Music Review | verfasst 05.02.2018
Henry Wu & Earl Jeffers
Projections EP
MCDE, 2018
Text Niklas Fucks
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8.4
Redaktion
Cover Henry Wu & Earl Jeffers - Projections EP

Berlin hin oder her: Wenn man mal ehrlich ist kann keine europäische Stadt auf eine derart spannende elektronische Musikgeschichte zurückblicken wie London. Horrender Wohnsituationen und politischer Rückschritte zum Trotz loten in der Stadt an der Themse auch heute noch fähige Musiker Genregrenzen aus: Bei Labels wie Rhythm Section, 22a oder Eglo Records schlafen Jazz, House und Disco wegen hoher Mieten eben auf derselben Couch – man muss zusammenarbeiten. So geschehen bei der Projections EP vom Pianisten Henry Wu und dem offensichtlich Zeitreisenden Earl Jeffers, dessen Deep House direkt einem Keller Chicagos im Jahre 1991 entstammen. Wu, der gleichzeitig an abstrakten Jazzformationen (Ruhe in Frieden Yussef Kamaal) und House-Kollaboration mitwirkt, klickt mit Jeffers versetzt-staubiger Drumprogrammierung und funkigen Basslines so gut wie sonst selten. Die A-Seite »Projections« ist ein jazziger House-Knaller mit Xylophon, Klavier und zahllosen Synthesizermelodien, der einfach nicht monoton werden will. Sobald plötzlich der Breakbeat einsetzt, ist klar, dass man es hier mit etwas Besonderem zu tun hat. Nur passend, dass Projections auf dem Label von Motor City Drum Ensemble erscheint, der als DJ mit genau dem Mix aus Disco, Jazz und 90er-Piano-House-Nostalgie steht, den Wu und Jeffers auf ihrer EP mit High Score durchgespielt haben. A propos Piano: Wenn man der EP etwas vorwerfen will, dann dass die B-Seite »Hi-Life« nur ein überdurchschnittliches House-Brett ist, das sich mit jedem Hören tiefer in die Synapsen nagelt.

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