Music Review | verfasst 28.11.2017
Tony Caro & John
All On the First Day
Tapete, 2017
Text Tim Caspar Boehme
Deine Bewertung:
9.0
Nutzer (1)
8.6
Redaktion
Cover Tony Caro & John - All On the First Day

Also gut, die Stimme von Tony Doré erinnert manchmal ein wenig an Eric Idle von Monty Python. Was aber eigentlich ein Kompliment ist. Wie man überhaupt für dieses sehr unabhängig entstandene und in seiner ursprünglichen Gestalt mit gerade mal 100 handbesprühten Exemplaren 1972 veröffentlichte Debütalbum »All On the First Day« des britischen, lapidar Tony, Caro & John genannten Folk-Trios nichts als Lob finden kann. Intelligente, abgründige Texte mit rätselhaften Zeilen wie „Something dark is circling around / People crouch in fear on the ground“ oder Titel wie »Apocalypso« – mutmaßlich das erste Vorkommnis dieses Wortspiels – treffen auf bauernschlau schlicht gesetzte Töne, aus denen im schlendernden Tempo ganz wunderbar eingängige Melodien wachsen, die alles haben, was gelungener Pop im Leben so braucht. Eine der Inspirationen für diese Musik war die Incredible String Band, die Mutter aller Weird Folk-Gruppen. Allerdings verstehen sich Tony, Caro & John bestens darauf, seltsame Klangebenen so in ihre fast ungetrübten Song-Strukturen einzubauen, dass sie nicht übermäßig auffallen. Eigenartiges und Großartiges gehen friedlich Hand in Hand. Und mit Nummern wie dem Titelsong wedeln sie mal eben lässig eine Hymne aus der Schlaghose, die Eindruck macht. Und Gänsehaut. Oder Gänseblümchen. Beides toll.

»All On the First Day« von Tony Caro & John ist bereits bei Tapete Records erschienen.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 22.11.2012
Tony Caro & John
Blue Clouds
Drag City veröffentlicht rares Material eine fast vergessenen Psych-Folk-Band aus den 1970er Jahren.
Music Review | verfasst 10.02.2011
Bart Davenport
Searching For Bart Davenport
Mit einem imposanten Album voller Coversongs möchte Bart Davenport endlich auch hierzulande gehört werden.
Music Review | verfasst 07.11.2014
HGich.T
Megabobo
HGich.T s »Megabobo« will nicht so recht zünden. Werden aus den Goa-Dadaisten etwa Blödel-Routiniers?
Music Review | verfasst 26.08.2016
Die Höchste Eisenbahn
Wer Bringt Mich jetzt Zu Den Anderen
»Wer Bringt Mich jetzt Zu Den Anderen« von Die Höchste Eisenbahn ist ein federleicht klingendes Album.
Music Review | verfasst 28.11.2016
Slapp Happy
Acnalbasac Noom
Ist die Geschichte von Slapp Happy schon ungewöhnlich, so ist es die Entstehung von »Acnalbasac Noom« aus dem Jahre 1973 allemal.
Music Review | verfasst 28.11.2016
Slapp Happy
Sort Of
Slapp Happy erprobten auf »Sort Of« 1972 lustvoll, wie man die Konventionen des Rock-Vokabulars sanft gegen den Strich bürsten kann.
Music Review | verfasst 12.07.2019
Stereo Total
Ah! Quel Cinéma!
Stereo Total bleiben Stereo Total. Unvergleichlich und sehr, sehr kurzweilig. So auch auf ihrem zwölften Album »Ah! Quel Cinéma!«.
Music Porträt | verfasst 10.02.2011
Bart Davenport
Let Love Find You!
Nur wenigen gelingt es, die Freude an den persönlichen Glanzmomenten aus sechzig Jahren Folk, Pop und R&B so lebendig zu vermitteln wie dem Kings-Of-Covenience-Kumpel Bart Davenport, wie derzeit gleich zwei aktuelle Alben zeigen.
Music Review
MR TC & Lo Kindre
Phase001
MR TC und Lo Kindre haben ein Label aus der Taufe gehoben und gleich auch ein gemeinsamen Release fertiggestellt.
Music Review
Iron Curtis
And The Temper
Iron Curtis kehrt auf Office Recordings zurück. Seine EP »And The Temper« erzählt eine kleine Geschichte – im House-Bereich eine Seltenheit.
