Music Review | verfasst 15.11.2017
Keiji Haino, Jim O'Rourke & Oren Ambarchi
This Dazzling, Genuine »Difference« Now Where Shall It Go?
Black Truffle, 2017
Text Lars Fleischmann
Deine Bewertung:
7.5
Nutzer (2)
8.8
Redaktion
Cover Keiji Haino, Jim O'Rourke & Oren Ambarchi - This Dazzling, Genuine »Difference« Now Where Shall It Go?

»Nothing essential happens in the absence of noise«.Ein Satz aus Jacques Attalis Standardwerk »Noise: The Political Economy of Music«. Ein Satz, der wahrer wird, je länger man sich diesen durch die Synapsen schickt. Eine ganze Reihe an bedeutsamen Diskussionen der Pop- und Musikgeschichte beschäftigen sich mit dieser Aussage. Was war zuerst da? Die Musik, die die Natur erzeugt, oder ist die Musik die Übersetzung der Geräusche der Natur? Stoff für akademische Seminare. Obgleich man sich mit all diesen Fragen natürlich ausgiebig auseinandersetzen kann, muss man dies aber nicht um sich der Veröffentlichungen des Black Truffles Labels zu erfreuen. Oren Ambarchi, australischer Ausnahmemusiker, bringt den Seminarraum nach Hause; verzichtet auf Tafel und Kreide, auf Overhead-Projektoren und lange Erklärungen. »Noise hautnah erleben – Einsteiger-Seminar«. Gleich zum achten Mal holt (oder holte: immerhin ist die Aufnahme aus dem Jahr 2014) er sich die beiden Krachkünstler Jim O’Rourke und Keiji Haino hinzu. Was darf man nun anderes erwarten als eine Lektion in dröhnender Klangerzeugung und brachialer Trommelfellmassage? Genau, nichts! Auf dem poetisch betiteltem »This Dazzling, Genuine ›Difference‹ Now Where Shall It Go?« wird gar konsequent wie nie zuvor. Auf vokalistische Äußerungen – wie auf den Vorgängern – verzichtet man diesmal; die Konzentration liegt auf dem rudimentären Aufschichten der brummenden Bässe Jim O’Rourkes, auf dem hämmernden Spiel Oren Ambarchis und den metallisch-schmeckenden Kreissägen-Exkursen Keiji Hainos. Dergleichen wäre ohne Momente der Ruhe wertlos, wobei »Ruhe« nicht gleich Stille ist. Jedem sei dieses Album an Herz gelegt.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 03.03.2015
Oren Ambarchi & Jim O'Rourke
Behold
Oren Ambarchi & Jim O’Rourke feiern auch auf ihrer zweiten gemeinsamen Platte »Behold« die zurückgelehnten Frequenzen.
Music Review | verfasst 27.06.2016
Christian Fennesz & Jim O'Rourke
It's Hard For Me To Say I'm Sorry
Christian Fennesz und Jim O’Rourke zeigen auf »It’s Hard For Me To Say I’m Sorry« ein Herz für Chicago. Nee, nicht die Stadt. Die Band!
Music Review | verfasst 13.03.2017
Kassel Jaeger & Jim O'Rourke
Wakes On Cerulean
Das scharfe, wache Ohr von Kassel Jaeger verleiht auf »Wakes On Cerulean« den Texturgebilden von Jim O’Rourke ihre anziehende Intensität.
Music Review | verfasst 23.05.2014
Ambarchi, O'Malley, Dunn
Shade Themes From Kairos
Trio extraordinaire Oren Ambarchi, Stephen O’Malley und Randall Dunn entfaltet auf »Shade Themes From Kairos« einen dumpfen Dauergroove.
Music Review | verfasst 27.10.2014
Oren Ambarchi
Quixotism
»Quixotism« ist »diskrete Musik« im besten Sinne, die in ihrer ungezwungenen Strenge Oren Ambarchi in Bestform zeigt.
Music Review | verfasst 02.03.2015
Oren Ambarchi
Live Knots
»Live Knots« präsentiert zwei Konzert-Versionen von Oren Ambarchis 2012 auf dem Album »Audience Of One« veröffentlichen Track »Knots«.
Music Review | verfasst 10.11.2016
Oren Ambarchi
Hubris
Ein Drone ist nicht gleich ein Drone: die Bestätigung dieser Aussage verfolgt der Gitarrist Oren Ambarchi auch auf »Hubris«.
