Music Interview | verfasst 31.07.2018
Helena Hauff
Bock auf Bunker
Ein Synthesizer und ein Drumcomputer, die Tage erscheint Helena Hauffs neues Album. Viel hat sich nicht geändert bei der Hamburgerin, nur auf dem Bankkonto sieht es endlich besser aus. Gesprächsstoff gab es (trotzdem) genug.
Text Kristoffer Cornils , Fotos Fabien Hammerl
Hauffbyhammer

Es ist bald Sommer in Berlin und die Tierwelt hat Bock drauf. »Siehst du den Sandhaufen da? Das war eine Wespe. Die hat heute morgen angefangen, sich in die Erde zu buddeln.« Helena Hauff zeigt einen kleinen Aufwurf zwischen den Pflastersteinen auf dem Gehweg vor dem Büro ihrer Plattenfirma, wo sie heute ein Interview nach dem nächsten absolviert. Fünf Minuten später schon sitzt sie auch wieder drin auf einer geblümten Couch, zum letzten Mal an diesem Tag. Auf dem Tisch steht ein ansehnlicher, aber unberührter Obstkorb bereit, über dem schon die Fruchtfliegen kreisen. Es ist schließlich spät am Tag, nicht nur für Hauff. Seit Stunden ist die nun schon hier. Um 9 Uhr 30 kam das Taxi, dabei war die Hamburgerin doch erst zwei Stunden vorher von ihrem Gig im Berliner Tresor nach Hause gekommen. DJ-Alltag halt, aber Hauff macht das gerne: Sie hat keine Social-Media-Kanäle, sie freut sich darüber, wenn die Leute direkt mit ihr sprechen, sagt sie.

»Ich kann mir nicht vorstellen, ein Avicii zu sein.« (Helena Hauff) Zu bereden gibt es schließlich einiges. Mit »Qualm« steht die Veröffentlichung von Hauffs zweitem regulären Album an. Überhaupt ist viel passiert in den fünf Jahren, seitdem sie 2013 ihre Debüt-EP »Actio Reactio« auf Actress’ Werkdiscs veröffentlichte: Releases solo oder mit f#x unter dem Namen Black Sites, Live-Kollaborationen mit James Dean Brown für sein Hypnobeat-Projekt, eine BBC-Residency, ein vermeintliches Electro-Revival mit ihr als unfreiwilliger Gallionsfigur und Bühnen, die immer größer werden. DJ-Alltag für eine, für die es seit fünf Jahren bestens zu laufen scheint und für die »unermüdlich« als Zuschreibung nur gerade passend scheint. Zuerst aber greift Hauff zu den Nüssen. Weil sie vielleicht wie wir alle durch »Herr Lehmann« über die Zauberwirkung von Elektrolyten gelernt hat, oder weil es besser zum Feierabendbier passt als das langsam in sich zusammenfallende Stillleben auf dem Tisch. Nach diesem Gespräch geht es zurück in die Hansestadt. Nicht, dass ihr dort viel Ruhe vergönnt wäre: Schon in den nächsten Tagen stehen Gigs in Indien auf dem Tourplan. Hilft aber alles nichts: Durch dieses Interview muss Hauff noch durch. Aber sie hat Bock drauf, und zwar auf alles.


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Das letzte Mal trafen wir uns vor fünf Jahren, damals gab es noch keine Promotage. Wie hast du das letzte halbe Jahrzehnt wahrgenommen?
Helena Hauff: Es sieht von außen vielleicht so aus, als wäre das alles ganz schnell gegangen und ist es verhältnismäßig wohl auch, es fühlte sich aber sehr natürlich an. Einen großen Unterschied bemerke ich nicht wirklich. Abgesehen von meinem Bankkonto, dem es ein wenig besser geht. Natürlich besteht ein Interesse an mir und manchmal komme ich wo an und die Leute wollen erstmal Fotos mit mir machen. Ich spiele auch auf größeren Bühnen, wo man dann vielleicht ein bisschen anders auflegt – wobei ich gar nicht sagen würde, dass ich das unbedingt tue. Manchmal vielleicht.

