Music Review | verfasst 14.09.2017
Foo Fighters
Concrete And Gold
RCA, 2017
Text Andreas Schnell
Deine Bewertung:
/
Nutzer
5.2
Redaktion
Cover Foo Fighters - Concrete And Gold

Trügerisch eröffnet das neunte Album der Foo Fighters: Ganz sacht singt Dave Grohl über sparsam gezupften Akkorden – bevor mit allem Gitarren-Pomp und majestätischen Chören kommt, was man von den Foo Fighters erwarten würde. Wobei sie mit Hilfe ihres Produzenten Greg Kurstin, der unter anderem »Hello« von Adele verantwortete und mit Pop-Größen wie Beck, Pink und Tegan and Sara zusammenarbeitete, noch einmal an Wucht zugelegt haben. Eine Minute und 22 Sekunden dauert »T-Shirt«, das schon die wesentlichen Merkmale von »Concrete And Gold« vereint. Bombastische Gitarren, Pop-Gefühl, ausgeklügelte Arrangements, auf Stadion-Rock-Format aufgepumpt. Mindestens. Substanziell neu ist allerdings dann doch nichts. Die Gastauftritte von im Kontext eher unwahrscheinlich erscheinenden Künstlern wie Justin Timberlake, Ex-Beatle Paul McCartney, Shawn Stockman (Boyz II Men) und der schon etwas naheliegenderen Alison Mosshart (The Kills) scheinen weniger Ausdruck musikalischer Experimentierfreude zu sein als dass sie ein Zeichen für den Status sind, den die Band um den einstigen Schlagzeuger von Nirvana heute genießt. Immerhin: »Dirty Water« bietet fast schon jazzige Akkorde auf und verzichtet weitgehend auf Arena-Gitarren. »Happy Ever After (Zero Hour)« kommt mit raffinierten Chören daher, für die sich auch die Beach Boys nicht schämen müssten. Was diesen Facetten dann stets regelmäßig den Garaus macht, sind die Konsequenzen von Grohls vorab zu Protokoll gegebener Prämisse: »I wanted it to be the biggest sounding Foo Fighters record ever«, eine »gigantische Rockplatte« sollte es sein. Ist es. »Motörhead’s version of Sgt. Pepper« allerdings eher nicht, denn weder hat »Concrete And Gold« die unverschämte Lässigkeit der Ersteren noch das schelmenhafte Genie der Beatles.

“»Concrete And Gold« von Foo Fighters”: US Vinyl LP und EU Vinyl LP
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 03.10.2011
S.C.U.M.
Again Into Eyes
Lebt die Rockmusik noch? Die Briten S.C.U.M. versuchen neue Akzente zu setzen und ringen um eine Wiederbelebung.
Music Review | verfasst 27.01.2012
Tribes
Baby
Wird Rock´n`Roll, wie prognostiziert, das große Ding 2012? Warum eigentlich nicht, wie Tribes schon mal beweisen.
Music Review | verfasst 04.04.2012
The Chap
We Are Nobody
Posen als Positionen überzeugen zwar nicht, machen aber auch bei dunklen Themen Spaß und können so ganz nebenher doch zum Nachdenken anregen
Music Review | verfasst 04.06.2012
Richard Hawley
Standing At The Sky's Edge
Hierzulande nur wirklich eingefleischten Britpop-Fans ein Begriff, macht Richard Hawley andernorts als Gitarrist und Crooner von sich Reden.
Music Review | verfasst 14.06.2012
Japandroids
Celebration Rock
Die Japandroids machen die unmittelbarste Musik, die man nur machen kann. Und »Celebration Rock« ist der zu erwartende Hammer geworden.
Music Review | verfasst 17.01.2013
Mogwai
A Wrenched Virile Lore
Mogwais musikalischer Korpus eignet sich hervorragend zu Verfremdungszwecken, doch wird die Bisskraft dadurch nicht unbedingt maximiert.
Music Review | verfasst 01.02.2013
Various Artists
Man Chest Hair
Es röhrt, brummt und knallt wie man das von motorisierten Musikliebhabern mit Brustpelz und Bierfahne erwarten kann.
Music Review
Steven Julien
Bloodline
Auf »Bloodline« bekommt Steven Julien die Mischung aus zerfrottelten Clubnummern und uneasy listening perfekt hin.