Music Review
Blu & Exile
In The Beginning: Before The Heavens
»In The Beginning: Before The Heavens« versammelt jene Tracks von Blu & Exile, die es nicht auf »Below The Heavens« geschafft haben.
Music Review
Touche'
Just Like A Doorknob
Best Record Italy veröffentlicht das zuerst 1983 erschienen Disco-Boogie-Stück »Just Like A Doorknob« von Touche’ erneut.
Music Review
JK Flesh
Exit Stance
Wenn Justin Broadrick Techno macht, nennt er sich JF Flesh. Auf Downwards ist jetzt die Vinyl 12" »Exit Stance« erschienen.
Music Review
Betonkust & Uj Bala
DDS001 EP
Dalmata Daniel startet eine neue »Split Series«. Den Anfang machen Betonkust und Uj Bala mit sechs seligen Tracks.
Music Review
Apollo Brown & Planet Asia
Anchovies
Apollo Browns Boom Bap kommt hier meistohne Bap aus. Mit Planet Asias dunkel getöntem Patriarchen-Flow verträgt sich das sehr gut.
Music Review
Visible Cloaks
Lex EP
Musik folgt in der Regel bestimmten Gesetzen. Visible Cloaks loten sie auf ihrer neuen EP »Lex« aus.
Music Review
The Bug
Bad / Get Out The Way – 12"
Auch nach 20 Jahren nichts an Kraft verloren: The Bug hat mit »Bad / Get Out The Way« eine neue Vinyl 12" auf Ninja Tune veröffentlicht.
Music Review
Various Artists
Deutsche Elektronische Musik 3
Die zweistündige Compilation »Deutsche Elektronische Musik 3« gehört den entrückten Sounds. Eine irre Fundgrube.
Music Review
Piero Umiliani (M. Zalla)
Africa / Continente Nero Bundle
Genauso hätte man sich das Ergebnis vorab ausgemalt, wenn die italienische Soundtrack/Library-Legende sich an afrikanischen Klängen versucht
Music Review
Talib Kweli
Radio Silence
Conscious Rapper bleib bei deinen Leisten. Und das macht Talib Kweli dann auch überwiegend, auf seinem achten Studioalbum »Radio Silence«.
Music Review
Pascal Comelade
Paralelo
Die Reissue von Pascal Comelades Debüt kommt in aufgespeckter Version. Das macht es nicht leichter.
Music Review
Tony Caro & John
All On the First Day
Das 1972 veröffentlichte Debütalbum »All On the First Day« der britischen Band Tony, Caro & John wird bei Tapete wiederveröffentlicht.
Music Review
Noel Gallagher's Hugh Flying Birds
Who Built The Moon?
Ein wurschtiges Album: Noel Gallagher’s Hugh Flying Birds denken auf »Who Built The Moon?« keinen Song zu Ende.
Music Review
Conga Square
Secada Mondatta
»Secada Mondatta« dürfte seinen Platz in den Sets der Ivkovices und Wilikensens finden.
Music Review
Little Simz
Stillness In Wonderland
»Stillness In Wonderland«, Little Simz Adaption des Märchens von Lewis Caroll aus dem vergangenen Jahr, ist nun auch auf Vinyl erschienen.
Music Review
Bitchin Bajas
Bajas Fresh
Zeitgemäßes Hippietum: Mit »Bajas Fresh« wachsen Bitchin Bajas noch einmal ein bisschen über sich hinaus.
Music Review
Sharon Jones & The Dap-Kings
Soul Of A Woman
Vor genau einem Jahr ist Sharon Jones verstorben. Nun erscheint ihr letztes, wieder mit den Dap-Kings eingespieltes Album »Soul Of A Woman«.
Music Review
Brian Blade & The Fellowship Band
Body And Shadow
»Body And Shadow«, das fünfte Album von Brian Blade & The Fellowship Band, ist ein ob seiner Kürze umso entschlossener wirkendes Album.
Music Review
M.E.S.H.
Hesaitix
Aus »Hesaitix« nimmt M.E.S.H. Abstand von den brutalen Klangdekunstruktionen vergangener Veröffentlichungen.
Music Review
Various Artists
Pantsula!
DJ Okapi und Antal haben für Rush Hour die Compilation »Pantsula! – The Rise of Electronic Dance Music in South Africa« zusammengestellt.