Es ist doch aber schon etwas grundlegend Anderes, wenn du auf einem Open-Air den Slot zwischen vier bis sechs Uhr hast als Sonntagnacht im Golden Pudel aufzulegen.
Klar. Es gibt ein paar Platten, die auf größeren Bühnen recht schwierig zu spielen sind. Eine Minimal Wave-Compilation ist dann einfach nicht laut genug. Lustigerweise funktionieren aber Sachen, die im Pudel viel zu krass, zu groß, zu laut, zu mächtig klingen, dort aber schon. Stell dir so eine Jeff Mills mal im Pudel vor! Ich versuche aber weiterhin, in kleinen Clubs zu spielen, weil das für die Szene und mich selbst wichtig finde. Allein schon weil es familiärer als ein großes Festival ist.

Und wie ist das persönlich für dich – fühlst du dich manchmal fehl am Platz auf solchen Open-Air-Veranstaltungen?
Wenn da andere DJs und Leute da sind, die du kennst, ist es nicht so schlimm. Manchmal kommt das aber schon vor. Wenn es musikalisch nicht mal ansatzweise etwas mit mir zu tun hat, ist es manchmal schon etwas komisch.

Nun kommst du aber schon aus einem gewissen Kontext, der als Underground konnotiert ist. In einem Club wie im Printworks in London hatte ich zum Beispiel zuletzt das Gefühl, dass die gesamte Veranstaltung eigentlich nichts mit mir zu tun hätte. Geht dir das nicht so?
Manchmal vielleicht. Aber ich bin da relativ entspannt und – das klingt jetzt fast arrogant – sehr offen. Ich habe festgestellt, dass man die Crowd sehr schnell unterschätzt. Dass man denkt: »Die sind hier, die mögen nur den und den Sound und wenn ich das und das spiele, beschmeißen die mich mit Tomaten.« Aber die Leute haben Bock, die wollen tanzen und haben meistens gar keine vorgefertigte Meinung. Ich finde es ganz schön zu merken, dass auch größere Sachen echt offen sein können – was viele DJs gar nicht wahrnehmen.

Offener vielleicht als Underground-Disse, wo sowieso alle zur Muckerpolizei gehören?
Klar! Auf eine Art und Weise kann es das sein, weil niemand mit einer bestimmten Erwartungshaltung hingeht. Es soll halt ballern, wir wollen Spaß und uns besaufen – damit sind die ganz glücklich. Klar kannst du genauso einen Underground-Club haben, wo dann ein Typ rum steht, der alle Platten auch zuhause hat: »Die hat auch schon der und der DJ gespielt, das ist ein großer Hit, das ist nicht underground und dies und das.« (zögert) Es ist schwierig zu vergleichen. Ich schätze beides, ich möchte weder dem einen noch dem anderen auf die Füße treten und sagen: Das ist nicht gut. Ich würde es schade finden, wenn ich nur noch auf großen Events spielen, wo der Typ mit der Plattensammlung nicht hinkommt. Den mag ich ja auch. (lacht)

Ist es nicht aber anstrengend, diesen Kompromiss zu wahren?
Ich sehe das ganz entspannt. Ich schaue mir die Booking-Anfragen an, gucke, wer da noch spielt und ob das irgendwie Sinn für mich ergibt und wie viel Geld ich bekomme. (lacht) Oder wie wenig Geld ich bekomme und ob das eventuell gerechtfertigt ist, weil es ein kleiner Club ist – dann finde ich wenig Geld total in Ordnung.

