Music Review | verfasst 20.12.2017
Lab Rat XL
Mice Or Cyborg
Clone, 2017
Text Tim Caspar Boehme
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Redaktion
Cover Lab Rat XL - Mice Or Cyborg

Der Abschluss der »Seven Storms«-Serie. Drexciya hatten sich für ihr letztes Album – sofern man die in diesem Jahr als Archiventdeckung veröffentlichte Jack Peoples-Platte nicht dazurechnet – noch nicht entschieden, wie sie die sechs Tracks betiteln würden, daher die spröde durchnummerierten Tracks. Hier gibt es noch einmal Drexciya auf der Höhe ihres Forschungsansatzes zu vernehmen. Alles in allem hatte sich der Tonfall gegen Ende hin zwar etwas von den laserscharfen Techno-Spitzen weg zu melancholisch abgerundetem Maschinenpark-Funk entwickelt, doch »Mice Or Cyborg« demonstriert auf übersichtlichem Raum sehr vorbildlich, wie die rigorose Haltung von Drexciya dem Phänomen Techno immer wieder neue Facetten abgewinnen konnte. James Stinson und Gerald Donald nutzten dies unter dem Namen Lab Rat XL für Tiefenfunk-Bohrungen, fast Schaffel-artige Electro-Exkursionen und avancierte Robotik-Tanzversuche. Die ganz großen Hymnen wollten sie dabei nicht mehr aus ihren Synthesizern herausdestillieren. Dafür gelang ihnen besonders mit dem ersten Stück eine Art vorsichtig tastende Weltraumexpedition, an der sich wunderbar nachvollziehen lässt, was Drexciya so besonders machte: rhythmisch starre, reduzierte Drumcomputer gegen freizügige, beinahe trippig ihre Schlieren ziehende Melodien. Programmiert und improvisiert ineins. Diesen scheinbaren Widerspruch haben sie so gut hinbekommen wie sonst kaum jemand.

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