Music Review
Keiji Haino, Jim O'Rourke & Oren Ambarchi
This Dazzling, Genuine »Difference« Now Where Shall It Go?
Auf »This Dazzling, Genuine ›Difference‹ Now Where Shall It Go?« finden sich Keiji Haino, Jim O’Rourke und Oren Ambarchi erneut zusammen.
Music Review
Call Super
Arpo
Überraschen geht immer noch. Auch in der elektronischen Musik. »Arpo«, das neue Album von Call Super, überrascht.
Music Review
Gabor Szabo
Dreams
Es muss ja eben nicht immer voran gegangen werden, wenn Ort und Stelle genießbar sein sollen.
Music Review
Angel Olsen
Phases
»Phases« zeigt zwischen 2010 und 2016 entstandenes Material der Sängerin und Songwriterin Angel Olsen.
Music Review
Serge Gainsbourg & Jean-Claude Vannier
Les Chemins De Katmandou
Würde man 10km gegen jeden Pot-Smoke erkennen als Album der beiden. Musste aber erstmal aus den Flammen gerettet werden.
Music Review
Spirit Fest
Spirit Fest
Wenn hier »Supergroup« auf dem Beilagenzettel steht, bekommst du eine Gruppe Musiker ohne Allüren: Zum Debüt von Spirit Fest.
Music Review
Spinning Coin
Permo
Für ein Debüt erstaunlich ausgereift: Spinning Coin ist mit »Permo« ein abwechslungsreiches Album gelungen.
Music Review
Eye
Cocktail Mexico
Unwiderstehlich, aber nicht unabdingbar: Eye legt nach ihrem umwerfenden Debüt-Album eine EP vor.
Music Review
Various Artists
Studio One Black Man's Pride
Die 18 Songs auf »Studio One Black Man’s Pride« legen, jeder auf seine Weise, Zeugnis von schwarzem Selbstbewusstsein ab.
Music Review
Felix Kubin
Takt der Arbeit
Felix Kubin hat sich für »Takt der Arbeit« den Rhythmus der kapitalistischen Gegenwartsökonomie zum Vorbild genommen.
Music Review
Coil
Time Machines
Die knapp 20 Jahre, die das 1998 erstmals veröffentlichte »Time Machines« von Coil mittlerweile alt ist, hört man ihm an keiner Stelle an.
Music Review
Various Artists
Jukebox Mambo Vol.3
Seit 2012 stellt DJ Liam Large die »Jukebox Mambo«-Reihe zusammen und dokumentiert nun erneut die Bandbreite dieser ungewöhnlichen Klänge.
Music Review
Curtis Harding
Face Your Fear
Diese Stimme und die Produktion machen »Face Your Fear« von Curtis Harding zum Retro-Album des Jahres.
Music Review
Helena Hauff
Have You Been There, Have You Seen It
Jede Synthesizerspur eine metallische Blubbersequenz: »Have You Been There, Have You Seen It« von Helena Hauff endet viel zu rasch.
Music Review
Gregory Porter
Nat »King« Cole & Me
Gregory Porter huldigt gemeinsam mit dem London Symphony Orchestra auf »Nat King Cole & Me« seinem Vorbild. Das gelingt nur teilweise.
Music Review
Visionist
Value
Auf seinem zweiten Album »Value« entwickelt Visionist seinen kristallinen High-Fidelity-Noise konsequent weiter.
Music Review
Grandbrothers
Open
»Operation am offenen Herzen eines Flügels«: das Düsseldorfer Duo Grandbrother hat ihr zweites Album »Open« veröffentlicht.
Music Review
Sugai Ken
UkabazUmorezU
Um die Nacht geht es auf »UkabazUmorezU«, dem wohl fünften Album des Japaners Sugai Ken. Um die Nacht geht es ihm insgesamt in seiner Musik.
Music Review
Högni
Two Trains
Ein Album zu Ehren von Minør und Pionér. Den einzigen beiden Eisenbahnen, die je auf isländischem Boden fuhren.
Music Review
Fünf Sterne Deluxe
Flash
Fernab von Trends oder Relevanz ist »Flash«, das neue Album von Fünf Sterne Deluxe, genau das, was man erwarten durfte: ein großer Spaß.
Music Review
Serge Bulot
Les Legendes De Brocéliande
Ein ätherisch schönes Album irgendwo zwischen Leftfield-Ambient, New Age-Pathos und Electronic Jazz.