Ich frage auch deshalb, weil ich mich mit Blick auf deine bisherige Karriere schon manchmal frage: Wie recht ist das eigentlich alles? Wie recht ist es dir, als ein Gesicht des Electro-Revivals bei beispielsweise Resident Advisor heran genommen wirst?
Ich finde es dann schwierig, wenn wenn die Leute, die seit Jahren Electro in ihren Kellern basteln, gar nicht erwähnt werden. Nach dem Motto: Helena ist Electro, der ganze Rest ist scheißegal. Natürlich glaube ich schon, dass ich ein bisschen dazu beigetragen habe. Aber ich finde es schwierig, wenn es in Magazinen so dargestellt wird, als hätte ich dieses Genre erfunden. Im besten Fall ist es so wie mit meiner Freundschaft mit Umwelt. Der macht seit Anfang der Neunziger Electro und sagt mir: »Ich bin total glücklich, dass du jetzt das Postergirl bist, denn ich profitiere davon.« (lacht) »Ich werde endlich wieder eingeladen und ich kann nach 15 Jahren Karriere das erste Mal tatsächlich ein bisschen davon leben.« Dann gibt es natürlich auch Leute, die das kritischer sehen.

Wie ist das für dich aus Produzentinnensicht? Zu denken, »Okay, jetzt stecke ich in diesem Genre, aber eigentlich…
…bin ich gar kein Electroproduzent!« Das ist ja das Lustige. Ich habe vielleicht zwei, drei Stücke, die man als Electro bezeichnen könnte, bin aber eigentlich zwischen allem. Im Zweifelsfall ist das eher Acid Techno als Electro. Ich bediene eine gewisse Bandbreite an Styles, aber ich bin eher ein Electro-DJ als ein Electro-Produzent.

Klanglich erinnert »Qualm« sehr stark an deine ersten Releases. Hat sich in deinem Studio sehr viel verändert? Ich erinnere mich an ein Video bei Kaput, in dem nicht unbedingt viel rumstand.
Das ist das Set-Up, das ich von Anfang an benutzt habe und das hat sich nicht verändert. Mein letztes Album »Discreet Desires« war relativ konzeptionell insofern, als dass ich das Foto für das Cover und einen bestimmten Sound im Kopf hatte, den ich umsetzen wollte. Das war ein bisschen poppiger, im Vergleich zu »Qualm« zumindest, etwas mehr Songstruktur-lastiger. Danach hatte ich Lust, wieder so Bunker-Zeug zu machen. Als ich angefangen habe, Musik zu machen, wollte ich genau das machen: Bunker. Das war mein Ding. Ich war immer fasziniert von diesem Bunker-Ansatz, von DIY, von roughem, hartem, dreckigem Sound, der mit sehr wenigen Maschinen produziert wird. Das klassische Prinzip: ein Drumcomputer, ein Synthesizer. Wie im Track »Een Drumcomputer & Een Synthesizer« [des niederländischen Produzenten Ronald Klaver alias Electronome, Anm. d. Red.]. Die Idee fand ich wahnsinnig spannend und tatsächlich war Bunker das erste Label, mit dem ich in Kontakt getreten bin und die zuerst etwas von mir veröffentlichen wollten, obwohl das Release nach meiner EP auf Werkdiscs erschien. Ich hatte mich an dem Sound noch nicht komplett abgearbeitet, ich hatte immer noch Bock drauf, ich wollte wieder dahin zurück und aus wenigen Mitteln etwas Energetisches produzieren. Was ich dann halt gemacht habe. (lacht)

Warum eigentlich? Ob Techno oder Electro, es geht immer um Fortschritt. Bedeutet es nicht aber eher einen Rückschritt für dich?
»Mehr Synthesizer« ist kein Fortschritt. Egal, was du machst: Es ist sowieso nie neu, das kannst du komplett vergessen. Wir brauchen neue Technologie, aber das neueste iPhone ist kein Fortschritt in der Technologie. Fortschritt findet nicht statt, es gibt nichts Neues. Natürlich kannst du dir das gesamte Zimmer mit Synthesizern vollstellen. Ob davon aber deine Musik besser wird, bezweifle ich. Wenn es dich inspiriert, vielleicht. Aber das ist nicht zwangsläufig der Weg, um zu geiler Musik zu kommen. Die besten Sachen kommen Leuten, die kein Geld haben, aber mit einem Drumcomputer und Ableton zuhause sitzen und das Ding zu Tode arbeiten. Ehrlich gesagt ist mir das auch ziemlich egal. Ob ich nun nach vorne gehe oder nach hinten – ich habe von Anfang an gemacht, worauf ich Lust hatte und nie darüber nachgedacht, ob es radikal, anders oder neu ist.

