Review

Jean-Claude Risset

Music From Computer

Recollection GRM • 2014

Der Franzose Jean-Claude Risset zählt zu den Pionieren der Computermusik. In den 1960er Jahren forschte er in den USA an den Bell Laboratories, die damals Maßstäbe für die rechnergestützte Klangsynthese setzten, in den 1970er Jahren wurde er am neu gegründeten Pariser IRCAM (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique) Leiter der Abteilung Computermusik. »Music From Computer« versammelt drei Kompositionen aus der Zeit von 1968 bis 1985, In chronologisch umgekehrter Reihenfolge kann man nachhören, wie Jean-Claude Risset den Computer immer wieder neu als Instrument entdeckt. Wobei der Titel ein wenig irreführend ist: Risset arbeitet in »Sud« (1985) etwa nicht ausschließlich mit Computerklängen, sondern benutzt Aufnahmen aus Südfrankreich von Vögeln und Insekten, um diese zu verfremden und die verschiedenen Effekte immer weiter aufzufächern. Reine Rechnermusik gibt es etwa in »Mutations« (1977) und »Computer Suite From Little Boy« (1968). »Mutations« besteht überwiegend aus glockenartigen, kristallinen Klängen, die mal perkussiv, mal orgelartig, mal wie ein fließendes Rinnsal eingesetzt werden, um zum Ende hin in ein großes Glissando zu münden. »Computer Suite From Little Boy« schließlich ist eines der ersten Werke, das vollständig am Computer entstanden ist. Jean-Claude Risset erprobt darin nicht nur die akustische Eigenständigkeit des neuen Mediums, sondern rekonstruiert hier und da auch die Obertonspektren von Blechblasinstrumenten. Erfreulicherweise erliegt er nie der Verlockung, seinen Spielraum an Synthesemöglichkeiten völlig auszuschöpfen – und dadurch beliebig zu werden –, sondern konzentriert sich stets auf eine streng begrenzte Palette.