Music Review | verfasst 01.03.2018
Mystic Jungle
Night Of Cheetah
Periodica, 2018
Text Tim Caspar Boehme
Deine Bewertung:
/
Nutzer
8.2
Redaktion
Cover Mystic Jungle - Night Of Cheetah

Mystischer Funk aus Neapel. Der Produzent Dario di Pace alias Mystic Jungle ist ein schönes Beispiel dafür, dass man als Musiker die Frage, ob das, was man hervorbringt, nun der Zukunft oder oder doch eher der Vergangenheit zugewandt ist, elegant umschiffen kann. Man braucht bloß einen frischen Zugang zu Vertrautem, um sein eigenes Ding zu legitimieren. Auf seinem Solodebüt »Night of Cheetah« – er leitet ansonsten das artverwandte Projekt Mystic Jungle Tribe – etwa geht es balearisch zu, Italo-Disco fatta in casa gehört selbstverständlich auch zu den Grundzutaten. So weit, so stilecht. (Das Synthesizer-Solo von »Psychic Voodoo« bräuchte ich persönlich jetzt nicht noch obendrauf, fällt aber andererseits nicht groß unangenehm auf.) Allerdings ist »Night of Cheetah« keine bloße Genreübung, sondern nimmt sich alle Freiheiten, die der eigenen Botschaft oder Laune zuträglich sind. Schon die Einleitung »Enter the Night« erinnert eher an die Frühphase akademischer elektronischer Musik als an ein Intro für ein Clubalbum. Seltsame Weltraumexkursionen und diverse unorthodox-kaputte Sounds zwischen Boogie-Rhythmen passen da ebenso mühelos hin wie die Elektro-Funk-kantigen »Glitter Games«. Ist heute genau das Richtige.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 05.10.2016
The Mystic Jungle Tribe
Qvisisana
So könnte Ibiza klingen, wenn es wieder vom zerbrochenen Glas und Kotze befreit sein wird.
Music Liste | verfasst 18.09.2017
12 Organic Groovers,
die die letzten 12 Monate geprägt haben
Junge Menschen kaufen alte Platten, Hauptsache Kalimba, Conga, Hauptsache es klingt irgendwie erdverbunden. Wo doch alles so digital geworden ist. Aber man muss dafür gar nicht in der Vergangenheit diggen…
Music Interview | verfasst 12.06.2015
Sylabil Spill & Ghanaian Stallion
»Rap ist immer Ventil«
Alles ist ein Duell. Sylabil Spill fechtet sie im 1vs1 mit Whack-MCs und auf einer Metaebene mit der Gesellschaft aus. Jetzt hat er gleich zwei neue EPs veröffentlicht. Eine davon mit Ghanaian Stallion. Wir trafen das Duo zum Gespräch.
Music Review | verfasst 19.06.2015
MoTrip
Mama
Sein zweites Album »Mama« wird MoTrips Standing als einer der besten Rapper Deutschlands zwar nicht zementieren, aber verankern.
Music Kolumne | verfasst 10.06.2015
Aigners Inventur
Mai 2015
Auch in diesem Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: A$AP Rocky, Jamie XX, Shamir und Jenny Hval.
Music Review | verfasst 17.06.2015
Hudson Mohawke
Lantern
Neue Maßstäbe soll »Lantern« setzen. Stattdessen setzt es sich auf seinen aufgeblasenen Hochglanz-Hintern-
Music Porträt | verfasst 11.06.2012
alt-J (∆)
Das magische Dreieck
Die vier Briten heißen wie ein Dreieck, das entsteht, wenn man auf der englischen Ausführung des Macbooks das Kürzel »alt-J« benutzt. Sie spielen mit neumodischen Schnickschnack versehenen Folk und werden als nächstes großes Ding gehandelt.
Music Review
Palta & Ti
Palta Og Ti Pa Den Tolvte Ø
»Palta Og Ti Pa Den Tolvte Ø«. Der Titel verrät es bereits: Palta & Ti veröffentlichen eine Schallplatte auf 12th Isle.
Music Review
Father John Misty
God's Favorite Customer
Kompakter, fokussierter und nicht ganz so zynisch lotet Father John Misty auf »God’s Favorite Customer« die Untiefen der Zweisamkeit aus.