Wenn es aber back to the roots geht, wird das allerdings schnell als Nostalgie aufgefasst – und Nostalgie finden wir alle immer schlimm.
Ja, ich auch! (lacht) Ich habe mich aber auch nicht hingesetzt mit dem Ziel, dasselbe zu machen, was ich schon mit zwanzig Jahren gemacht habe. Mit »Discreet Desires« wollte ich schon etwas machen, das sich von allem zuvor unterscheiden sollte. Aber ich wusste zugleich, dass ich nicht viel in diese Richtung weiterarbeiten werde. Danach wollte ich wieder etwas Härteres machen.

Nostalgie ist aber aktuell auch gesamtgesellschaftlich interessant. Ein Slogan wie »Make America Great Again« ist auch ein nostalgisches Statement.
Ja. Wobei ich nicht genau verstehe, was er damit eigentlich meint. Denn wann war es überhaupt mal great?

Das tut vermutlich niemand so wirklich, deswegen funktioniert er ja so gut.
Na, ich glaube, die weiße Gesellschaft Amerikas weiß ziemlich genau, was damit gemeint ist.

Fair enough, das stimmt sicherlich.
Die schwarze fragt sich nur: »What the fuck do you mean with that, fucker?«

»Wir brauchen neue Technologie, aber das neueste iPhone ist kein Fortschritt in der Technologie.« (Helena Hauff) Wie denkst du denn über die Zukunft?
In welchem Sinne? Ich selber denke überhaupt nicht über meine Zukunft nach. Ich bin immer ganz glücklich mit dem, wo ich gerade so bin. Wenn’s so weiterläuft wie bisher, fände ich das ziemlich spitze. Das habe ich vor fünf Jahren aber auch gedacht. Und vor zehn. Ich bin total einfach zu befriedigen. (lacht) Wenn ich aber politisch denke oder an die Umwelt, dann könnte ich mir Utopien oder Dystopien ausmalen von dem, was ich mir wünschen würde oder was ich schade fände. Aber ich weiß natürlich, was passiert – oder ob das wirklich die Frage war.

Das war schon eine totale Arschlochfrage!
Schweinebacke!

Du bewegst dich in einem toughen Business. Wenn wir also über Zukunft sprechen, dann reden wir auch übers Älterwerden – was auch immer das heißt – in diesem Business, das immer mehr von den Leuten erfordert. Du hast zwei Stunden geschlafen und jetzt den ganzen Tag Interviews gegeben, demnächst geht es für dich weiter. Macht einen das nicht fertig auf Dauer?
Ich muss es ja nicht machen. Das ist natürlich einfach zu sagen und das weiß ich auch.

Letztens sprach DJ Koze sehr offen an anderer Stelle in diesem Mag über Panik- und Angststörungen. Es wird viel von DJ abverlangt und natürlich wird häufig gesagt: Die können doch etwas anderes machen. Im selben Zug aber wollen wir ja eure Dienstleistungen in Anspruch nehmen.
Genau. Diesen Interviewtag hätte ich nicht machen müssen, tue es aber schon gerne. Auch das Auflegen muss ich nicht machen. Ab einem gewissen Level musst du es auch nicht mehr für dein Bankkonto machen. Dann kannst du weniger spielen, weil du für den jeweiligen Auftritt genug bekommst. Natürlich hat man dann Angst, dass man nicht mehr so viel gebucht wird, aber ganz ehrlich: Es ist sehr viel einfacher, zu einem Gig nein zu sagen, wenn du in einer Position bist, in der du genug Geld hast, um deine Miete zu zahlen und davon zu leben. Wenn du in einer Position bist, in der du sowieso ein gutes Standing hast, ist es okay, nein zu sagen. Wenn man das nicht kann, hat man vielleicht den falschen Job. Oder es kann passieren, dass man gar nicht mitbekommt, dass es einem schlecht geht. Aber das kann einem in jedem Job passieren.