Music Review
Dr. Octagon
Moosebumps: An Exploration Into Modern Day Horripilation
Dr. Octagon geht wieder auf Reisen – in Originalbesetzung, mit Kool Keith, Dan the Automator und DJ QBert!
Music Review
Wrekmeister Harmonies
The Alone Rush
»The Alone Rush« von Wrekmeister Harmonies ist das Resultat einer Art gemeinsamer Trauerarbeit über zwei Jahre hinweg.
Music Review
Black Milk
Fever
Angesichts aufgeheizter Debatten und einem mit Zweifeln gesättigten Lebensgefühl hat Black Milk sein Album kurzerhand »Fever« genannt.
Music Review
Senora
Senora
Vor 37 Jahren als Privatpressung erschienen, ist das die erste Gelegenheit mit Señora eine lohnende Bekanntschaft zu schließen.
Music Review
Ebo Taylor
Yen Ara
Keine Frage: Auf »Yen Ara« kulminiert Ebo Taylors Mix aus Afrobeat, Highlife, Funk und Jazz zum wohl besten Album, das er je gemacht hat.
Music Review
Drew McDowall x Hiro Kone
The Ghost of Georges Bataille
Dre McDowall und Hiro Kone begeben sich mit »The Ghost of Georges Bataille« auf die Spur des großen Philosophen der Überschreitung.
Music Review
Flame 1
Fog/Shrine – 12"
Kampf der Titanen: Dancehall-Tausendsassa The Bug und Dubstep-Traumwandler Burial tun sich für »Fog/Shrine« als Flame 1 zusammen.
Music Review
Various Artists
Rave Racing Top Hits Vol.1
AIWO hat ein neues Sublabel gegründet. Es heißt: OIWA. Die »Rave Racing Top Hits Vol.1« erinnern an die frühen Tage von Techno.
Music Review
Oren Ambarchi
Grapes From The Estate
»Grapes From The Estate« von Oren Ambarchi ist ein Meisterwerk der sanften Reduktion. Es wird jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
Die Wilde Jagd
Uhrwald Orange
Fast schon entfesselt spielt, zuppelt, gniedelt und stampft sich Die Wilde Jagd durch die vierzehn Stücke von »Uhrwerk Orange«.
Music Review
Len Leise / Jura Soundsystem
Dear Adrian/Udaberri Blues – 12"
Auf der ersten zeitgenössischen Isle Of Jura-Veröffentlichung widmen sich Betreiber Kevin Griffiths und Len Leise dubbigen Sounds.
Music Review
Lloyd Miller and the Mike Johnson Quartett
Jazz At The University Of Utah
»Jazz At The University Of Utah« von Lloyd Miller and the Mike Johnson Quartett erscheint jetzt erstmals seit 1967 auf Vinyl.
Music Review
L.A. Mike
Clinophobia (While You Were Sleeping)
PUTS-Member Double K fbringt unter als LA Mike die Beat LP »Clinophobia (While you were sleeping)« heraus.
Music Review
Space Dimension Controller
Gaining Time – 12"
Sicher ist bei der »Gaining Time EP« von Space Dimension Controller nur, das man sich vor nichts sicher sein kann.
Music Review
Galcher Lustwerk
Dark Bliss LP
Ein Debütalbum, das eigentlich gar keines ist: Galcher Lustwerk veröffentlicht die »Dark Bliss LP«.
Music Review
Stars Of The Lid
Gravitational Pull Vs. The Desire For An Aquatic Life
»Gravitational Pull Vs. The Desire For An Aquatic Life« von 1996 ist Stars Of The Lid in einer Nussschale.
Music Review
Various Artists
Uneven Paths: Deviant Pop From Europe 1980-1991
Beeindruckende Schau einer, hm, alternativen Geschichte des europäischen Pop: »Uneven Paths: Deviant Pop From Europe 1980-1991«.
Music Review
Second Woman
Instant / Apart – 12"
Mit ihrer 12" »Instant / Apart« versuchen Second Woman ihre entkörperlichte Musik in den Klub zu bringen. Das konnte nicht gut gehen.
Music Review
Deke Tom Dollard
Na You
Mit »Na You« von Deke Tom Dollard hat Hot Casa Records jetzt weitere unbekannte und obskure Musik zwischen Afro-Soul und Funk aufbereitet.
