirit Fest.
Music Review
Spinning Coin
Permo
Für ein Debüt erstaunlich ausgereift: Spinning Coin ist mit »Permo« ein abwechslungsreiches Album gelungen.
Music Review
Eye
Cocktail Mexico
Unwiderstehlich, aber nicht unabdingbar: Eye legt nach ihrem umwerfenden Debüt-Album eine EP vor.