Sicherlich, allerdings denke ich auch an das Beispiel von Avicii. Da sitzt eine Reihe von Anzugträgern da, deren Job es ist, ihn dazu zu pushen, immer weiter zu machen. Ähnliche Strukturen gibt es vielleicht nicht unbedingt für dich, aber gemeinhin schon in dem, was wir als Underground bezeichnen: Manager_innen, Booker_innen und so weiter, die alle ein Interesse daran haben, dass DJs abliefern, weil sie dann erst ihr Geld bekommen.
Vielleicht bin ich in einer glücklichen Position, weil ich bisher noch jedem Manager gesagt habe, dass er sich verpissen soll. Weil ich auf einen Manager keinen Bock habe. Meine Bookerin sagt mir eher, dass ich mal weniger machen soll. Avicii ist natürlich ein Superstar. Den Fall finde ich schwierig anzubringen, weil es da nicht um einen DJ geht. Das kannst du eventuell noch mit Carl Cox vergleichen, aber selbst das nicht. Das ist wie mit Whitney Houston, wie mit Britney Spears und wem auch immer. Ich möchte beim besten Willen nicht wissen, wie es sich anfühlt, ein Mega-Superstar zu sein. Wenn du nicht mehr über die Straße gehen kannst, wenn dir die ganze Zeit irgendwelche Paparazzi hinterherlaufen. Das ist eine komplett andere Sache. Das hat nichts mit der DJ-Szene zu tun. Das ist ein klassischer Fall von »sehr jung sehr berühmt geworden«. Natürlich passieren solche Sachen auch Underground-DJs, aber ich glaube aus nochmal anderen Gründen. Es gibt auch diverse Arbeitslose, die sich umbringen oder die ein Alkoholproblem haben. Mehr als DJs vermutlich.

Aber auch das kommt mit dem Job.
Es ist wichtig, dass wir darüber reden, weil wir alle Menschen sind und aufeinander achten sollten. Wenn es einem DJ-Kollegen nicht gut geht, sollten wir ihn an die Hand nehmen. Aber das Gespräch darüber finde ich schwierig, weil es von Fall zu Fall so unterschiedlich ist. Avicii finde ich schwierig, weil er ein massiver Superstar war, der vermutlich noch ganz andere Geschichten am Laufen hatte als ich das je in meinen kleinen Kopf kriegen könnte. Ich kann mir nicht vorstellen, ein Avicii zu sein.

Natürlich gibt es genug Leute, die den DJ-Lifestyle mit all seinen Aspekten lieben. Ich habe aber schon oft genug von Leuten gehört, dass sie eigentlich gar nicht als DJs unterwegs sein wollen.
Aber warum machen die das dann?

Helena Hauff - Qualm Webshop ► Vinyl 2LP Weil sie sich so ihre Arbeit als Produzent_innen finanzieren können.
Klar. Das verstehe ich. Du musst schon eine bestimmte Type sein, um auf das DJ-Ding Bock zu haben und damit fertig zu werden. Oder eventuell auch den passenden Rückhalt zuhause zu haben – dass da jemand ist, der dich vom Flughafen abholt und sagt: »Alles in Ordnung, mach dir keine Sorgen.« Freunde, Familie und so weiter, das hat dann auch nicht jeder. Wenn du dir deine Arbeit als Produzent damit verdienst, DJ zu sein, kann es natürlich schwierig sein. Es kommt aber aufs Level drauf an. Bei mir war es vor fünf Jahren am schlimmsten: Du spielst viel, verdienst aber noch nicht genug beim jeweiligen Auftritt, um weniger zu spielen. Du hast so viel zu tun und reist wie ein Superstar-DJ, aber du kannst nicht viel weniger machen. Aber selbst dann müssen es nicht vier Wochenenden sein – es reichen immer noch zwei. Und wenn du darauf kein Bock drauf hast, warum machst du es trotzdem? Klar, je weniger du spielst, desto weniger lernen dich die Leute kennen und dann machst dir Sorgen… (seufzt) Ich bin ganz happy und hoffe, dass ich – sollte ich nicht mehr happy sein – damit auch aufhöre.