Music Review
Ammar 808
Maghreb United
Als nordafrikanischen Futurismus bezeichnet Ammar 808 sein Konzept, das auf »Maghreb United« nun erstmals umgesetzt wurde.
Music Review
Onyx
Complete Works 1981–1983
Flanger-heavy Shit aus den 80igern, cooler als alles sonst! Post-Punk, New Wave, Digi Dub, nur gut.
Music Review
DJ Richard
Dies Iræ Xerox
Auf seinem zweiten Album regelt DJ Richard die Farbwerte noch weiter runter und tut vor allem eins: Haltung bewahren.
Music Review
Melody's Echo Chamber
Bon Voyage
Auch mit »Bon Voyage« spinnt Melody’s Echo Chamber an den Fäden der Musikgeschichte weiter, die Broadcast und Stereolab haben liegen lassen.
Music Review
CEM3340
Perfect Stranger
CEM3340 orientiert sich auf »Perfect Stranger« am Detroiter Electro der 1980er Jahre und setzt diesen in einen zeitgenössischen Kontext.
Music Review
Various Artists
Boombox 3
Am frühen Rap kann man sich so schlecht satthören: »Boombox 3« beweist das wieder einmal eindrucksvoll.
Music Review
Richard Wahnfried
Time Actor
Der Synthesizerkönig der Berliner Schule Klaus Schulze trat mit »Time Actor« 1979 erstmalig als Richard Wahnfried in Erscheinung.
Music Review
Colin Potter
The Where House?
Ein bisschen Cabaret Voltaire-Kaputtheit schwingt mit: Zur Reissue des zuerst 1981 veröffentlichten »The Wehre House?« von Colin Potter.
Music Review
RSF
RSF
RSF macht seine Sache so gut, dass man ihm praktisch alles abkaufen würde: Flirren, Sprudeln, Strahlen, Italo-Disco oder Synthie-Pop.
Music Review
Delroy Edwards
Aftershock
Roh, perkussiv, loopy: »Aftershock« bedient zumindest das für Delroy Edwards typische Understatement und ist ein prima DJ-Tool.
Music Review
Royce Da 5'9
Book Of Ryan
»Book Of Ryan« von Royce Da 5’9 lebt von episch auserzählten Erinnerungen und strotzt vor Reife und Selbstreflektion.
Music Review
Kendrick Lamar
OST Black Panther
Kendrick Lamars Zerrissenheit passt nicht zu den Heldenphantasien von »Black Panther«.
Music Review
Route 8
Come Home – 12"
Mit »Come Home« darf der ungarische House-Producer Route 8 die 50. Katalognummer des Labels Lobster Theremin bespielen.
Music Review
Lena Platonos
Lepidoptera
Lena Platonos ist eine Entdeckung. Jetzt hat Dark Entries mit »Lepidoptera« aus dem Jahre 1986 eine weitere Platte der Griechin aufgelegt.
Music Review
Oneohtrix Point Never
Age Of
Auf seinem neuen Album als Oneohtrix Point Never, »Age Of«, macht Daniel Lopatin jetzt Pop. Jetzt können wir alle einpacken.
Music Review
Sebb Bash
Imports
Auf çImports«, dem überhaupt ersten Streich des Beatmakers Sebb Bash, findet zusammen, was irgendwann über Breaks zusammenfinden muss.
Music Review
Nexda
Words & Numbers
Beste Reissue meines Lebens. Lass’ es auch dein Leben sein. Choose Nexda, choose life! P.S: Tod dem Bundesliga-Dino!
Music Review
Abul Mogard
Works
»Works«** ist eine Sammlung von Stücken des serbischen Komponisten Abul Mogard, die bislang nur auf Kassetten erschienen sind.
Music Review
Shy Layers
Midnight Marker
Mit »Midnight Marker« beweist Shy Layers, dass es Tiefe auch bei so etwas wie polierten Oberflächen geben kann.
Music Review
Westside Gunn x Mr. Green
FLYGOD Is Good… All The Time
Auf »FLYGOD Is Good… All The Time« hat sich Westside Gunn mit Mr. Green zusammengetan. Das Prinzip heißt hier: weniger ist mehr.