Music Review
Freddie Gibbs & Madlib
Bandana
Freddie Gibbs und Madlib, der Rapper und der Beatschmied, haben sich endgültig gefunden. Mit »Bandana« ist ihnen etwas großartiges gelungen.
Music Review
Fernando Falcão
Memória Das Águas
Kein Ethnoscheiß und auch kein plumper Nihilismus: Selva Disco legt »Memória Das Águas« von Fernando Falcão wieder auf.
Music Review
Odd Okoddo
Okitwoye
Odd Okoddo sind Sven Kacirek und der Sänger und Lautenist Olith Ratego. »Okitwoye« liefert einen ersten Vorgeschmack auf ihr Debütalbum.
Music Review
J.Derwort
Bamboo Music
Jacobus Derwart von The Chi Factory hatte in den späten 1980er Jahren mit Bambusflöten und Zweispurrekorder »Bamboo Music« aufgenommen.
Music Review
Shakti
Verboden Dromen
Aus den Hochzeiten der belgischen Clubkultur der 1980er Jahre kommt »Verboden Dromen« von Shakti, den Stroom wieder verfügbar gemacht hat.
Music Review
Biochip
Synthase
Das kanadische Duo Biochip debütiert mit »Synthase« auf Albumlänge auf Central Processing Unit.
Music Review
Why?
AOKOHIO
Psych Pop zwischen verschroben und hymnisch, mal kryptisch verklausuliert, mal mit der emotionalen Dampfwalze von Befindlichkeitsnudisten.
Music Review
Dots (Atom TM)
Dots
1994 nur auf CD erschienen, wird »Dots« nun via Astral Industries erstmals auf Vinyl veröffentlicht.
Music Review
Tim Jackiw
Many Moons
Zwischen 1995 und 1998 hat Tim Jackiw in Adelaide auf seinem Amiga 500 Tracks produziert, die jetzt als »Many Moons« veröffentlicht wurden.
Music Review
Michael Orr And The Book Of Life
Love Will Rise
»Love Will Rise« von Michael Orr And The Book Of Life aus dem Jahr 1979 ist ein Plädoyer für die Nächstenliebe.
Music Review
Michael Orr
Spread Love
Mit »Spread Love« von Michael Orr veröffentlicht Light In The Attic ein zu Unrecht vergessenes Album aus der Hochphase des R&B neu.
Music Review
Naosuke Miyamoto Sextet
Step!
1973 standen die Zeichen im japanischen Jazz auf Aufbruch. In diesem Jahr nahm das Naosuke Miyamoto Sextet »Step!« auf.
Music Review
Young Marco
Bahasa
Fünf Jahre nach einem prägenden Besuch von Indonesien hat Young Marco mit »Bahasa« das Ergebnis dieser Auseinandersetzung veröffentlicht.
Music Review
Cold Front
Beyond The Beat
Aus Minneapolis kommt das nächste Fundstück aus dem Knekelhuis. Dort haben um 1990 Cold Front »Beyond The Beat« aufgenommen.
Music Review
Desmond Coke
Let's Chase The Sun
1989 hat Desmond Coke in Eigenregie das Album »Let’s Chase The Sun« aufgenommen. Jetzt wird es von EMotional Rescue wiederveröffentlicht.
Music Review
Tycho
Weather
Auf seinem fünften Album »Weather« versucht Tycho etwas neues. Er arbeitet mit Stimme. Genauer: Saint Sinners Stimme. Und es funktioniert.
Music Review
Llewellyn
These Days
Llewellyn nennt sich der in erster Linie als Lake People bekannte Leipziger Martin Enke auf seiner neuen, sehr sonnigen EP »These Days«.
Music Review
Eiger Drums Propaganda
II
Ist das das letzte Album von Eiger Drums Propganda? Am Ende klingt es beinahe so. Bis zur offiziellen Bestätigung ist es aber Album »II«.
Music Review
Low Leaf
Baker's Dozen Vol.12
New Age-Musik, die alles andere als esoterisch klingt: »Baker’s Dozen Vol.12« kommt von der kalifornischen Harfinistin Low Leaf.
Music Review
Tommy Guerrero
From The Soil To The Soul
2006 via Quannum nur auf CD erschienen, legt Be With jetzt 13 Jahre später »From The Soil To The Soul« von Tommy Guerrero als Vinyl LP nach.