Das klingt, als würdest du dir selbst nicht trauen.
Das sage ich ja: Ich weiß nicht, ob das so einfach wäre. (zögert) Ich glaube aber auch nicht, dass es so schwierig wäre.


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Aigners Inventur
September & Oktober
Der Sommer ist vorbei, die Welt ja sowieso, da wird selbst unser Kolumnist emotional. Er gibt seinem Haustier einen Namen und legt sich zu Enya in die Badewanne. Aigners Inventur ist zurück. Ganz, ganz wild.
Music Porträt
Larry Heard
Von der Luftgitarre zur Clubhymne
Larry Heard gilt als einer der Gründungsväter von Chicago House. Mit »Can You Feel It« prägte er das Antlitz von Deephouse. Stets blickte er über den Tellerrand der Clubmusik hinaus. Begonnen hat er seine Karriere jedoch als Luftgitarrist.
Music Kolumne
Records Revisited
Aesop Rock – Float (2000)
Statistisch gesehen ist Aesop Rock der eloquenteste unter allen Rappern. Stilistisch gesehen musste er zuerst behaupten, um im Feld der elaborierten Hip-Hopper zu etablieren. Dahingehend war »Float« von 2000 eine erstes Ausrufezeichen.
Music Interview
Kelly Lee Owens
»Wir verkörpern Emotionen«
Mit »Inner Song« veröffentlichte die walisische Musikerin ihr zweites Album, das mit einer Hand die Tränen nach dem Closing-Set aus den Augen wischt und mit der anderen das Fenster in den Alltag aufstößt. Ein Gespräch.
Music Liste
Harmonious Thelonious
10 All Time Favs
Mit »Plong« rüttelt Stefan Schwander an den Grundfesten der Clubmusik. Sein neues Solo-Album als Harmonious Thelonious lässt Alltagsgeräusche ein unheimliches Eigenleben entwickeln. Uns hat er erzählt, welche 10 Platten ihn geformt haben.
Music Interview
Nubya Garcia
Verwobene Erinnerungen
Die Saxophonistin Nubya Garcia ist Teil der regen Londoner Jazzszene. An ihrem Instrument ist sie eine der energetischsten Musikerinnen der Welt. Ansonsten ruht sie in sich. Sie ist so cool, wie die Musik, die sie spielt. Ein Interview.
Music Porträt
Pierre Schaeffer
In allem steckt Musik
Lange Zeit war es kaum vorstellbar, dass Musik durch anderes als Instrument und Stimme entstünde. In den Händen Pierre Schaeffers jedoch wurde der Tonträger zur Basis der Komposition. Vor 25 Jahren starb der Pionier der elektronischen Musik
Music Liste
Record Store Day 2020 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 29.8.2020 findet nun der erste von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind mehr als 350 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Liste
Jonathan Bree
10 All Time Favs
Jonathan Bree versteckt sein Gesicht hinter einer Latexmaske. Nun ja. Aber das ist nicht das bemerkenswerteste an dem Neuseeländer. Denn er ist vor allem ein erstklassiger Songwriter. Uns hat er erzählt, welche 10 Platten ihn geformt haben.
Music Porträt
Kommerz Records
Sich selbst das Bein stellen
Jonathan und Lukas Nixdorff haben sich einen Kindheitstraum erfüllt: Vor wenigen Wochen gründeten sie Kommerz Records. Dort erscheint nun das erste Release, »Kommerz Season 1: Anti-Virus«.
Music Porträt
Light In The Attic
Alles ist erleuchtet
Seit fast 20 Jahren bringt das in Seattle beheimatete Plattenlabel Light In The Attic Licht ins Dunkel jener Releases, die im Schatten stehen. Dass sie von Beginn an auf Vinyl setzten, zubilligt dem Label heute die Rolle eines Vorreiters.
Music Porträt
Jason Molina
Gone But Not Forever
Soeben sind unveröffentlichte Aufnahmen von Jason Molina veröffentlicht worden. Mit Songs: Ohia oder Magnolia Electric Co. wollte er sein Leben als Momentaufnahme festhalten. Doch es löste sich auf wie die Gespenster, an die er glaubte.
