Music Review | verfasst 16.10.2017
Fatima Al Qadiri
Shaneera EP
Hyperdub, 2017
Text Tim Caspar Boehme
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8.4
Redaktion
Cover Fatima Al Qadiri - Shaneera EP

Queer Arab. Ein digitales Clubmusik-Gebräu aus kräftig synkopierten Beats, trancefreudigen, selbstverständlich digitalen arabischen Melodien und leicht bis stark aufgekratzten, vorwiegend männlich anmutenden Stimmen. Eine Verführung zu unberechenbaren Abenteuern mit der »evil queen«. Was die kuwaitische Produzentin Fatima Al Qadiri mit ihren – aus gutem Grund – pseudonymisierten Gastvokalisten auf »Shaneera« über eine Länge von gerade einmal 22 Minuten zelebriert, ist ganz große, hochartifizielle Ausrast-Kunst und selbstverständlich ein politisches Statement. So weit, so binsenweisheitlich. Andererseits macht der Umstand, dass Homophobie derzeit rund um die Welt verstärkt auf dem Vormarsch ist, das Erscheinen von Platten wie »Shaneera« umso erforderlicher. Queer plädiert in diesem Fall um Anerkennung nicht im Sinne einer Normalisierung, sondern beharrt selbstbewusst auf der Abweichung, auf dem Gefährlichen, auf dem, was im Zweifel erst recht auf Ablehnung von Andersdenkenden stoßen könnte. Alles andere hätte schließlich auch weniger entgrenzende Wirkung auf der Tanzfläche zur Folge. Traurig nur, dass Bobo Secret, Naygow und Kollegen gezwungen sind, auf der Platte unerkannt zu bleiben.

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