Music Review
Mark Pritchard
The Four Worlds
Alles sehr diskret, viel Understatement: »The Four Worlds«, die Mini-LP von Mark Pritchard, könnte ein Vorbote auf ein neues Album sein.
Music Review
Ursula K. Le Guin & Todd Barton
Music and Poetry Of The Kesh
Die Schriftstellerin Ursula K. Le Guin und der Komponist Todd Barton machten sich 1985 auf die Suche nach »Music and Poetry Of The Kesh«.
Music Review
Edu Passeto & Gui Tavares
Noite Que Brincou De Lua
Edu Passeto und Gui Tavares haben 1981 mit »Noite Que Brincou De Lua« einen unaufgeregt-sanften Klassiker brasilianischer Musik geschaffen.
Music Review
MED & Guilty Simpson
Loyality EP
MED & Guilty Simpson sind schon länger Waffenbrüder am Mic. Nun finden sie wieder zusammen: Auf der gemeinsamen »Loaylity« EP.
Music Review
Various Artists
Gumba Fire: Bubblegum Soul & Synth Boogie In 1980s South Africa
Die Compilation »Gumba Fire« stellt Stücke aus den Townships Südafrikas in den 1980er Jahren zusammen.
Music Review
D.K.
Mystery Dub EP
Der Franzose D.K. legt auf Second Circle seine »Mystery Dub EP« vor, die das Mysteriöse im Namen einhallt, den Dub hingegen nicht.
Music Review
Various Artists
Musique Experimentale
Finders Keepers legt die Compilation »Musique Experimentale« aus 1962 über ihr Sublabel Cacophonic erstmals seit langer Zeit wieder auf.
Music Review
Rodrigo Tavares
Congo
Die südamerikanischen Einflüsse sind nicht offensichtlich. »Congo«, das Debüt des Brasilianers Rodrigo Tavares ist dennoch erstaunlich.
Music Review
Hunee
Hunchin' All Night
Hunee macht sich für uns den Buckel krumm und hat für »Hunchin’ All Night« einen vielfältigen Auszug aus seinem Repertoire zusammengestellt.
Music Review
Smerz
Have Fun EP
Dream Pop, der immer ein bisschen in Richtung Albtraum schielt: das norwegische Duo veröffentlicht ihre »Have Fun EP«.
Music Review
Eva Geist
Desfan
Was Eva Geist auf »Desfan«, ihrem Debüt auf Macadam Mambo anstellt, hat eine sorgsam ausgetragene Patina.
Music Review
Yves de Mey
Bleak Comfort
»Bleak Comfort«, das dritte Album von Yves de Mey, muss von der Bewegung her gedacht werden, vielleicht sogar vom Tanz.
Music Review
DJ Nigga Fox
Cranio EP
Der Portugiese DJ Nigga Fox feiert mit der rhythmisch wirbelnden »Cranio EP« seinen Einstand für Warp.
Music Review
Dedekind Cut
Tahoe
Fred Warmsley, vielen als Lee Bannon bekannt, hat auf Kranky »Tahoe«, sein zweites Album als Dedekind Cut veröffentlicht.
Music Review
E Ruscha V
Who Are You
Der Kosmos scheint ihm wohlgesonnen: Mit »Who Are You« stellt Eddie Ruscha sich als E Ruscha V vor.
Music Review
The Herbaliser
Bring Out The Sound
The Herbaliser, die alten Haudegen, haben es mal wieder geschafft, mit »Bring Out The Sound« ein souveränes Album aufzunehmen.
Music Review
Phaserboys
Phaserboys EP
AIWO hat den nächsten Knaller: Bei den Phaserboys wurde sehr genau hingehört, was in den letzten Jahren ausgegraben und gediggt wurde.
Music Review
Nat Birchall
Cosmic Language
Spiritueller Jazz, so schön wie seine großen Vorbilder. Am Ende aber doch anders. Weil europäischer.
Music Review
Prins Emanuel
Arbete / Fritid
»Arbete / Fritid« von Prins Emanuel, erstmals 2016 erschienen, ist ein über allen Maßen rundes Statement.
Music Review
Various Artists
Waves Of The Future
Die Compilation »Waves Of The Future« vereint Synthesizer-getriebene Tracks von Freundes des in Berlin ansässigen Labels Mannequin.
Music Review
Ismo Laakso
Ofelia
In finnischen Sockenschubladen sind musikalische Schätze zu finden. Das Beispiel »Ofelia« von Ismo Laakso.