Music Kolumne
Records Revisited
Raekwon – Only Built 4 Cuban Linx… (1995)
Nach »Enter the Wu-Tang (36 Chambers)« haben sich die Clan-Mitglieder solo ausprobiert. Erst Method Man, dann Ol’ Dirty Bastard, schließlich Raekwon. Sein 1995 releastes »Only Built 4 Cuban Linx…« zählt zu den Meisterwerken des Hip-Hop.
Music Porträt
Jockstrap
Viel Klang, viel Geräusch
Das Londoner Duo Jockstrap veröffentlicht ihre Schallplatten bei Warp. Ihre Songs sind in Werbungen von Chanel und Dior zu hören. Taylor Skye und Georgia Ellery spielen sich auf der zweiten EP »Wicked City« passgenau die Bälle zu.
Music Liste
Jay Glass Dubs
10 All Time Greek Favs
»Soma« heißt auf Griechisch Körper und an den richtet sich die Musik von Jay Glass Dubs. »Soma« heißt sein neues Album. Das war die Chance den Griechen nach 10 Schallplatten zu fragen, die ihn geformt haben. Er antwortet griechisch.
Music Kolumne
Record Revisited
Elliott Smith – Elliott Smith (1995)
Die neunziger Jahre waren ein lautes Jahrzehnt, doch sie gaben uns auch die Musik von Elliott Smith. Dessen zweites Album »Elliott Smith« setzte einen stillen, inwendigen Kontrapunkt zum Weltgeschehen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Closer (1980)
Joy Divisions Album »Closer« war ein Zwischenschritt, ein halbherziges, halbbeseeltes Statement von vier jungen Männern auf ihrem Weg in neue Untiefen. Nur einer aber wollte, konnte nicht vom Fleck kommen.
Music Porträt
WeWantSounds
Ansteckende Leidenschaft
Den Grund für die Label-Gründung trägt WeWantSounds im Namen. Seit 2015 veröffentlicht der Pariser Zweimannbetrieb persönliche Lieblingsmusik aus den Siebzigern und Achtzigern. Bei der Auswahl spielen Genre- und Landesgrenzen keine Rolle.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Arca – KiCK i
»KiCK i« soll das erste von vier neuen Arca-Alben sein. Während sich einer unserer Autoren dazu auf dem Shakti-Kissen lümmelt, surft der andere auf Soundcloud das Reggaetón-Tag ab und bewundert der Dritte das Songwriting der Platte.
Music Essay
Baltic & Finnish Jazz
Grenzen ausbooten
Während Jazz von London bis L.A. eine neue Pop-Sensibilität entwickelt oder Fusion updatet, werden an den Ostseeküsten kühle Geschmacksrichtungen zwischen Nachwuchs und Nostalgie kultiviert. Weltoffen ist Jazz auch hier – und total eigen.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2020
Hier werden persönliche Anekdoten zu programmatischen Allegorien: Aigners Inventur verabschiedet sich schlussendlich mit einem Wimmern in die Sommerferien. Es ist schließlich 2020.
Music Porträt
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2020
50 best Vinyl Records so far
Wahrscheinlich wird man in 40 Jahren zwei Fragen beantworten müssen: Was man 2020 selbst gegen das Leid und die Ungerechtigkeit getan und welche Platten man gehört hat. Bei der Beantwortung der zweiten Frage, können wir behilflich sein.
Music Porträt
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Porträt
Roy Ayers
Vibrationen zum Wohlfühlen
Er zählt zu den meistgesampelten Musikern der Gegenwart. Mit Songs wie »Everybody Loves The Sunshine« wurde Roy Ayers, der im September seinen 80. Geburtstag feiert, zur Legende. Auf Jazz Is Dead sind nun neue Songs von ihm erschienen.
Music Porträt
Sven Wunder
Wer bin ich?
Es kursieren gerade zwei Alben, die Liebhabern des Rare Groove Freudentränen in die Augen treiben. Das eine, »Doğu Çiçekleri«, spricht seine musikalische Sprache mit türkischen Akzent, »Wabi Sabi« mit japanischem. Doch wer ist Sven Wunder?