Music Review | verfasst 04.10.2017
Iglooghost
Neō Wax Bloom
Brainfeeder, 2017
Text Martin Silbermann
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Redaktion
Cover Iglooghost - Neō Wax Bloom

Gelatinewürmer im Weltall, riesige Augäpfel auf fremden Planeten und Mönche in Pompons: der milchgesichtige irische Produzent Iglooghost führt die kunterbunte Freak-Show seiner ersten EP auch auf dem Debütalbum * »Neō Wax Bloom«* fort. Die knallbunten Visuals passen wunderbar zu seinem verglitchten Jazz – oder wie auch immer man seinen Mix bezeichnen mag, der vor irrwitzig aufgeschichteten Melodie-Layern, quietschenden Synths und hochgepitchten Vocals nur so strotzt. Auf Brainfeeder erschienen, lassen sich zwar durchaus Einflüsse von Flying Lotus finden, doch vor allem Iglooghosts Sozialisation mit UK-Bass Music ist überdeutlich. Die harten Beats von Drum’n’Bass oder Jungle treffen auf die Verspieltheit von Hudson Mohawke, die irritierende Verschrobenheit von Aphex Twin verbindet sich mit der Soundästhetik von Spielekonsolen. Das alles findet sich auf »Neō Wax Bloom« – und meistens auch noch gleichzeitig. Herausgekommen ist das akustische Äquivalent eines Kinderspielzeugs speziell für ADHS-Patienten und andere Zappelphilipps. Das bedeutet auch, dass es nur recht selten Augenblicke zum Luft-holen gibt. Aber weil die Beats ebenfalls ständig Rhythmik und Tempo ändern, kann man »Neō Wax Bloom« trotz der druckvollen Bässe nicht gerade als Club-kompatibel bezeichnen. Zugegeben: Iglooghosts eigenwillige Soundsignatur kann leicht überfordern und dann auch entsprechend nerven – man kann sich aber auch der Reizüberflutung hingeben und den so irritierenden wie faszinierenden Trip genießen: phantastische Comic-Welt, here we come!

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