Music Review | verfasst 05.03.2018
Nat Birchall
Cosmic Language
Jazzman, 2018
Text Philipp Kunze
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8.2
Redaktion
Cover Nat Birchall - Cosmic Language

Man könnte die Werbung für dieses Album eigentlich schon beenden, bevor man über die eigentliche Musik gesprochen hat. UK-Geschmacksinstanz (also für die Älteren, die Gediegenen) Gilles Peterson nennt ihn einen der besten Musiker der Insel. Nat Birchall hat über Dub-Reggae und Rocksteady der Siebziger über »Blue Train« zum Jazz gefunden. Reggae-Innovatoren wie Cedric Brooks oder Roland Alphonso führten ihn ans Saxophon, John Coltrane vom Off-Beat zum Jazz. Da darf es einem schon mal warm unter dem Pullunder werden, ist doch völlig in Ordnung. »Cosmic Language« ist sein nunmehr achtes Studioalbum, sein zweites auf Jazzman. Inzwischen dürften die meisten schon wissen, ob sie hier richtig sind, Einflüsse, Albumtitel und Labelheimat lügen nicht. Das ist alles genauso großartig, wie man das vermuten würde. War »Guiding Spirits« von 2010 noch ganz Verbeugung vor klassischem Coltrane-Material, reckte sich Birchall fünf Jahre später mit seinem ersten Album für Jazzman, »Invocations«, schon spürbar mehr in Richtung Space. Will heißen: Spiritual Jazz. »Cosmic Language« ist jetzt ganz dort angekommen. Das Saxophon, das sich in sich selbst verliert, um den ganzen Song noch weiter aus sich raus zu locken. Die schwere Percussions, die erdigen Rasseln und Shacker. Das Harmonium, das natürlich an die Ragas von Alice Coltrane und anderen Jazzern denken lässt, die über indische Kultur versuchten, die Türe zum Kosmos aufzustoßen. So weit so »okay, got it!«. Der entscheidende Unterschied ist vielleicht: Nat Birchall ist Europäer. Sein Entwurf von Cosmic/Spirtual Jazz entfaltet wie bei den US-amerikanischen Pionieren zwar seine Größe in der Weite, jedoch scheint an den Moonboots immer noch etwas Gras aus Lancashire zu hängen. Es ist einem hier mehr nach Regenmantel denn nach glitzerndem Umhang. Man meint »Cosmic Language« stets diese gewisse Schwere, das Rustikale des englischen Nordwestens anzuhören. Wenn man da nach spätestens 1,5 Songs im Weltall hängt, riecht man doch noch die See, zieht leicht die Schultern an, weil es so windig ist da unten, wo die Gicht an die Klippen peitscht. Hierzu kann man genauso gut mit den Sternen spielen wie Schafe hüten, sollte das nicht eh dasselbe sein.

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