Review

Vessel

Punish, Honey

Tri Angle • 2014

Während Vessel mit »Order Of Noise« vor zwei Jahren auf bemerkenswerte Weise die elektronische Musik dekonstruierte, um aus den Bestandteilen entkernte Techno-Abstraktionen zu errichten, wählte er für den Nachfolger eine analoge Herangehensweise. So nutzte er auf »Punish, Honey« Metallgegenstände als Schlagzeug und fabrizierte eigene Instrumente wie Flöten aus Fahrradrahmen. Der Bristoler Produzent zieht seine klanglichen Inspirationen hierfür diesmal aus der Industrial-Musik der 1980er Jahre. Das Ergebnis ist dementsprechend nicht weniger experimentell oder gar menschlicher als auf dem Vorgänger. »Punish, Honey« klingt geradezu wie eine musikalische Reflexion über den Metall-Fetischismus in Shinya Tsukamotos »Tetsuo«-Filmen blechern, ausgeleiert, rostig und mechanisch. Zusammengehalten wird diese akustische Metallkonstruktion von Sebastian Gainsboroughs treffendem Gespür für Komposition und Songaufbau sowie einer Melodik, die stets ein wenig schief klingt. »Euoi« entfaltet sich mithilfe dieser grenzwertig melodischen Orgelklänge, die sich aus dem schwerfällig stampfenden Drum-Gerüst herausschälen. Der Synthesizer-Loop und der rollende Rhythmus von »Anima« bauen zu einem bedrückend schön klingenden Höhepunkt hin auf. Und das Arrangement von »Drowned In Water & Light« erinnert an die zurückhaltende Eleganz des Tri Angle Labelkollegen Forest Swords Im Gegensatz zu Raimes ähnlich bedrückendem »Quarter Turns Over A Living Line« hat man als Hörer hier stets das Gefühl, dass die Noise-Elemente nicht ziellos vor sich hin lärmen, sondern ein klares musikalisches Ziel anstreben. »Punish, Honey« ist insgesamt ein schwieriges Album. Wenn man sich jedoch auf die Herausforderung einlässt, kann es durchaus ein komplexes und stellenweise sogar befriedigendes Hörerlebnis erzeugen.