Music Review | verfasst 12.12.2017
Betonkust & Uj Bala
DDS001 EP
Dalmata Daniel, 2017
Text Lars Fleischmann
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Redaktion
Cover Betonkust & Uj Bala - DDS001 EP

In Budapest geht man nicht nur in die nächste Runde, sondern öffnet gleich ein neues Kapitel. Nach sechs Platten, die in dichter Taktung auf dem Label Dalmata Daniel herausgekommen sind, folgt nun die erste Split Vinyl 12“. Der Auftakt für eine neue »Split Series«. Musikalisch bleibt man sich jedoch treu: Underground-Techno in verschiedensten Spielarten kommt auch hier zu tragen. Nach Schwergewichten wie DJ Overdose oder auch Norwell, folgt nun Abseitiges von dem niederländischen Produzenten Betonkust und dem ungarischen Distortion-Techno-Freak Új Bála. Die interessante Gegenüberstellung zweier Künstler, die auf den ersten Blick nicht so viel miteinander zu tun haben, wird wohl das Konzept sein. Die A-Seite von Betonkust setzt da an, wo seine beiden Veröffentlichungen gemeinsam mit Palmbomen II auf den beiden hippen Outsider-Labeln Pinkman und 1080p aufgehört haben. Verschrobene ätherische Popmusik im Gewand von Underground-Tanzmusik. Angelo Badalamenti knutscht mit Lo-Fi-House, Hudson Mohawke schaut durch’s Fenster und filmt diese Liebschaft heimlich mit. Das wird dann zu Hause auf VHS übertragen und der Welt als Rip ins Netz gestellt. Wahnwitzig, bekloppt und dabei ganz romantisch. Bei Új Bála geht es da anders zugange. Hier wird brachialer gefuhrwerkt. Die Distortion-Pedals werden gar nicht erst vom Strom genommen, sondern mit 18 statt 9 Volt betrieben. Das macht es krachiger, aber auch tanzbarer. Schon seit ein paar Jahren macht sich der Ungar mit noisigem Techno einen Namen in Insider-Kreisen. Hier schichtet man mal wieder Tonspur auf Tonspur, alles vollgesättigt. Was haben die beiden denn nun gemeinsam? Billig könnte man sich auf das Outsider-Dasein berufen, dass die beiden niemals in DJ-Listen auftauchen lassen wird, da ihr Sound so konsequent an die Ränder des eigenen Metiers getrieben wurden, dass es – nun mal – kracht. Tatsächlich wohnt diesen sechs Tracks aber etwas ganz Seliges inne. Eine Verschränkung von Punk und Techno, Bunker und Konzertschuppen, Protest und Aktivismus.

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