Music Review
Karen Gwyer
Man On Mountain EP
Seit »Rembo« 2017 ist es still geworden um karen Gwyer. Jedenfalls blieben die Releases aus. Das ändert sich mit »Man On Mountain« nun.
Music Review
Rhye
Spirit
Rhye haben eine neue Platte veröffentlicht und schenkt man den Worten dieser Rezension glauben, dann fehlt »Spirit« der Spirit.
Music Review
Musical Breed
Save The Little Children
In den Achtzigern war Reggae in Nigeria groß. In dieser Zeit nahmen Musical Breed ihr ungewöhnlich raues »Save The Little Children« auf.
Music Review
River Yarra
Frogmania EP
Frösche, Frösche, Frösche. Der australische Produzent River Yarra macht keine halben Sachen. Auf »Frogmania« quakt es, was das Zeug hält.
Music Review
Coil
Theme From The Gay Man‘s Guide to Safer Sex
1992 haben Coil den Soundtrack zu »Theme From The Gay Man‘s Guide to Safer Sex« komponiert, aber bislang nie veröffentlicht.
Music Review
Ariel Kalma
Nuits Blanches Au Studio 116
»Nuits Blanches Au Studio 116« versammelt fünf bislang unveröffentlichte Stücke von Ariel Kalma, die einen vielseitigen Komponisten zeigen.
Music Review
Various Artists
Street Soul Brazil 1987-1995
Die Compilation »Street Soul Brazil 1987-1995« zeigt entschleunigte Tanzmusik die braslianische Städter vor 30 Jahren zum Engtanz bewegte.
Music Review
Félicia Atkinson
The Flower And The Vessel
Schallplatten von Félicia Atkinson sind etwas Besonderes. Hier passt alles: Design, Sound, Kunst. So auch bei »The Flower And The Vessel«.
Music Review
Thom Yorke
Anima
War das zu erwarten? Thom Yorke hat mit »Anima« sein bislang eingenständigstes künstlerisches Statement als Solokünstler abgegeben.
Music Review
TRjj
Music Compilation: 12 Dances
Die »Music Compilation: 12 Dances« von TRjj weckt Erinnerungen an die jüngere Vergangenheit und ist ganz und gar gegenwärtig.
Music Review
Shabason & Gunning
Muldrew
»Muldrew« heißt die erste gemeinsame Arbeit der kanadischen Musiker Joseph Shabason und Ben Gunning.
Music Review
Michael Stearns
Planetary Unfolding
Michael Stearns ist 1981 mit »Planetary Unfolding« ein kleines New-Age-Meisterwerk gelungen. Es wurde jetzt wiederveröffentlicht.
Music Review
George Otsuka Quintet
Physical Structure
Mit »Physical Structure« vom George Otsuka Quintet wurde jetzt via Le Trés Jazz Club ein mächtiger Fusion-Wurf aus dem Jahr 1976 geborgen.
Music Review
Upperground Orchestra
Euganea
Nach sieben Jahren Ruhepause kehrt das von Rabih Beaini geführte Upperground Orchestra mit dem neuen Album »Euganea« zurück.
Music Review
EABS & Tenderlonious
Slavic Spirits
Die polnische Jazzformation EABS haben mit »Slavic Spirits« einen tollen Zweitling vorgelegt. Tenderlonious war auch daran beteiligt.
Music Review
Too Smooth Christ
Density Of Horizon
Sicherlich wird auf Too Smooth Christ’s »Desntiy Of Horizon« das Rad nicht neu erfunden, aber das alte Rad wird neu in Schwung gebracht.
Music Review
Gwakasonné
Vwayajé
Séance Centre veröffentlichen mit »Vwayajé« eine Zusammenstellung mit Highlights der aus Guadeloupe stammenden Band Gwakasonné.
Music Review
Amato & Adriani
Presence Du Futur
Michel Amato, bekannt als The Hacker, und Alessandro Adriani, bekannt als Labelboss von Mannequin, veröffentlichen »Presence Du Futur«.
Music Review
Wilson Tanner
II
Wilson Tanner sind angetreten, um dem Hörer eine gewisse Ruhe zu injizieren. Auf »II« ist ihnen das noch mal besser gelungen.