Music Review
Eleventeen Eston
At The Water
Growing Bin veröffentlicht »At The Water« von Eleventeen Eston und macht sich weiter einen Namen für plätschernde, schöne, freie Musik.
Music Review
The Nels Cline 4
Currents, Constellations
Nels Cline wird seinen Ruf als »gefährlichster Gitarrist der Welt« auf »Currents, Constellations« endlich wieder gerecht.
Music Review
Luis Pérez
Ipan In Xiktli Metztli, México Mágico Cósmico, El Ombligo de la Luna
Was Mr. Bongo hier neuaufgelegt hat, ist das Zeug, das einen zu einem besseren Mensch macht.
Music Review
Courtney Barnett
Tell Me How You Really Feel
Courtney Barnett stellt auch auf ihrem zweiten Album »Tell Me Who You Really Are« die richtigen Fragen zu den wichtigen Themen.
Music Review
Gas
Rausch
Mit »Rausch« bewegt sich Wolfgang Voigt mehr denn je auf der Kippe. Dabei herausgekommen ist das wohl beste Gas-Album überhaupt.
Music Review
The Sea And Cake
Any Day
Was ist schon daran auszusetzen, wenn eine Band einen Stil entwickelt und diesen perfektioniert? Zum neuen Album von The Sea And Cake.
Music Review
Bebo Baldan
Vapor Frames 86/91
»Vapor Frames 86/91«, das 1991 veröffentlichte Debüt von Bebo Baldan, ist eine Form von global entspanntem Ambient.
Music Review
A.A.L. (Against All Logic)
2012-2017
Unter dem Alias A.A.L. (Against All Logic) lässt Nicolas Jaar die Ambitionen mal sausen. »2012-2017« möchte gerne gefallen.
Music Review
Michal Turtle
Return To Jeka
Music From Memory entstaubt zum dritten Mal Teile des Michal Turtle-Archivs. Musste vielleicht gar nicht mal sein.
Music Review
Donato Dozzy
Mindless Fulness – 12"
Schweben war selten schöner als mit der zwei Track starken Vinyl 12" »Mindless Fulness« von Donato Dozzy.
Music Review
Arctic Monkeys
Tranquility Base Hotel & Casino
Mit den Arctic Monkeys von 2006 hat »Tranquility Base Hotel & Casino« nicht mehr viel gemein. Das macht aber rein gar nichts.
Music Review
Joy O & Ben Vince
Transition 2/Systems Align – 12"
Für die Vinyl 12" »Transition 2/Systems Align« auf Hessle Audio hat sich Joy Orbison mit dem Saxophonisten Ben Vince zusammengetan.
Music Review
Various Artists
Yoruba!
Auf »Yoruba!« stellt schon der Titel klar, dass Gotteslob nicht nur spirituellen Gesang, sondern auch den Griff zur Trommel verlangt.
Music Review
Various Artists
Heads Records - South African Disco Dub Edits
Mit »Heads Records – South African Disco Dub Edits« wirft Soundway einen weiteren Blick auf die südafrikanische Musik der 1980er Jahre.
Music Review
Evo
Din Don
DJ Harvey hat das Club-Juwel »Din Don« von Evo aus dem Jahre 1983 für Best Record Italy wiederentdeckt.
Music Review
Various Artists
Ed Motta presents Too Slow To Disco Brasil
Als Käpt’n der jüngsten Ausgabe von »Too Slow to Disco« zeigt Ed Motta, wie die zurückgelehnten Funk-Momente seiner Heimat funktionieren.
Music Review
Lucrecia Dalt
Anticlines
Der Zauber schleicht sich auf »Anticlines«, dem neuen Album von Lucrecia Dalt, nach und nach an.
Music Review
Far Out Monster Disco Orchestra
The Black Sun
Der großanagelegt Rauschangriff Far Out Monster Disco Orchestra versammelt auch auf »The Black Sun« die Musikelite Brasiliens.
Music Review
Christopher Rau
F.M.E. Hustle
Mit seinem dritten Album liefert Christopher Rau viel auf einmal ab, bringt das aber in eine kohärente Form.